"One Pass"

Google führt Vertriebsplattform für Medien ein

Der US-Konzern Google plant ein neues Vertriebsmodell für die Medienbranche. Es nennt sich "One Pass" – und soll Verlagen neue Wege aufzeigen.

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Auf der Suche nach tragfähigen Geschäftsmodellen für Medien im Internet führt Google ein neues System zur Abwicklung von Online-Zahlungen ein. Die Lösung mit der Bezeichnung „One Pass“ soll Internet-Nutzer ermöglichen, Abonnements, aber auch einzelne Artikel und andere Inhalte auf der Website eines Medienunternehmens möglichst einfach zu beziehen. Bislang sind die meisten Medieninhalte im Internet kostenlos verfügbar.

Als erste Partner nannte Google den „Stern“, das zur Burda-Gruppe gehörende Unternehmen Tomorrow Focus und den Medienkonzern Axel Springer ("Bild", Morgenpost Online). „Wir sind schon seit einiger Zeit mit Verlegern im Gespräch und haben überlegt, wie man Nutzer dazu bewegen kann, für Inhalte zu bezahlen“, sagte der zuständige Google-Manager Madhav Chinnappa. Die jetzt gefundene Lösung sei ein Angebot an Medienunternehmen, damit zu experimentieren und Erfahrungen zu sammeln.

Google kümmere sich um die Authentifizierung der Nutzer, die Abo-Verwaltung und die Zahlungsabwicklung. Die Nutzer sollen sich dafür mit einem Google-Konto anmelden. Das System wird nach Angaben Chinnappas zunächst für den Bezug von Online-Ausgaben auf dem PC eingeführt. Danach ist auch eine Version für Apps von Zeitungen und Magazinen auf mobilen Geräten geplant.

Für die Medienbranche sind besonders die Tablet-Computer interessant. Chinnappa sagte, dass Google zehn Prozent des bei „One Pass“ erzielten Umsatzes für sich behalten wolle – verglichen mit einem Anteil von 30 Prozent, den Apple bei der Bestellung von Abos für die iPad-Ausgaben von Zeitungen oder Zeitschriften beansprucht, sofern die Bestellung innerhalb der App erfolgt, also der Software für das Lesen der Artikel. Axel Springer will das System beispielsweise einsetzen, um Spiele der türkischen Fußball-Liga live auf der Website Bild.de zu übertragen. Auftakt sei am Samstag, sagte ein Sprecher. Die Preise sollen zwischen rund 5 und 15 Euro pro Spiel liegen.

Einen Tag vor Google hatte Konkurrent Apple einen ähnlichen Dienst vorgestellt. Über den App Store, in dem Nutzer bislang vor allem kleine Programme herunterladen können, sollen Zeitschriftenabonnements für die Nutzer des Tablet-PCs iPad, des Internethandys iPhone und des Internet-Musikspielers iPod vertrieben werden. Preis und Dauer des Bezugs sollen die Verlage selbst bestimmen. Verlagshäuser erhoffen sich von den Angeboten, wie sie Apple und Google vorstellten, eine zusätzliche Einnahmequelle. Bisher schreiben die meisten Verlage mit ihren Internetangeboten rote Zahlen. Apple steht aber auch in der Kritik der Verlage wegen Vorgaben zu den Inhalten und hoher Kommissionen, die der Technologiekonzern für den Verkauf im AppStore verlangt.