Ausstellungen und Kongresse

Was Messe-Chef Hosch für ITB, Ifa und ICC plant

Für die Messe Berlin war 2010 das bisher beste Geschäftsjahr. Doch die Deutschlandhalle wird abgerissen und das ICC muss saniert werden. Warum Messe-Chef Raimund Hosch dennoch zuversichtlich ist.

Foto: Christian Hahn

Berlins Messechef Raimund Hosch hat gut lachen. 2010 war für sein Unternehmen das bislang beste Geschäftsjahr. Und 2011 setzt sich dieser Positivtrend nahtlos fort: Zum Jahresstart jedenfalls konnte Hosch sowohl für die Grüne Woche als auch für die Fruit Logistica neue Rekordzahlen vermelden. In den kommenden Wochen nun soll es mit den Erfolgsmeldungen weitergehen.

Morgenpost Online: Für die Messe Berlin hat 2011 gut begonnen. Schafft Ihr Unternehmen erneut ein Rekordergebnis?

Raimund Hosch: Ja und nein. Nein, weil wir in den ungeraden Jahren aufgrund der unterschiedlichen Rhythmen unserer Messen nicht so viele und nicht so große Veranstaltungen im Programm haben wie in den geraden Jahren. So fehlen zum Beispiel wichtige Branchenschauen wie die bautec oder Leitmessen wie die ILA oder die InnoTrans. Der Umsatz 2011 kann daher gar nicht höher sein als im letzten Jahr, wo wir mit 217 Millionen Euro einen neuen Bestwert erreicht haben. Was wir aber schaffen werden, ist das beste Ergebnis in einem ungeraden Jahr. Deshalb antworte ich bei der Frage nach einem neuen Rekordergebnis zusätzlich zum Nein auch mit Ja. Ich denke, dass wir den Umsatz von 2009 am Ende um acht bis zehn Prozent übertreffen können.

Morgenpost Online: Was macht Sie so zuversichtlich?

Raimund Hosch: Der Anmeldestand für unsere Messen ist schon jetzt ausgezeichnet. Zudem dürften in den kommenden Monaten noch weitere Aussteller dazukommen. Die aktuell gute Konjunkturentwicklung lässt zumindest darauf schließen.

Morgenpost Online: Also sind acht bis zehn Prozent noch eine eher konservative Schätzung.

Raimund Hosch: Das nicht gerade. Es gibt zwar noch reichlich Wachstumspotenzial für die kleinen und mittleren Branchenschauen. Die meisten unserer großen Leitmessen aber sind in ihrem Wachstum derzeit begrenzt, weil uns schlichtweg der Platz fehlt. Für die Tourismusbörse ITB zum Beispiel, die in Kürze mit über 11.000 Ausstellern aus 180 Ländern stattfinden wird, könnten wir noch deutlich mehr Standfläche verkaufen. Die entsprechende Nachfrage ist auf jeden Fall da. Das Gelände allerdings ist komplett ausgebucht. Wir mussten zuletzt sogar noch Aussteller abweisen. Daher ist es ja so wichtig, dass wir eine moderne neue Messehalle bekommen.

Morgenpost Online: Was ist geplant?

Raimund Hosch: Nachdem der Abriss der Deutschlandhalle nun genehmigt ist, werden wir auf diesem Areal eine neue Halle bauen – und zwar eine reine Messehalle. Geplant ist ein zweigeschossiges Gebäude mit 20.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Damit erhöht sich unsere Gesamtkapazität auf circa 180.000 Quadratmeter. Das verschafft uns ab dem Fertigstellungstermin 2013 mehr Spielraum bei den großen Leitmessen, zumindest für die nächsten fünf bis zehn Jahre.

Morgenpost Online: Und dann?

Raimund Hosch: Dann dürfte es wieder eng werden bei Messen wie der ITB oder der Ifa. Ich kann mir vorstellen, dass wir unsere Hallenfläche in zehn bis 15 Jahren nochmals erweitern. Wir müssen den Veranstaltungen eine langfristige Perspektive bieten. Und Platz und Potenzial ist auf dem Messegelände ausreichend vorhanden.

Morgenpost Online: Dann sollten Sie jetzt die Bauanträge stellen. Die Diskussionen und Genehmigungsverfahren um das Gebäude auf dem Areal der Deutschlandhalle haben sich immerhin fast zehn Jahre hingezogen. Nervt Sie so etwas eigentlich nicht? Immerhin ist dadurch auch Geschäft verloren gegangen.

