Umsatzeinbruch

Der Champagner steckt in einer tiefen Krise

Luxus adieu! Die Wirtschaftskrise hat die verwöhnten Champagner-Häuser hart getroffen. Die Verbraucher kauften lieber Billigmarken.

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Eine kleine Krypta, tief unten in den Kreidefelsen von Reims, darin eine einzige Flasche. Auf den ersten Blick wirkt sie völlig normal, ja unscheinbar. Und doch war sie für das Champagnerhaus Veuve Cliquot das vielleicht schönste Weihnachtsgeschenk dieses Jahres. Denn es handelt sich dabei um einen der ältesten Champagner der Welt.

Taucher hatten die Flasche, die nach Schätzung von Experten aus der Zeit rund um 1840 stammt, im Sommer in einem Schiffswrack vor der Insel Åland in 45 Meter Tiefe auf dem Meeresgrund zwischen Finnland und Schweden entdeckt. Die Regierung Ålands überließ Veuve Cliquot ein Exemplar als Leihgabe. Allerdings nur vorübergehend, denn anschließend will sie den kostbaren Fund vom Meeresgrund versteigern. Nach Ansicht von Experten könnte er zwischen 50.000 bis 100.000 Euro pro Flasche bringen.

Ein Rekordpreis. Denn das bis vor wenigen Jahren noch so erfolgsverwöhnte Anbaugebiet des Schaumweins wurde von der Wirtschaftskrise stark getroffen. Verbraucher griffen lieber zu preiswerteren Alternativen oder Billigmarken. Die Umsätze der meisten Anbieter sanken drastisch. Auch wenn die Verkäufe nun wieder anziehen, verläuft die Erholung unbefriedigend. Die labile Lage der Branche, die im letzten Jahr auf einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro kam, könnte nun zu Restrukturierungen führen.

Auftakt für eine neue Konsolidierungswelle

So kündigte der französische Spirituosenkonzern Rémy Cointreau an, seine Champagnersparte mit den Marken Piper Heidsick und Charles Heidsick verkaufen zu wollen. Der Verkauf könnte den Auftakt für eine neue Konsolidierungswelle in der Branche führen, glauben die Analysten von Exane BNP Paribas. „Die Größe der Champagnerhäuser ist ein entscheidender Faktor für ihre Leistungsfähigkeit und für den Aufbau einer internationalen Präsenz“, urteilen sie.

Konsolidierung könne den Produzenten helfen, die Versorgung mit Trauben zu besseren Konditionen sicher zu stellen. Grund dafür ist eine Besonderheit der berühmten Weinbauregion im Nordosten Frankreichs. Zwar machen große Häuser wie Moët&Chandon, Laurent-Perrier oder Vranken-Pommery fast 90 Prozent des Exports in Höhe von zuletzt 1,6 Milliarden Euro aus, doch ihnen gehören gerade mal zehn Prozent der Weinberge. Sie müssen deshalb die Trauben bei den mehr als 15.000 Winzern oder 140 Kooperativen dazukaufen.

Für die Produktion einer Flasche Champagner kostet sie das knapp sieben Euro – mindestens. Denn mit Preisen zwischen 4,56 bis 5,43 Euro pro Kilo gelten die Trauben aus der Champagne als die teuersten der Welt. Viele Champagnerhäuser begannen deshalb vor Jahren, auf höherwertige und höherpreisige Produkte zu setzen, mit denen sich vor allem im Ausland mehr verdienen ließ. Doch die Hochpreispolitik hat sich für viele von ihnen während der Krise nicht ausgezahlt. Um die Verkäufe anzukurbeln, verkauften Einzelhändler in Frankreich zu Lockpreisen. In der Folge sank auf dem weltweit größten Markt für Champagner der durchschnittliche Verkaufspreis um sieben bis zehn Euro pro Flasche.