Eigenkapital

Ackermann besorgt um Funktionsfähigkeit der Banken

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Der Chef der Deutschen Bank mahnt die Finanzaufsicht zur Vorsicht. Zu strenge Eigenkapitalregeln gefährden kleine Banken und die Wirtschaft.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann warnt vor einer übereilten Einführung schärferer Eigenkapitalvorschriften für systemrelevante Banken (SiFis). Ackermann sagte in Neu-Delhi, es gebe noch immer keine klare Definition für die „Systemrelevanz“ von Banken. „Wir glauben, dass es keine voreiligen Schritte zur Einführung von Kapitalaufschlägen für solche Institute geben sollte“, mahnte er in seiner Funktion als Präsident des internationalen Bankenverbandes IIF. Er forderte mehr „Konsistenz und Klarheit" bei der Einführung der neuen Spielregeln für die Branche.

Er argumentierte, kleinere Banken könnten durch Sondervorschriften für die großen aus dem Markt gedrängt werden: „Das Risiko ist, dass es zu Marktverwerfungen kommt, dass die Refinanzierungskosten für die 'SiFis' deutlich geringer sind als für andere.“ Kapitalgeber stellten den im Fachjargon als SiFis bezeichneten systemrelevanten Banken eher Geld zur Verfügung, weil sie ihre Kredite mit mehr Eigenkapital unterlegen müssten und auch in der Krise nicht fallen gelassen würden. Womöglich kämen kleinere Banken dann gar nicht mehr an Refinanzierungsmittel, sagte Ackermann.

Die Bankenaufseher fürchten dagegen, dass Großbanken nach der Krise wieder zu hohe Risiken eingehen, in der Gewissheit, wegen ihrer Bedeutung für die Wirtschaft ihres Landes – also ihrer Systemrelevanz – in einer Krise ohnehin gerettet zu werden. Sie wollen ihnen deshalb im Rahmen des neuen Regelwerks „Basel III“ von 2013 an höhere Mindest-Kapitalquoten verordnen als anderen. Eine Entscheidung darüber soll bis zum G20-Gipfel im November fallen.

Sorgen macht sich Ackermann auch um die Funktionsfähigkeit der Banken, wenn die Liquiditätsvorschriften von Basel III wie vorgesehen 2015 eingeführt werden. Dann könnten Banken grundlegende Dienstleistungen wie Kreditlinien für Unternehmen oder Exportkredite nicht mehr zur Verfügung stellen, die für eine funktionierende Wirtschaft wichtig seien. Nach einer Studie des Baseler Ausschusses der Bankenaufseher bräuchten die Banken Billionen, um die neuen Regeln einzuhalten. Sie sollen jedoch vor einer verbindlichen Einführung auf ihre Praxistauglichkeit überprüft werden.

Der Deutsche-Bank-Chef wiederholte seine Befürchtung, Banken könnten durch ein ungleiches Tempo bei der Einführung von Basel III in den verschiedenen Teilen der Welt benachteiligt werden. Dabei gehe es auch um unterschiedliche Bonus-Regeln. Die Finanzbranche sei im Umgang mit Sonderzahlungen schon ein gutes Stück vorangekommen, es müssten aber mehr Anstrengungen unternommen werden. Boni machen im Schnitt nur noch 20 Prozent der Bezahlung von Bankmanagern aus. Vor der Krise waren es bis zu 80 Prozent. Boni für kurzfristige Gewinne gelten als eine Ursache der Finanzkrise, weil sie Bankern falsche Anreize gaben, unüberschaubare Risiken einzugehen.