Ölpreise

Ölpreis-Schock sollte politisches Signal sein

Auch wenn Europa keine Öl-Engpässe drohen, mahnen aktuelle Krisen, sich nicht von wenigen Lieferanten und Energieformen abhängig zu machen.

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Die Aktienmärkte zeigen sich von der Revolution in der arabischen Welt höchst verunsichert. Nicht ohne Grund: Gerade erst hat sich die Weltwirtschaft vom Schock der globalen Bankenkrise einigermaßen erholt, schon droht der zweite Schlag in Form eines Ölpreis-Schocks.

Dass Öl in Europa tatsächlich knapp wird, ist allerdings nicht zu befürchten. Der größte Teil des Erdöls für Deutschland etwa stammt aus britischen, niederländischen und norwegischen Quellen in der Nordsee und aus dem leidlich stabilen Russland. Der kaspische Raum hat zudem noch große Potenziale in der Ölförderung und kann – ebenso wie der Irak – Lieferrückgänge aus dem arabischen Raum mittelfristig zum Großteil ausgleichen.

Auch eine revolutionsbedingte Blockade des Suez-Kanals hätte auf die Ölversorgung keine ernsthaften Auswirkungen: Der Anteil der europäischen Ölimporte, die durch den Suezkanal transportiert werden, beträgt gerade noch ein Prozent, da der Einsatz von Supertankern auch den Transport um das Kap der Guten Hoffnung wirtschaftlich gemacht hat. Schließlich dürften die enormen Vorräte in Form kanadischer Ölsande und Ölschiefer sowie die neu entdeckten Reserven in der Arktis dafür sorgen, dass der Ölpreis nicht völlig durch die Decke schießt, selbst wenn der Funke der arabischen Revolutionen einmal auf das wichtigste OPEC-Land Saudi-Arabien überspringen sollte.


Dennoch sind die volkswirtschaftlichen Auswirkungen einer Lieferunterbrechung auf die deutsche Volkswirtschaft nicht zu unterschätzen. Bislang haben zwar selbst die hohen Notierungen von über 100 Dollar pro Fass nicht das rasante Wirtschaftswachstum in Deutschland verhindert. Doch es gibt weltweit nicht viele Länder, deren Wirtschaft gegenüber steigenden Rohölpreisen so immun ist wie Deutschland.

Wenn der Ölpreis den wirtschaftlichen Aufschwung in den Schwellenländern abwürgt, trifft es die bislang besten Kunden des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus. Eine allgemeine Abkühlung des globalen Konsumklimas dürfte auch andere deutsche Exportbranchen wie die Automobilindustrie ins Mark treffen. Frühere Krisen zeigen, dass es lange dauern kann, bis sich die Fundamentaldaten von Angebot und Nachfrage am Ölmarkt wieder gegen die politische Verunsicherung durchsetzen.

Die deutsche und europäische Energiepolitik sollte die Instabilität in Nordafrika und dem Nahen Osten als Mahnung verstehen, den eingeschlagenen Weg noch konsequenter als bisher weiterzuverfolgen: Diversifizierung der Lieferländer, Erschließung neuer Energiequellen wie zum Beispiel Schiefergas, Stärkung der Energieforschung und Konzentration der knappen Mittel auf den Ausbau der jeweils ergiebigsten und effizientesten erneuerbaren Energien.