Markteintritt

Chinesische Firmen klagen über deutsche Hürden

Eine Studie widerlegt den Eindruck, Chinas Firmen würden sich zunehmend in Deutschland ausbreiten. Im Gegenteil. Oft scheitern sie damit.

In Deutschland tätige chinesische Firmen sind einer neuen Studie zufolge bislang überwiegend Kleinst- und Kleinunternehmen. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das aus der Freien Universität (FU) Berlin hervorgegangene "German Center for Market Entry" vorstellte.

Demnach handelt es sich bei den hierzulande tätigen chinesischen Firmen in erster Linie um Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern. Nur sehr wenige Unternehmen beschäftigten mehr als 250 Angestellte, schreiben die Autoren darin unter Berufung auf Experteninterviews, die sie in der Branche führten.

Die Autoren widersprachen in der Studie dem in der Öffentlichkeit zuletzt teils verbreiteten Eindruck massiver chinesischer Übernahmeaktivitäten. Firmen aus dem Reich der Mitte hätten in den vergangenen Jahren zunächst nur vergleichsweise wenige deutsche Unternehmen aufgekauft, schrieben sie. Sie träten in letzter Zeit allerdings zunehmend auch als Großinvestoren bei komplexeren Übernahmen auf.

"Insgesamt gestaltet sich der Markteintritt für chinesische Unternehmen in Deutschland schwierig", sagte Center-Geschäftsführer Alexander Tirpitz. Viele chinesische Unternehmen klagten über Schwierigkeiten bei der Ansiedlung. Für jeweils knapp die Hälfte stellten die deutsche Sprache sowie der Erhalt der Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis eine besondere Herausforderung dar. "Die Errichtung großer Produktionsstätten, Distributionszentren, Forschungszentren oder die Übernahme deutscher Unternehmen finden in der Öffentlichkeit zwar große Aufmerksamkeit, sind aber eher selten der Fall", erläuterte Tirpitz.

Verlässliche statistische Angaben zur Zahl chinesischer Unternehmen oder deren Aktivitäten beim Aufkauf von Firmen in Deutschland gibt es laut Studie nicht, da diese nicht zentral erfasst werden und die Investitionen teils gar nicht öffentlich würden. Zudem gebe es keine eindeutige Definition, ab wann ein Unternehmen als "chinesisch" zu bezeichnen sei.

Künftig erwarten die Autoren, dass chinesische Unternehmen vermehrt eigene Niederlassungen und Tochterfirmen gründen, statt sich in bestehende Betriebe einzukaufen. Zugleich werde es allerdings weiterhin auch Bestrebungen geben, deutsche Unternehmen etwa in den Bereichen Maschinenbau, erneuerbare Energien oder Umwelttechnik zu übernehmen. So verweisen sie in ihrer Studie auf Schätzungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PwC), wonach chinesische Unternehmen bis 2020 bis zu zwei Milliarden Euro in Deutschland investieren wollten.

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