Bilfinger Berger

Roland Koch tritt an zum 1,5-Millionen-Euro-Job

Am 1. März ist Dienstbeginn für Roland Koch beim Baukonzern Bilfinger Berger. Abermals muss er sich die Frage gefallen lassen, was ihn zu diesem Job befähigt.

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Roland Koch, Hessens Landesvater a.D., hat schon lange ein Herz und Händchen fürs Bauwesen, darauf deutet zumindest sein erstes Eigenheim hin. Vor den „Schuhkarton mit angeklebtem Fachwerk“, wie Koch-Biograf Hajo Schumacher das Häuschen wenig respektvoll beschrieb, hatte der heute 52-Jährige in den 80er-Jahren einen Briefkasten gemauert, mit extrabreitem Schlitz für die dicken Aktenordner aus Juristerei und Politik. Der junge Rechtsreferendar sei damals zwar „wenig fachmännisch“ ans Werk gegangen, berichtet Schumacher, aber mit umso größerer Begeisterung.

Auch in seinen elf Jahren als Ministerpräsident sah man den für überschwängliche Emotionen wahrlich nicht berühmten Hessen selten zufriedener als auf Baustellen. Glücklich stapfte er bei Inspektionsreisen quer durch sein Bundesland mit polierten Lederschuhen durch den Matsch. Er spähte von frisch betonierten Klinikhubschrauberlandeplätzen, besichtigte Rohbauten von Polizeihauptquartieren oder kletterte über Gerüste auf die Autobahnquerung der umstrittenen neuen Flughafenlandebahn, für die sich Koch über Jahre eingesetzt hatte. Und die, wie sich die Opposition jetzt empört, von seinem künftigen Arbeitgeber Bilfinger Berger planiert wird.

Dem Vorwurf der Verquickung von Amt und späterer Vorteilsnahme tritt der gebürtige Frankfurter aber vehement entgegen. Er habe zwar zeitweise dem Aufsichtsrat des Flughafenbetreibers Fraport AG angehört, argumentiert der vor einem halben Jahr der Politik Entflohene, schließlich sei das Land Hessen größter Aktionär der teilprivatisierten Gesellschaft. Doch mit Recht verweist Koch darauf, dass es wahrlich nicht die Aufgabe von Aufsehern ist, Verträge für Planierarbeiten zu vergeben. Außerdem werden solche öffentlichen Bauvorhaben stets ebenso öffentlich ausgeschrieben.

Vollblutpolitiker wird Top-Manager

Am 1. Juli wird der Vollblutpolitiker Top-Manager der Baubranche. Offizieller Arbeitsbeginn ist aber der 1. März. Der ehemalige Wirtschaftsanwalt, der einst eine Praxis in Frankfurt gründete, kann sich zunächst als einfaches Vorstandsmitglied ohne Verantwortung anschauen, wie der Alltag eines MDax-Konzerns aussieht. Koch wird vier Monate lang viel reisen, viel reden und vor allem zuhören, um die Bilfinger-Standorte rund um den Globus kennenzulernen. Die Theorie soll Koch längst gepaukt haben. Kein Wunder; nach 38 Jahren in der Politik würde dem als Workaholic bekannten Juristen ohne das Studium von Akten in dicken Ordnern sicher etwas fehlen.

Koch, der in seinem neuen Job mit rund 1,5 Millionen Euro zehn Mal so viel verdient wie bisher, war zwar noch nie Manager und auch kein Wirtschaftspolitiker im engeren Sinn. Doch in der Wirtschaft genoss er stets ein hohes Ansehen. Immer wieder hat er Konzernführer durch seine analytischen Fähigkeiten verblüfft, durch immense Detailkenntnis und Fachwissen in Finanzfragen.

Als Ministerpräsident sind Koch, der in der CDU-Parteispendenaffäre mit seiner Wortschöpfung „brutalstmögliche Aufklärung“ Geschichte schrieb, dennoch selten die Herzen der Bürger zugeflogen. Er gilt als kühl, wenig nahbar, emotionslos. Auch sind ihm wahrlich nicht alle Vorhaben gelungen. Vor allem hinterließ er Hessen einen Schuldenberg, obwohl das Land die höchsten Steuereinnahmen pro Einwohner in Deutschland hat. Koch begründete das stets mit den Fehlern seiner rot-grünen Vorgängerregierung, die er mühsam habe ausbügeln müssen. Doch Hessen gilt im Länderkreis als finanzpolitisch allenfalls mäßig gemanagt.

Auch in der Bildungspolitik oder bei der Jugendstraftäterkampagne sind Koch Fehler unterlaufen. Aber dennoch – oder vielleicht auch gerade deshalb – gilt er als durchsetzungsstark, entscheidungsfreudig, hart im Nehmen und überdies in der Lage, einen großen Apparat zu führen. Immerhin ist das Land mit rund 150.000 Mitarbeitern der mit Abstand größte Arbeitgeber in Hessen. Koch hat sich stets gern als „CEO des Konzerns Hessen“ gesehen, als einer, der gern privatisiert, der schauen kann, wo Margen und Gewinnmöglichkeiten versteckt liegen.

Womöglich nervt Koch deshalb die derzeit immer wieder gestellte Frage so sehr, was eigentlich einen Landespolitiker dazu befähige, einen Baukonzern mit zehn Milliarden Euro Umsatz zu führen. Und ob er glaube, dass er das könne. Koch reagiert dann wortkarg, wie üblich, wenn der unterkühlte Analytiker deutlich machen will, wie dumm er eine Frage findet: „Ich glaube, dass man die Herausforderung bewältigen kann“, sagte er jüngst bei einem Gourmet-Kochkurs, mit dem er die Pause zwischen Politik und Wirtschaft füllen wollte.

Koch dürfte sein neues Engagement nicht zuletzt auch als persönliche Herausforderung verstehen. Und als Chance, sich auf dem ungewohnten Feld der Wirtschaftsführer zu profilieren. Höchst befriedigt tat er kund, dass er sich auch deshalb auf die neue Aufgabe freue, weil seine Leistung künftig an Zahlen und Ergebnissen gemessen werde – und nicht mehr ganz subjektiv an Sympathie.