Konjunktur

Deutscher Aufschwung ist nicht zu stoppen

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Die Auftragsbücher der Industrie sind voll. Die Wirtschaft in der Eurozone brummt – vor allem in Deutschland. Allerdings legt auch die Inflation zu.

Die Industrie in der Euro-Zone kommt dank des deutschen Aufschwungs und der leichten Belebung in Krisenländern wie Spanien in Fahrt. Der Einkaufsmanagerindex erreichte im Februar mit 59,0 Punkten das höchste Niveau seit mehr als zehneinhalb Jahren, teilte das Markit-Institut zu seiner Umfrage unter 3000 Firmen mit. „Spitzenreiter Deutschland, aber auch Österreich und die Niederlande wiesen allesamt neue Umfragehochs aus“, hieß es. Auch in hoch verschuldeten Sorgenstaaten wie Irland und Spanien ging es aufwärts. Lediglich in Griechenland meldeten die Unternehmen abermals Geschäftseinbußen.

„Besonders erfreulich ist, dass die Industriesektoren der Peripherie-Länder dank anziehender Exporte wieder in Schwung kommen“, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. „Allerdings leidet die Binnenkonjunktur, zum Beispiel in Spanien und Irland, noch immer unter den Spardiktaten der dortigen Regierungen.“ Das sei der Hauptgrund dafür, „dass der Wachstumsunterschied zu den Kernländern Deutschland und Frankreich nach wie vor groß ist“.

Nach einer neuen Prognose der EU-Kommission wird Deutschland auch 2011 die am stärksten wachsende Volkswirtschaft in der Eurozone sein. Die Statistiker der EU-Kommission rechnen in ihrer Zwischenprognose mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,4 Prozent. Ihre bisherigen Wachstumserwartungen korrigierten sie damit um 0,2 Prozentpunkte nach oben. Die Bundesregierung ging zuletzt bei Vorlage des Jahreswirtschaftsberichts von einem Plus von 2,3 Prozent aus.

Im EU-Schnitt rechnen die Brüsseler Experten mit einem realen BIP-Wachstum von 1,8 Prozent und von 1,6 Prozent in der Eurozone. Beide Zahlen wurden im Vergleich zur Herbstprognose um 0,1 Prozent heraufgesetzt. Für die kommenden Monate sieht es wegen gut gefüllter Auftragsbücher gut aus. Die Exportbestellungen erreichten das höchste Niveau seit zehn Monaten. Zu schaffen machen den Unternehmen allerdings die in Rekordtempo steigenden Kosten. „Zurückzuführen war der Kostenanstieg auf die Verteuerung von Chemikalien, Energie, Nahrungsmitteln, Öl, Metallen und Textilien, aber auch auf Lieferschwierigkeiten und Kapazitätsengpässe auf Lieferantenseite“, schrieben die Forscher.

Die Inflation in der Eurozone legt unterdessen zu. Die EU-Kommission erhöhte in ihrer Zwischenprognose die Vorhersage für den Preisanstieg in diesem Jahr auf 2,2 Prozent im Vergleich zu 1,8 Prozent in der Herbstprognose. Der Umsturz in Nordafrika und die Unruhen in einigen arabischen Ländern könnten die Preisspirale weiter nach oben drehen. „Die Inflationsprognose ist angesichts des laufenden politischen Umbruchs im Nahen Osten und in Nordafrika eher mit Aufwärtsrisiken behaftet“, erklärte die Kommission.

Die rasant steigenden Preise für Rohstoffe und Vormaterialen könnten die Unternehmen von Neueinstellungen abhalten. Davon war im Februar allerdings wenig zu spüren: Die Euroland-Industrie baute so viele Stellen auf wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Die Arbeitslosigkeit in Europa nahm im Januar deshalb leicht ab. Nach Angaben des europäischen Statistikamts Eurostat waren in der Eurozone 15,8 Millionen Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, eine Quote von saisonbereinigt 9,9 Prozent. Im Dezember hatte die Arbeitslosigkeit im Euroraum noch bei 10 Prozent gelegen.

In der EU insgesamt waren rund 23 Millionen Menschen ohne Job. Die Quote im Januar lag bei 9,5 Prozent nach 9,6 Prozent im Dezember. Die niedrigsten Arbeitslosenquoten gab es im Januar in den Niederlanden und in Österreich (je 4,3 Prozent) sowie in Luxemburg (4,7 Prozent). Deutschland lag nach der EU-Berechnung bei 6,5 Prozent. Die höchsten Quoten meldeten den Angaben von Eurostat zufolge Spanien (20,4 Prozent), Lettland (18,3 Prozent im dritten Quartal 2010) und Litauen (17,4 Prozent im vierten Quartal 2010).