Neuer Kraftstoff

Welchen Schaden E10 anrichten kann

Das Misstrauen gegenüber dem neuen Benzin E10 ist groß. Grund für die Verweigerungshaltung der Verbraucher sei vor allem mangelndes Wissen über E10, heißt es von Politik und Industrie. Jedoch ist auch die Kennzeichnung unklar. Morgenpost Online beantwortet die wichtigsten Fragen.

Weshalb bieten die Tankstellen E10 an?

Mit der Einführung von E10 setzt die Bundesregierung eine EU-Vorgabe um. Diese sieht vor, dass fortan 6,25 Prozent (nach Energiegehalt) des verkauften Kraftstoffs Ökosprit sein müssen. Das soll den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß senken. Um die Quote zu erreichen, haben Raffinerien den Anteil von Bioethanol im Superbenzin von fünf auf zehn Prozent (des Volumens) verdoppelt. Bereits vor zwei Jahren hatte die Branche aus demselben Grund den Biokraftstoffgehalt im Diesel auf sieben Prozent erhöht und den neuen Sprit D7 genannt.

Gibt es andere Möglichkeiten, die Quote einzuhalten?

Grundsätzlich erlaubt es das Gesetz, die Quote auch durch den Verkauf von reinem Biokraftstoff zu erfüllen, wie ihn etwa landwirtschaftliche Fahrzeuge tanken können. Seit Jahren sei es gängige Praxis, dass die Mineralölwirtschaft den Biodiesel in großen Mengen auf die Quote anrechnen ließe, erklärt der Verband der Deutschen Biokraftstoff-Industrie (VDB). Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) hingegen zweifelt daran, dass sich genügend reiner Biosprit absetzen lässt, um die Quote zu erfüllen.

Ist die Einführung von E10 eine Pflicht der EU?

Die EU-Kommission hat klargestellt, dass es keine Verpflichtung zur Einführung des Biosprits E10 in Europa gibt. Es sei allein die Entscheidung der Bundesregierung, ob sie Pkw-Benzin mit einem Ethanol-Anteil von zehn Prozent einführe oder nicht, sagte Kommissionssprecher Joe Hennon. Die Kraftstoffrichtlinie von 2009 legt allerdings das Ziel fest, dass bis 2020 zehn Prozent der Energie im gesamten Transportsektor aus erneuerbaren Quellen stammen müssen. Wie die Staaten dieses Ziel erreichen, ist ihre Sache. Einige EU-Länder haben sich nach Kommissionsangaben dafür entschieden, einen Biosprit-Anteil von 80 Prozent für Taxis und Busse vorzuschreiben. Auch scharfe Vorgaben für Lastwagen sind möglich. Auch Hybridfahrzeuge tragen zum Erreichen des Zehn-Prozent-Zieles aus erneuerbaren Energiequellen bei. Intern geht die Kommission davon aus, dass Hybridantriebe nur einen Prozentpunkt beisteuert – der Löwenanteil also durch Biosprit erreicht werden muss.

Woraus besteht Bioethanol?

Hersteller gewinnen Bioethanol aus Pflanzen, vornehmlich Weizen, Mais, Zuckerrüben und Zuckerrohr. Sie werden zu Alkohol vergoren. Dieser wird chemisch bearbeitet, bis er als Kraftstoff verwendet werden kann.

Welche Risiken gehen von E10 aus?

Laut Bundesumweltministerium (BMU) können 90 Prozent der Autos mit Benzinmotor „ohne Einschränkungen“ E10 tanken. Über vier Millionen der in Deutschland zugelassenen Autos vertragen den Sprit jedoch nicht. Laut ADAC kann E10 aggressiv mit Metall- und Kunststoff-Teilen reagieren. Informationen zur Verträglichkeit von Autos gibt es bei Händlern und Herstellern sowie bei der Automobil-Treuhand.

Welche Alternativen zu E10 gibt es?

Für Autofahrer, die ihren Wagen nicht mit E10 betanken wollen oder können, gibt es weiterhin Superbenzin mit fünf Prozent Bioethanol. Allerdings bieten die Tankstellen dieses in der Regel nur noch in Form von teurerem Super Plus an.

Wie viel kostet der neue Sprit?

Die Tankstellen verkaufen den E10-Kraftstoff in der Regel zum Preis des herkömmlichen Superbenzins. Da der Sprit mit fünf Prozent Ethanol dann nur noch als Super Plus erhältlich ist, ist dieser bedeutend teurer als E10. Laut ADAC beträgt die Preisdifferenz zwischen den beiden Benzinsorten im Schnitt acht Cent pro Liter.

Ist der Spritverbrauch bei E10 höher?

Der Verbrauch steigt Berechnungen zufolge im Vergleich zum alten Superbenzin um knapp zwei Prozent. Grund ist der geringere Energiegehalt von Alkohol im Vergleich zu Benzin.

Ist der neue Sprit wirklich besser für die Umwelt?

Das ist umstritten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) hegt große Zweifel an der Klimafreundlichkeit von E10. Weil mehr Pflanzen zur Ethanolproduktion angebaut werden müssten, müsse mehr Ackerland erschlossen werden. Darüber hinaus nehme die Zahl der Ethanolimporte zu. Beides wirke sich negativ auf die CO*-Bilanz aus. Beim Anbau in Monokulturen kämen außerdem umweltschädliche Düngemittel und Pestizide zum Einsatz.