Raimund Hosch: Themen wie die Deutschlandhalle oder das ICC, das nun ab 2014 vorübergehend geschlossen und saniert wird, haben in der Stadt viele Emotionen hervorgerufen. Da ist es nur logisch, dass lange diskutiert wird. Und solche langen Vorlaufzeiten gibt es auch bei anderen Projekten, so zum Beispiel beim Bau von Einkaufszentren oder Möbelhäusern. Nichtsdestotrotz bin ich froh, dass jetzt endlich Klarheit herrscht und wir für die Zukunft planen können. Der Architektenwettbewerb für die neue Halle hat schon begonnen. Und dass die Entscheidung dafür gefallen ist, sehe ich sogar als Stärke der Politik hier in der Stadt an. Immerhin sind die entsprechenden Beschlüsse ein dreiviertel Jahr vor der Senatswahl gefallen. Das wäre nicht in jedem Bundesland passiert.

Morgenpost Online: Wer bezahlt den Neubau?

Raimund Hosch: Den tragen wir als Messegesellschaft selbst. Wir haben in den vergangenen Jahren Rücklagen aus unseren Gewinnen gebildet. Die werden wir jetzt sinnvoll reinvestieren.

Morgenpost Online: Über welche Größenordnung reden wir?

Raimund Hosch: Die Halle kostet voraussichtlich 72,5 Millionen Euro, inklusive der Abrisskosten für die Deutschlandhalle. Hinzu kommen 13,5 Millionen Euro vonseiten der Messe Berlin für das neue Gelände in Selchow, direkt am Hauptstadt-Flughafen BBI, wo ab 2012 die Luftfahrtmesse ILA stattfinden wird. Bei dieser Investition teilen wir uns aber die Kosten mit dem Land Brandenburg, das ebenfalls 13,5 Millionen Euro aufbringen wird.

Morgenpost Online: Viel Geld für eine einzige Messe.

Raimund Hosch: Es geht bei dem Gelände in Selchow nicht nur um die ILA. Wir wollen dort neue Messen unterbringen. Der Standort direkt am Flughafen ist optimal, denn man kann vom Rollfeld zum Messegelände gehen. Zur Verfügung stehen uns ab Sommer 2012 insgesamt 50000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Dort können wir Messen selbst entwickeln und Gastveranstaltungen unterbringen. Und das ist für die Stadt interessant und lukrativ, immerhin bringen Messen Aussteller und Besucher und damit zusätzliche Kaufkraft nach Berlin. Bislang müssen wir Anfragen von Gast- oder Kongressveranstaltern wegen der Platzprobleme unter dem Funkturm vielfach ablehnen. Mit Selchow bieten wir künftig eine ernsthafte Alternative.

Morgenpost Online: Welche Messen haben Sie im Auge?

Raimund Hosch: Es gibt in Europa einige interessante Messen im Aerospace-Bereich. Auch das würde zum Flughafengelände passen. Aber wir wären dort nicht nur auf das Thema Luftfahrt festgelegt.

Morgenpost Online: Wie sieht es denn im Ausland aus?

Raimund Hosch: Mit der ITB Asia in Singapur und der Asia Fruit Logistica in Hongkong haben wir zwei Auslandsmessen im Programm. Ich schließe nicht aus, dass es noch mehr werden. 2011 wird es aber bei diesen beiden bleiben. Denn wir sehen noch Potenzial in Deutschland, erst recht wenn die neue Halle fertig und das ICC saniert ist. Acht bis zehn Prozent Wachstum wären dann auch weiterhin pro Jahr möglich.

Morgenpost Online: Branchenexperten halten das Auslandsgeschäft für unverzichtbar.

Raimund Hosch: Ich sage ja auch nicht, dass wir im Ausland gar nichts Weiteres machen wollen. Im Moment gibt es nur kein Thema, mit dem wir an die Öffentlichkeit gehen möchten.

Morgenpost Online: Wird das dann eine Sache für Ihren Nachfolger?

Raimund Hosch: Na ein bisschen Zeit hab ich ja noch. Mein Vertrag läuft bis Mitte 2013, ein paar Monate später vollende ich dann auch mein 65. Lebensjahr. Dann wird es Zeit, dass jüngere Kräfte das Ruder übernehmen.