Social Media

Terroristen rekrutieren Nachwuchs bei Facebook

Soziale Netzwerke als Stütze der Demokratie? Es geht auch anders herum: Experten schlagen jetzt Alarm, weil Terroristen erfolgreich Facebook und Co. unterwandern.

Sind soziale Netzwerke im Internet die neue Spielwiese für den globalen Dschihad? Terrorismusexperte Iftekharul Bashar hält Facebook und Co. für die größte Bedrohung im Cyberspace. Hier, meint der Analyst für politische Gewalt an der Singapur Nanyang Technological University, werden heutzutage Extremisten rekrutiert. Ein Beispiel: Am 4. Januar wurde Salman Taseer, der Gouverneur der pakistanischen Provinz Punjab, von seinem Leibwächter Malik Mumtaz Qadri ermordet. Taseers offene Ablehnung des pakistanischen Blasphemiegesetzes hatte dem Mörder nicht gefallen.

Innerhalb weniger Stunden nach der Tat war bereits eine Facebook-Seite für den Killer gegründet worden – und sie hatte schon über 2000 Fans, die den Mörder lobten. „Obwohl die Seite kurz darauf geschlossen wurde, zeigt dieser Vorfall ein neues Szenario: Soziale Netzwerke werden zum Werkzeug der Radikalisierung“, so Bashar, „und das deutlich schneller und unkontrollierter als durch konventionelle Webseiten.“

Schon länger machen sich terroristische Organisationen das Internet zunutze: Sie verbreiten im Netz ihre Propaganda, akquirieren Geld und Nachschub, und sie organisieren hier ihre Operationen. Die neuen Netzwerke wie Facebook oder Twitter kamen ihnen wie gerufen: Hier sammeln sich Online-Gemeinschaften rund um gemeinsame Vorlieben. Ein wahres Biotop für radikale Ideen. In den meisten Fällen sind die Netzwerke für jeden offen – und sie bieten einen neuartigen Grad der Meinungsfreiheit.

Damit können sie zwar durchaus eine nützliche Rolle spielen, wie etwa in Ländern, wo ein repressives Regime die Grundrechte mit Füßen tritt. Der Iran, Birma und zuletzt Ägypten sind Beispiele für Facebooks Bedeutung bei Demokratiebewegungen. Aber es gibt eben auch ein hohes Potenzial für Missbrauch. Pakistans Qadri-Fanseite, warnt Iftekharul Bashar, ist ein Weckruf.