Käfighaltung

Bauern poltern gegen neuen "Tierschutz-Populismus"

Die Bundesregierung erwägt ein Quasi-Verbot der Legebatterie. Der Bauernverband ist empört – und verweist auf Wettbewerbsnachteile gegenüber dem Ausland.

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Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) vorgeworfen, den Tierschutz in Deutschland zu Lasten der Bauern voranzutreiben. "Wir verwehren uns gegen eine populistische Tierschutzdebatte, wie sie jetzt von Ministerin Aigner losgetreten wird, ohne Rücksicht auf die fatalen Folgen für die deutschen Bauernfamilien“, erklärte DBV-Präsident Gerd Sonnleitner. Aigners Ministerium arbeitet derzeit an einer sogenannten „Charta Landwirtschaft und Verbraucherschutz“. Das Papier soll unter anderem strengere Tierschutzvorschriften vorsehen.

Der Bauernverband kritisierte, dass laut der Charta die Käfighaltung von Legehennen in Kleingruppen in Deutschland vermutlich verboten werden soll. Die herkömmliche Käfighaltung ist in der Bundesrepublik bereits seit Anfang 2010 verboten. Die Ministerin vergesse, dass die Bauern bereits „durch den einseitigen Käfig-Stopp einen Marktanteil von 20 Prozent eingebüßt haben“, kritisierte DBV-Generalsekretär Helmut Born in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Für die sechs Millionen Legehennen in Kleingruppenhaltung hätten die Landwirte etwa 150 Millionen Euro investiert. „Die kann man abschreiben, wenn die Kleingruppe nicht mehr erlaubt ist“, sagte Born.

DBV-Präsident Sonnleitner erklärte, es nütze den Hühnern nichts, „wenn wir auf Bodenhaltung setzen, die Eiprodukte für Kuchen, Pizza und alle Fertiggerichte aber von Hennen stammen, die weiterhin in den alten, bei uns längst abgeschafften Käfigen sitzen“. Diese Käfige stünden in Mittel- und Osteuropa, Brasilien und Thailand.

Auch mögliche Pläne für ein Verbot der Kastration ohne Betäubung männlicher Ferkeln und das Verbot der Brandzeichen bei Pferden stoßen beim Verband auf massive Kritik. Die Landwirtschaft sei bereit, von der Ferkelkastration völlig wegzukommen, erklärte Born laut dem Bericht. Noch sei aber eine Ebermast nicht praxistauglich.

Sonnleitner warnte, Millionen von Pferdeliebhabern in Deutschland würden „nicht verstehen, wieso ein historisch gewachsenes Kulturgut wie der Pferdebrand durch ein nicht ausgereiftes und für die Tiere schmerzhaftes Implantat eines elektronischen Chips ersetzt werden soll“. Markenzeichen weltweit führender Zuchtorganisationen würden „opportunistisch und wider besseren Wissens dem Zeitgeist geopfert“.