Grohe vs. Hansgrohe

Streit der Wasserhähne beschäftigt Gericht in China

Die Armaturenhersteller Hansgrohe und Grohe sind erbitterte Rivalen. Der Streit um einen gefälschten Wasserhahn reicht bis nach China.

Foto: picture-alliance / Patrick Seege

Zwischen „Focus S“ und „JY00121“ besteht eigentlich kaum ein Unterschied. Die beiden Waschtischmischer – umgangssprachlich würde man wohl von Wasserhähnen sprechen – gleichen sich äußerlich bis auf winzige Details. Und das bringt Richard Grohe so richtig auf die Palme. „Das ist Ideenklau“, schimpft der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des baden-württembergischen Armaturenherstellers Hansgrohe. Und tatsächlich wurde JY00121 erst kürzlich auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente mit dem Schmähpreis Plagiarius bedacht, einer seit Jahrzehnten etablierten Auszeichnung für besonders dreiste Produktkopien.

Schon in Kürze soll sich daher ein chinesisches Gericht mit den beiden Hähnen beschäftigen. Denn der Focus-Nachbau kommt von Joyou, dem größten chinesischen Anbieter von Bad- und Küchenarmaturen. Fälle wie dieser sind nicht unüblich, vor allem in designgeprägten Industriezweigen wie der Sanitätsbranche. „Wir haben solche Prozesse schon öfter geführt“, bestätigt ein Sprecher von Hansgrohe. „Auch in China.“ Und doch ist die Auseinandersetzung zwischen Joyou und dem Mittelständler aus dem Schwarzwaldörtchen Schiltach nicht alltäglich. Denn letztlich ist auch Grohe beteiligt, der Erz- und Dauerrivale von Hansgrohe.

Der Düsseldorfer Konkurrent, der das Resultat eines erbitterten Streits der beiden Halbbrüder Klaus und Friedrich Grohe aus den 1930er-Jahren ist, gehört immerhin zu den Aktionären der in Frankfurt börsennotierten Joyou AG. Knapp zehn Prozent der Anteile halten die Rheinländer derzeit. In wenigen Wochen sollen es sogar noch deutlich mehr sein. Denn Grohe will seine Beteiligung an Joyou zügig auf mindestens 30 Prozent aufstocken und hat deswegen ein freiwilliges Übernahmeangebot abgegeben, nahezu zeitgleich zur Verleihung des Plagiarius.

Gewollt war dieses Timing sicher nicht. Und auch mit dem Plagiat will Grohe nichts zu tun haben. „Dieser Fall ist allein die Sache von Joyou“, erklärt eine Sprecherin im Gespräch mit "Morgenpost Online“. Eine Stellungnahme müsse und werde sie daher nicht abgeben. In Schadensbegrenzung, zumindest für die Zukunft, übt sich Grohe aber trotzdem. „Wenn wir den Marktführer in China übernehmen, haben wir eine stärkere Durchgriffsmacht, um so etwas zu verhindern“, sagt die Sprecherin. Denn der Kampf gegen Plagiate sei schließlich ein wichtiges Thema für Grohe. „Wir sind selbst oft die Geschädigten und gehen daher konsequent dagegen vor.“

Das droht nun auch Joyou. „Unsere Schutzrechte gelten auch in China“, betont ein Sprecher von Hansgrohe. Darauf habe man den Wettbewerber auch bereits mehrfach hingewiesen, passiert sei aber nichts. Daher geht es für die Streithähne nun vor Gericht. „Es geht hier nicht um ein Kavaliersdelikt“, heißt es dazu bei Hansgrohe. Immerhin betrage der jährliche Schaden, der dem Unternehmen durch Produkt- und Markepiraterie entsteht, zwischen fünf und zehn Prozent vom Gesamtumsatz.

Bezogen auf 2009 – die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr werden erst im April bekannt gegeben – sind das rund 61 Millionen Euro. „Übertragen bedeutet dies, dass die Schaffung neuer Arbeitsplätze in nennenswerter Größenordnung – wir sprechen hier von etwa 100 Stellen – durch Plagiate und Nahahmerprodukte verhindert wird“, sagt Firmen-Vize Richard Grohe. In der gesamten deutschen Wirtschaft dürften es etliche Zehntausend Arbeitsplätze sein. Immerhin sind hierzulande 78 Prozent aller Unternehmen von den Machenschaften der Fälscher betroffen.

Den Schaden für die heimische Volkswirtschaft taxieren Experten dabei auf rund 50 Milliarden Euro. „Hinzu kommen zudem Imageprobleme, wenn sich vermeintliche Originale als Ramsch herausstellen oder gesundheitsgefährdend sind wie zum Beispiel falsche Tabletten oder Autoersatzteile, die nicht den Sicherheitsvorgaben entsprechen“, sagt Franz-Peter Falke, der Präsident des Markenverbands. Vier von fünf Kopien kommen dabei aus Asien, insbesondere aus Thailand und China, meldet die Aktion Plagiarius. Seit 1977 verleiht sie ihren Schmähpreis.

„Ziel ist es, plumpen Ideenklau zu brandmarken und die skrupellosen Geschäftspraktiken der Nachahmer ins öffentliche Bewusstsein zu rücken“, beschreibt Mitbegründer Rido Busse. Der Markenverband fordert zudem schärfere Strafen – und zwar sowohl für Hersteller und Händler als auch für die Käufer von Plagiaten.