Kohlensäure

Deutsche sind Weltmeister im Mineralwasser trinken

Die Deutschen sind verrückt nach Kohlensäure aus Plastikflaschen. Doch die Produktion ist umweltschädlich. Dabei wäre eine Alternative so einfach.

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Die Deutschen liegen ganz weit vorn, wenn es um den Konsum von abgefülltem Wasser geht. 65 Prozent der Bundesbürger greifen täglich zum Wasser aus der Flasche, mehr als in jedem anderen Land der Erde. Anstatt das in Deutschland besonders reine Wasser aus dem Wasserhahn zu trinken, gehen sie lieber in den Supermarkt. Dort bezahlen sie verhältnismäßig viel Geld und müssen dann die Kiste auch noch nach Hause schleppen. Und nicht nur das: Flaschenwasser wirkt sich negativ auf die Umwelt aus. Die Herstellung der Flaschen, die Abfüllung, der Transport – all das verbraucht viel Energie. Die Vorliebe für Flaschenwasser wirft die sonst sehr umweltbewussten Deutschen in Studien zu klimafreundlichem Konsumverhalten deutlich nach hinten.

Die internationale Studie „Greendex“ etwa, die vom Marktforschungsinstitut GlobeScan im Juni veröffentlicht wurde, hat 17 Länder untersucht. Deutschland liegt mit 65 Prozent auf Platz eins der Flaschenwasserkonsumenten. Zum Vergleich: In Schweden trinken gerade einmal fünf Prozent täglich abgefülltes Wasser. Und seit Jahren wächst der Markt in Deutschland: Laut Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) betrug im Jahr 1970 der Pro-Kopf-Verbrauch von Mineralwasser noch 12,5 Liter, im Jahr 2009 lag er bei 133,1 Litern.

Umweltbelastungen durch Flaschenwasser sind vielfältig. „Die Industrie braucht fossile Rohstoffe als Grundstoff für die Herstellung von Plastikflaschen, fossile Rohstoffe als Energieträger für die Befüllungsanlagen und fossile Rohstoffe als Treibstoff für die Transportfahrzeuge“, erklärt Benedikt Kauertz vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU). Und wenn die Plastikflaschen beseitigt werden, entsteht bei der Verbrennung CO2.

Dabei ist die bequemere Alternative, das deutsche Leitungswasser, qualitativ hochwertig. „Das Trinkwasser aus dem Hahn hat in Deutschland im internationalen Vergleich eine sehr, sehr hohe Qualität und die Verbraucher können es bedenkenlos trinken“, sagt Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Kaum ein Lebensmittel wird so regelmäßig und häufig kontrolliert wie unser Trinkwasser.

Eine Studie des auf Ökobilanzen spezialisierten Instituts ESU Services hat die Umweltbelastungen von Leitungswasser und Mineralwasser verglichen. Ungekühltes, stilles Mineralwasser kann demzufolge zwischen neunzig- und mehr als tausendmal höhere Umweltbelastungen als Leitungswasser verursachen. Die Höhe hängt von Transportdistanz und -mittel ab, heißt es in der Studie im Auftrag des Schweizerischen Gas- und Wasserverbandes.

IFEU-Experte Kauertz gibt jedoch zu bedenken, dass es Leitungswasser ebenfalls nicht zum ökologischen Nulltarif gebe, obwohl das erst einmal naheliege: „Auch für die Aufbereitung von Leitungswasser muss Energie aufgewendet werden, das darf man nicht außer Acht lassen“, sagt er. Wie hoch der Energieverbrauch ist, hängt von der Art der Wasseraufbereitung ab, die regional sehr unterschiedlich sein kann.

Gesundheitlich betrachtet jedenfalls ist das Flaschenwasser nicht unbedingt besser als das Leitungswasser. „Mineralwasser enthält zwar häufig mehr Mineralstoffe, aber gesünder ist es deshalb erst einmal nicht“, sagt Antje Gahl, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Die meisten Mineralstoffe würden sowieso über feste Nahrung aufgenommen, da sei es für den Normalbürger unerheblich, ob er nun Mineralwasser oder Leitungswasser trinke. Der gesundheitliche Aspekt ist demnach kaum ein Argument für den hohen Konsum von abgefülltem Wasser.

Wahrscheinlich ist der Grund, warum die Deutschen so gerne das Wasser aus der Flasche trinken, die Kohlensäure. Stilles Mineralwasser hat in Deutschland einen Marktanteil von lediglich etwa zehn Prozent und setzt sich im Vergleich zu anderen Ländern hier nicht durch. Der Deutsche mag es einfach lieber sprudelig. Und das, obwohl nicht nur er, sondern auch die Umwelt mehr zahlen muss.