Bilanz

Aktionäre mit Allianz-Dividende unzufrieden

Die Allianz lieferte 2010 das drittbeste Ergebnis der Firmengeschichte. Dennoch sorgen unklare Verhältnisse für Zurückhaltung im neuen Jahr.

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Die Allianz übt sich angesichts schwerer Naturkatastrophen und Unsicherheiten an den Kapitalmärkten in Vorsicht. Der operative Gewinn des Versicherungsriesen solle dieses Jahr bei rund acht Milliarden Euro liegen, könne aber auch 500 Millionen nach oben oder unten abweichen, kündigte Konzernchef Michael Diekmann in München an. Schon für 2010 hatte sich Europas größter Versicherer zunächst nicht viel zugetraut, ungewöhnlich hohe Lasten aus Überschwemmungen, Erdbeben und Stürmen hatten den Dax-Konzern zu Jahresbeginn 2010 unter Druck gesetzt. Am Ende stand aber ein überraschend starkes Plus beim operativen Gewinn von 17 Prozent auf 8,24 Milliarden Euro – das drittbeste Ergebnis der Firmengeschichte.

Die Allianz profitierte dabei vom Aufschwung an den Aktienmärkten und geringen Großschäden im Schlussquartal. Das lag im Trend: Vor allem Rückversicherer wie die Münchener Rück hatten angesichts einer glimpflich verlaufenen Hurrikan-Saison in den USA glänzende Bilanzen vorgelegt. Bei den normalen Versicherern ist die Vormachtstellung der Allianz ungebrochen. Wichtige Rivalen wie die Axa konnten abermals auf Abstand gehalten werden. Bei den Franzosen fiel der Nettogewinn vergangenes Jahr um 26 Prozent auf 2,75 Milliarden Euro. Bei der Allianz blieb unter dem Strich mit 5,2 Milliarden Euro deutlich mehr hängen.

Holpriger Jahresstart

Dennoch geriet die Allianz-Aktie an einem schwachen Börsentag unter Druck: Sie verbilligte sich um 3,7 Prozent auf unter 101 Euro und war einer der größten Verlierer im Leitindex Dax. Analysten sprachen überwiegend von guten Zahlen, Händler verwiesen teilweise auf die Dividende, die noch höher hätte ausfallen können. Sie wird für 2010 auf 4,50 (2009: 4,10) Euro je Anteilsschein steigen.

Der Jahresstart wird wie schon im Vorjahr, als der Wintersturm "Xynthia“ und das Erdbeben in Chile für hohe Lasten sorgten, holprig werden. Diekmann rechnet allein durch die Überschwemmungen in der australischen Metropole Brisbane, den Zyklon "Yasi“ am Great Barrier Reef sowie das jüngste schwere Erdbeben in Neuseeland mit Kosten von zusammen rund 300 Millionen Euro für die Allianz. Der Branchenprimus hat für Naturkatastrophen etwa 900 Millionen Euro pro Jahr eingeplant. Auch der kalte Winter führt bei der Allianz immer wieder zu spürbaren Kosten. 2010 verdreifachten sich die Naturkatastrophen-Lasten auf 1,3 Milliarden Euro.

Allianz würde gerne zukaufen – traut sich aber noch nicht

Bei Übernahmen hält sich die Allianz seit geraumer Zeit zurück. Theoretisch stünde pro Jahr eine Milliarde Euro aus dem Überschuss für Zukäufe zur Verfügung, bekräftigte Diekmann. Vor allem in der Kernsparte Schaden/Unfallversicherung gebe es auch attraktive Ziele. "Aber wir werden uns nicht groß engagieren, bevor wir die Solvency-II-Auswirkungen nicht kennen.“ Das Regelwerk, das Anfang 2013 in Europa in Kraft treten und die tatsächlichen Risiken der Versicherer besser berücksichtigen soll, kritisierte Diekmann ungewöhnlich scharf. "Viele Menschen setzen bei ihrer privaten Vorsorge auf die Zuverlässigkeit der Lebensversicherung mit ihren langfristigen Zins- und Kapitalgarantien. Doch gerade die beliebte Produktgattung, die deutsche Lebensversicherung, ist jetzt durch Solvency II gefährdet.“

So werde die politische Zielsetzung, die Branche krisenfester zu machen und so die Kunden zu schützen, nicht erreicht: "Die Regulatoren müssen die Kirche bitte im Dorf lassen.“ Nach den gegenwärtigen Überlegungen, die allerdings nicht in Stein gemeißelt sind, könnten selbst kleinste Änderungen im Zinsumfeld den Kapitalbedarf schnell massiv verändern, sagte Diekmann mit dem Hinweis auf die jüngsten Machbarkeitstests. "Der ermittelte Kapitalbedarf ist so stark hin- und hergeschwankt, dass viele Lebensversicherer an einem Tag eine Kapitalerhöhung vornehmen müssten, die sich schon wenige Tage später als überflüssig erweisen würde.“ Die Folgen wären höhere Kosten, die auch Kunden mittragen müssten.