EZB

Ein höherer Leitzins ist noch sehr gefährlich

Die Zeiten extrem billigen Geldes neigen sich dem Ende. Die Gefahr, dass es am Ende zu einer Lohn-Preis-Spirale kommt, ist immens.

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Eines ist jetzt klar: Die Zinsen in der Eurozone werden früher steigen als bislang erwartet. Die mahnenden Worte von EZB-Chef Jean-Claude Trichet zum wachsenden Inflationsdruck sind unmissverständlich. Die Märkte werden darauf vorbereitet, dass die Zinswende nicht mehr in weitere Ferne liegt, sondern mehr oder minder unmittelbar bevorsteht.

Schon beim letzten Zinserhöhungszyklus hatte Trichet die Formulierung "hohe Wachsamkeit“ im Hinblick auf die Preisentwicklung benutzt, um den Richtungswechsel in der Geldpolitik der Notenbank anzukündigen.

Die Zeiten extrem billigen Geldes neigen sich damit dem Ende. Leicht dürfte den Währungshütern in Frankfurt diese Entscheidung nicht gefallen sein. So unangemessen der niedrige Leitzins inzwischen für florierende Volkswirtschaften wie die deutsche geworden ist, so gefährlich ist eine zu frühzeitige Anhebung für die Schuldenstaaten am Rande der Eurozone. Denn höhere Zinssätze verteuern für sie nicht nur die Aufnahme neuer Kredite, sie drosseln auch die Wachstumsperspektiven der Wirtschaft insgesamt. Für einen Staat wie Griechenland, dessen Wirtschaftsleistung ohnehin eine drastische Schrumpfkur erlebt, ist das eine Katastrophe.

Aber auch für die Eurozone insgesamt wachsen mit einer Zinserhöhung die Probleme. Schließlich lassen steigende Zinslasten und eingetrübte Wachstumsaussichten es noch unwahrscheinlicher werden, dass die Peripherieländer ihre Schulden tatsächlich begleichen können. Dies birgt nicht nur die Gefahr neuer Spekulation gegen den Euro, sondern lässt das Thema einer Umschuldung, etwa im Fall von Griechenland, mittelfristig nur noch dringlicher werden.

Trotzdem: Die Gefahr, dass die stark steigenden Energie- und Rohstoffpreise auch auf andere Güter und Dienstleistungen durchschlagen und es am Ende zu einer Lohn-Preis-Spirale kommt, ist immens. Inflationäre Tendenzen lassen sich eben nur in einer Frühphase wirksam und noch vergleichsweise schonend bekämpfen. Eine Notenbank, die ihre Glaubwürdigkeit nicht vollends auf Spiel setzen will, muss sich in einer solchen Situation für den Stabilitätskurs entscheiden – auch wenn es die Wahl zwischen Pest und Cholera bedeutet.

Die Ankündigung höherer Leitzinsen ist aber auch ein Paukenschlag für die Politik: Die Währungshüter glauben, dass sie ihren Teil an der Krisenbewältigung geleistet und die meisten Volkswirtschaften wieder Tritt gefasst haben. Nun ist es an den Regierungen der Euroländer, mehr Ehrgeiz bei ihren Reformbemühungen zur Defizitbegrenzung zu beweisen. Patzen Angela Merkel & Co. hierbei, dürfen sie auf die EZB als geldpolitische Feuerwehr vorerst nicht mehr hoffen.