Verkaufspläne

Banken suchen einen Investor für Hapag-Lloyd

Zur Hälfte gehört die Containerreederei Hapag-Lloyd dem Tourismuskonzern TUI. TUI will verkaufen, aber auch ein Börsengang der Reederei ist möglich.

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Der Verkauf der Anteile der TUI an der Reederei Hapag-Lloyd nimmt Gestalt an. Die Containerreederei gehört knapp zur Hälfte dem Tourismuskonzern, die Mehrheit hält ein Konsortium namens Albert Ballin in Hamburg. Nach Informationen von „Morgenpost Online“ aus dem Unternehmen wird Hapag-Lloyd noch vor Weihnachten zwei Investmentbanken damit beauftragen, einen oder mehrere Investoren für Anteile an der Reederei zu suchen. Voraussetzung soll dabei sein, dass die Geldgeber ein langfristiges Interesse an dem Unternehmen haben. Die Banken sind schon ausgewählt, Namen werden allerdings noch nicht genannt.

Parallel dazu wird auch ein Börsengang der größten deutschen Reederei vorbereitet. „Es gibt bislang nur Planspiele. Unwahrscheinlich ist, dass Hapag-Lloyd gleich mit 49 Prozent an die Börse gebracht wird“, sagte ein Manager des Konzerns. Beim Anteilseigner TUI hieß es lediglich, dass es noch keine Beschlüsse aus dem Gesellschafterkreis oder den Aufsichtsräten dazu gebe. Es bleibe aber bei früheren Aussagen, nach denen TUI die Anteile an Hapag-Lloyd möglichst rasch abgeben wolle.

Interesse an der Reederei soll auch TUI-Großaktionär John Fredriksen haben. Der Norweger ist selbst Reeder. „Es gibt Gespräche mit Fredriksen über Hapag-Lloyd“, sagt ein Manager des Unternehmens. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass TUI einfach die eigenen Anteile an Hapag-Lloyd gegen Fredriksens Aktien an dem Reisekonzern tauscht. Der Unternehmer hält etwa 15 Prozent an dem Tourismuskonzern. Der Wert der TUI-Anteile an der Reederei wird auf gut zwei Mrd. Euro geschätzt.

Erst vergangne Woche hatte Hapag-Lloyd für den Zeitraum von Januar bis September 2010 das beste Neun-Monats-Ergebnis der Firmengeschichte verkündet. Aus dem Verlust im Vorjahr soll nun bis zum Jahresende ein Gewinn von bis zu 750 Mio. Euro werden. Hauptgrund dafür ist, dass der Welthandel dieses Jahr um zehn Prozent wachsen wird. Davon wiederum profitieren Containerreedereien überproportional.

Die Trendwende bei Hapag-Lloyd ist aber auch den Unternehmensberatern von Roland Berger zu verdanken, die auf Druck einiger Gesellschafter in die Hapag-Zentrale eingezogen sind und ein Milliarden-Sparprogramm aufgelegt haben. Davon sollen bereits 600 Mio. Euro realisiert worden sein. Auch im nächsten Jahr werden die Berater noch in dem traditionsreichen Haus der Reederei am Ballindamm sitzen und den Sparkurs begleiten. Zudem haben Gesellschafterdarlehen die Rettung von Hapag-Lloyd ermöglicht. Hinter dem Konsortium Albert Ballin stehen die Stadt Hamburg, der Transportunternehmer Klaus-Michael Kühne, die Bankhäuser HSH und Warburg sowie zwei Versicherungen.