Deutsche-Bank-Wechsel

Aufsicht hält Weber noch nicht für bankentauglich

Die Bankenaufsicht zweifelt an der Erfahrung von Bundesbankchef Axel Weber. Bei einem Wechsel in die Privatwirtschaft würde sie ihm wohl strenge Auflagen machen.

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Bundesbankpräsident Axel Weber könnte auch nach einer Karenzzeit nicht unmittelbar Chef der Deutschen Bank werden. Offenbar ließe es die Finanzaufsicht BaFin nicht einmal zu, dass er direkt in den Vorstand des Kreditinstituts einzieht. Wie Morgenpost Online aus Aufsichtskreisen erfuhr, müsste Weber im Falle eines Wechsels in eine Geschäftsbank erst als Generalbevollmächtigter unterhalb des Vorstands Erfahrungen sammeln, ehe ihm die Geschäftsleitererlaubnis – in der Branche Bankenführerschein genannt – erteilt würde.

Weber hat bislang nie in einer Geschäftsbank gearbeitet. Leute ohne entsprechende Erfahrungen könnten nach dem Kreditwesengesetz nicht direkt in den Vorstand einer Bank einziehen, hieß es. Ausnahmen von dieser Regel habe es vielleicht in früheren Jahrzehnten gegeben. Sie entsprächen heute aber keinesfalls mehr der Praxis der BaFin, die über die Eignung befinden muss. Verwiesen wird unter anderem auf das Beispiel des heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank, Clemens Börsig. Der frühere Bosch-Manager und Finanzvorstand des Energiekonzerns RWE wechselte Ende 1999 zu der Frankfurter Bank, führte das Finanzressort jedoch zunächst nur als Generalbevollmächtigter. Erst Anfang 2001 durfte er in den Vorstand einziehen. Im vergangenen Jahr hatte die BaFin Aufsehen erregt, weil sie Axel Wieandt trotz seiner Erfahrung an der Spitze der Immobilienbank Hypo Real Estate die Eignung absprach, die deutlich kleinere BHF-Bank zu leiten.

Seit Bundesbank-Präsident Weber kürzlich seinen Rückzug zum 30. April angekündigt hat, gibt es heftige Spekulationen darüber, dass er zur Deutschen Bank wechseln könnte. Vorstandschef Josef Ackermann hatte sich innerhalb und außerhalb des Instituts mehrfach sehr positiv über Weber geäußert. Zwar sagte er vergangene Woche, dass es derzeit keine Verhandlungen mit Weber gebe. Doch das war ohnehin klar, da Gespräche erst nach dem 30. April geführt werden dürfen, wenn Weber die Bundesbank verlassen hat. In Vorstand und Aufsichtsrat geht man weiterhin davon aus, dass Ackermann den Bundesbank-Präsidenten als seinen Nachfolger favorisiert.

In der Deutschen Bank allerdings gibt es breiten Widerstand gegen eine mögliche Ernennung Webers zum Vorstandschef. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen sprechen sich zahlreiche ranghohe Manager, darunter weite Teile des Vorstands, gegen Weber und für eine interne Lösung aus. Auch im Aufsichtsrat wird bezweifelt, dass ein externer Kandidat die richtige Wahl wäre. „Der Vorstand kann zwar nicht für sich beanspruchen, dass jemand aus den eigenen Reihen Vorstandsvorsitzender wird“, zitierte die „Morgenpost Online“ eine mit den Vorgängen vertraute Person. Wenn es aber ein externer Kandidat würde, müsste das ein herausragender, branchenweit anerkannter Banker sein, der viel vom Investmentbanking verstehe. „Es ist klar, dass Weber dieses Profil nicht erfüllt. Kommt er trotz dieser Bedenken ins Spiel, dann könnte der Vorstand dem Aufsichtsrat einen Gegenvorschlag unterbreiten.“

Zahlreiche Führungskräfte fordern nun, dass Ackermann entweder ein klares Bekenntnis für den Verbleib bis zum Ende seiner Amtszeit im Mai 2013 abgeben und sich von Weber als Kandidaten für seine Nachfolge distanzieren muss oder der Prozess beschleunigt werden sollte. „Wir müssen die Unruhe aus der Bank herausbringen“, sagt ein Aufsichtsrat. „Es reicht nicht, dass Herr Ackermann nun sagt, dass es keine Verhandlungen mit Herrn Weber gibt.“

Der Bankchef will sich offenbar nicht drängen lassen. „Ein Grund zur Eile besteht nicht, da der Vertrag von Josef Ackermann noch mehr als zwei Jahre läuft“, sagte sein Sprecher der „Morgenpost Online“. Auch die Verantwortung für den Auswahlprozess schiebt Ackermann wieder etwas von sich, nachdem er diesen kürzlich als „Gemeinschaftswerk“ zwischen ihm und Aufsichtsratschef Clemens Börsig bezeichnet hatte. „Die Auswahl des Vorstandsvorsitzenden ist das Privileg des Aufsichtsrats“, sagte der Sprecher. Der gehe dabei geordnet und nach professionellen Maßstäben vor und werde entscheiden, wenn die Zeit dafür gekommen sei.

Dass Weber schon bald eine neue Position anstrebt, scheint umso wahrscheinlicher, da seine Rückkehr als Ökonomieprofessor an die Universität zu Köln dem Vernehmen nach von vornherein auf zwei Semester begrenzt ist. Diese Befristung kursiert nach Informationen der „Welt“ im Umfeld der wirtschaftspolitischen Lehrstühle der Hochschule, verbunden mit dem Hinweis, dass die Planung nicht nach außen dringen solle. Weber könnte somit voraussichtlich im Frühjahr 2012 zur Deutschen Bank wechseln. Damit hätte er theoretisch Zeit, sich für den „Bankenführerschein“ zu qualifizieren, ehe Ackermann die Bank verlässt.