Luftfracht

Lufthansa Cargo erhöht Preise um 20 Prozent

Die Lufthansa verteuert den Transport von Gütern per Flugzeug. Ob auch die Verbraucher mehr bezahlen müssen, ist ungewiss.

Foto: dpa

Erstmals seit zwei Jahren wird der Transport von Waren per Flugzeug wieder deutlich teurer. Nach Informationen von Morgenpost Online hebt Lufthansa Cargo die Frachtpreise zum Oktober kräftig an. Im Durchschnitt werden die Tarife um 20 Prozent heraufgesetzt, differenziert wird dies je nach der Region, Flugroute und dem zu transportierenden Produkt. Das geht aus einem Schreiben hervor, das Lufthansa Cargo in diesen Tagen an große Kunden verschickt. Ein Konzernsprecher bestätigte, dass es einen Brief gibt, wollte aber zum Inhalt nichts sagen. Er dürfe wegen eines laufenden Kartellverfahrens zu diesen Themen keine Aussagen machen, sagte der Sprecher.

In den Kundenbriefen kündigt Lufthansa Cargo zugleich an, die je Kilogramm erhobene Sicherheitsgebühr um drei Cent auf dann 20 Cent zu erhöhen. Begründet wird dies mit den hohen Kosten für Sicherheitsprüfungen an den Flughäfen. „Der Aufwand hat sich seit dem Jahr 2000 verzehnfacht“, heißt es in dem Schreiben.

Die gesamte Preiserhöhung erklärt Lufthansa-Cargo-Vorstand Andreas Otto in dem Brief damit, dass das Unternehmen die Gewinnmargen erhöhen müsse, um den Service und die Kapazitäten beibehalten zu können. Die Preise für Luftfracht sind nach Branchenangaben im vergangenen Jahr um 40 Prozent gesunken – jedes Kilogramm Ware im Flugzeug bringt seither entsprechend weniger Geld in die Kassen. Auch die International Air Transport Association (IATA) berichtet davon, dass die Frachtpreise noch immer weit unter dem Niveau der Zeit vor der Wirtschaftskrise liegen.

„Es werden vor allem Routen von Asien nach Europa, Europa nach Lateinamerika und einige Strecken von Europa nach Nordamerika von den Preiserhöhungen betroffen sein“, sagt Luftfracht-Experte Paul Needham. Die Branche steht direkt vor der „Peak Season“, der Hauptzeit des Jahres für das internationale Transportgeschäft. Das hängt mit dem Zyklus von Bestellungen für das Jahresendgeschäft ebenso zusammen wie mit dem wieder anziehenden Warenaustausch allgemein.

Vor allem Elektronik wird im Flugzeug transportiert

„Die Kapazitäten in der weltweiten Luftfracht werden in den kommenden Monaten eher knapp sein. Daher werden einige Frachtfluglinien versuchen, die Frachtpreise zu erhöhen“, sagte Needham, der als Chefredakteur von CEP-Research den Markt analysiert. Bereits reagiert hat der Expressversender TNT. Die Niederländer heben die Versandpreise im Durchschnitt um 3,5 Prozent an. Begründet wird dies auch damit, dass die gemieteten Kapazitäten bei den Frachtfluglinien teurer werden.

Elektronische Geräte etwa werden zu einem besonders hohen Maß per Luftfahrt transportiert. Ob es das iPad von Apple, ein technisch anspruchvolles Handy aus Korea oder der Laptop von HP ist: Flugzeuge sind für Waren, die wegen einer Neueinführung oder hoher Nachfrage rasch im Verkaufsgeschäft sein müssen, das gefragteste Transportmittel. Der Seeweg etwa von Shanghai nach Hamburg dauert mit 25 Tagen vielen Kunden zu lang. Zudem sind die Güter teuer und müssen schonend und sicher zum Käufer gebracht werden.

Auch Früchte, Fisch oder Blumen werden oft per Flugzeug transportiert – wenn sie denn in Afrika oder Lateinamerika angebaut oder gezüchtet werden. Die Alternative des Seewegs scheidet oftmals aus, weil die Ware dann tiefgekühlt transportiert werden müsste. Ob sich nun diese und andere Produkte durch den Peisaufschlag bei Lufthansa Cargo auch für den Verbraucher verteuern werden, lässt sich nur schwer voraussagen.

Auswirkungen für die Verbraucher noch offen

Da in der Luftfracht nach Gewicht bezahlt wird und diese Waren leicht sind, ist eine direkte Auswirkung eher unwahrscheinlich. Jedoch sind an Bord der Flugzeuge Sendungen von einem Kilogramm bis hin zu mehr als zehn Tonnen. Diese schweren Güter wiederum dürften sich im Preis schon verändern, wenn die Transportkosten bei Lufthansa Cargo gleich um ein Fünftel steigen.

Offen ist ebenfalls noch, welche Luftfrachttransporteure dem Beispiel folgen werden. Doch die Lage ist überall ähnlich: Die Frachtpreise sind in den vergangenen Jahren gefallen, und einige Unternehmen arbeiten mit Verlust. Lufthansa Cargo hat 2009 eine Milliarde Euro Umsatz gegenüber dem Vorjahr eingebüßt und rote Zahlen geschrieben. Nach einem Gewinn von 189 Millionen Euro im Vorjahr war der Konzern 2009 mit 165 Millionen Euro in die Verluste abgerutscht. Die Lufthansa-Tochter ist nach Cargolux der größte Frachtflieger in Europa.

Direkt betroffen von den Preismaßnahmen sind Spediteure, die fremde Frachtflugzeuge für ihre Transporte nutzen. Das sind Namen wie DB Schenker, Kühne + Nagel oder DHL Global Forwarding, also der Transport-Bereich der Posttochter. Aber auch Expressdienste wie DHL Express oder TNT werden die Auswirkungen zu spüren bekommen. Sie benötigen Kapazitäten der Luftfracht-Linien, selbst wenn sie über eigene Flugzeuge verfügen. So betreibt Federal Express mit 660 Maschinen eine der größten Flotten weltweit.