Eurokrise

Euroländer haben den Ernst der Lage nicht erkannt

Die Sorgen um die USA und Japan lenken die Investoren nur kurzfristig von den Problemen der Euroländer ab. Die EZB muss handeln.

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Das tückische an der Schulden- und Währungskrise ist, dass sie zwischenzeitlich immer wieder in Vergessenheit gerät. Phasen spannungsgeladener Zuspitzung wechseln ab mit Wochen scheinbarer Normalisierung. Im Augenblick ist es noch relativ ruhig.

Selbst der Umstand, dass Portugal möglicherweise doch kurzfristig unter den Rettungsschirm schlüpfen muss, hat dem Euro in den vergangenen Tagen kaum geschadet. Nur die Renditeaufschläge für portugiesische Anleihen sind wieder in die Nähe alter Höchststände geklettert.

Die Gemeinschaftswährung profitiert davon, dass sich die Aufmerksamkeit der Investoren verlagert hat. Die lange verdrängten Schuldenprobleme in den USA und auch in Japan sind stärker in den Fokus gerückt und relativieren die Sorgen um den Euro. Zugleich nimmt die Entwicklung im arabischen Raum das Interesse der Investoren in Beschlag und bietet Spekulanten mit dem Öl eine vielleicht noch attraktivere Wettgelegenheit.

Doch mehr als eine Atempause ist all dies nicht. Sollten die Regierungschefs der Euroländer auf dem Gipfel im März mit ihren Beschlüssen nicht überzeugen und der von deutscher Seite angeregte „Pakt für Wettbewerbsfähigkeit“ zu einem Kompromiss auf kleinstem Nenner schrumpfen, wird der Euro erneut in Bedrängnis geraten.

Nicht umsonst mahnt die EZB mehr Ehrgeiz bei den anstehenden Strukturreformen an. Die Notenbanker scheinen bereits zu ahnen, dass manch ein Regierungschef den Ernst der Lage noch immer nicht erkennt und versucht ist, politischen Opportunitäten den Vorrang vor der ökonomischen Notwendigkeit zu geben.