Staatshilfe

Bund geht bei der Commerzbank erneut leer aus

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Die Commerzbank hat 2010 nicht einmal Zinsen für ihre Milliarden vom Staat gezahlt. Doch in diesem Jahr soll die Rückerstattung beginnen.

Die Commerzbank gibt nach der Rückkehr in die Gewinnzone den Startschuss zur Rückzahlung der Milliardensummen, mit denen sie der Staat in der Finanzkrise gerettet hat. „Wir wollen die Stillen Einlagen des (Bankenrettungsfonds) SoFFin bereits 2011 um einen signifikanten Betrag zurückführen“, kündigte Vorstandschef Martin Blessing an. Experten erwarten den ersten großen Schritt zum Abbau der Hilfen von insgesamt 18,2 Milliarden Euro spätestens für den Sommer.

Dank des überraschend schnellen Aufschwungs in der deutschen Wirtschaft hat die Commerzbank im vergangenen Jahr mit 1,43 (2009: minus 4,54) Milliarden Euro netto mehr verdient als erwartet. Dennoch geht der Staat erneut leer aus: Für 2010 zahlt die Bank auf die Staatshilfen nicht einmal die fälligen Zinsen von gut 1,5 Milliarden Euro. Grund dafür ist ein Verlust von 1,2 Milliarden nach den Regeln des Handelsgesetzbuchs (HGB). Er resultiert aus einer Abschreibung von 1,9 Milliarden Euro auf den Firmenwert des Immobilienfinanzierers Eurohypo. Das Auseinanderklaffen der Ergebnisse hatte bereits im Vorfeld für politische Irritationen gesorgt.

Nach dem internationalen Bilanzstandard IFRS hatte die Commerzbank die verlustreiche Eurohypo schon ein Jahr zuvor abschreiben müssen. Sie muss bis 2014 auf Geheiß der EU verkauft werden und soll bis dahin kräftig schrumpfen. Für das laufende Jahr machte Blessing den Anlegern und dem Staat Hoffnung. Das operative Ergebnis werde deutlich über den 1,4 Milliarden Euro des vergangenen Jahres liegen, versprach er. Experten trauen der Bank im Schnitt 2,3 Milliarden Euro zu.

„Es ist auch unser Anspruch, die Stillen Einlagen des SoFFin für 2011 zu bedienen“, sagte Blessing. Nach einer Teil-Rückzahlung dürften die Zinsen allerdings deutlich geringer ausfallen. Für das kommende Jahr hat die Bank einen operativen Gewinn von vier Milliarden Euro angekündigt. „Unsere Ziele für 2012 sind bereits in Reichweite“ sagte Blessing und kündigte darüber hinaus weiter deutlich steigende Gewinne an. „Und wir werden auch alles daran setzen, dass der Bund sein Engagement insgesamt positiv abschließt.“

Im vergangenen Jahr profitierte die Commerzbank vor allem von einer sinkenden Risikovorsorge, die nach der Rezession mit 2,5 Milliarden Euro um 1,3 Milliarden geringer ausfiel als vor einem Jahr vorhergesagt. 2011 sollen es maximal 2,3 Milliarden werden. Aushängeschild bleibt das Geschäft mit dem Mittelstand, in dem die Bank mit 1,6 (0,6) Milliarden Euro so gut abschnitt wie noch nie. Das Privatkundengeschäft wirft trotz eines Bestands von elf Millionen Kunden dagegen mit 48 Millionen Euro wenig ab, im vierten Quartal rutschte es in die roten Zahlen.

Nun soll der neue Spartenchef Martin Zielke die Wende schaffen. Finanzchef Eric Strutz erwartet hier im zweiten Halbjahr positive Effekte aus der Integration der Dresdner Bank. Das unter Asset Based Finance (ABF) zusammengefasste Geschäft mit Immobilien- und Schiffskrediten lastet auf der Bilanz: 2010 wuchs der Verlust auf 1,3 (0,8) Milliarden Euro.