Europa

Sarkozys Pläne verkennen Interessensgegensätze

Als Chef der G-20-Runde möchte Frankreichs Präsident Sarkozy die Gegensätze der Wirtschaftsmächte überbrücken. Doch seine Pläne sind zu ambitioniert.

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Gemessen an dem von ihm selbst definierten Zielen kann der französische Präsident Nicolas Sarkozy als Chef der G-20-Runde eigentlich nur scheitern. Nimmt man seinen Fünf-Punkte-Plan ernst, bedeutet er kaum weniger als die Einführung einer Welt-Wirtschaftsregierung. Dabei tun sich schon die Europäer untereinander schwer, einen gemeinsamen Kurs der wirtschaftspolitischen Vernunft zu finden. Wie also soll es gelingen, auch die Amerikaner, die Chinesen und die anderen Schwellenländer auf einen gemeinsamen Weg einzuschwören?

Zweifellos ist es nach den Erfahrungen der zurückliegenden Wirtschafts- und Finanzkrise notwendig, neue Spielregeln zu vereinbaren, um die Stabilität der Weltwirtschaft zu erhöhen. Die Pläne von Sarkozy aber verkennen schlicht die oft abgrundtiefen Interessensgegensätze der wichtigsten Wirtschaftsmächte. So haben beispielsweise die Chinesen schon im Vorfeld der Verhandlungen überdeutlich gemacht, dass sie sich bei den Wechselkursen nicht in die Pflicht nehmen werden lassen. Aber auch die Amerikaner haben kein Interesse an der Vormachtstellung des Dollar rütteln zu lassen, indem etwa eine stärkere Diversifizierung der Währungsreserven vereinbart wird.


Gleichzeitig zeichnet sich Sarkos Masterplan zur Rettung der Welt durch antimarktwirtschaftliche Ressentiments aus. Beispiel: Rohstoffpreise. Das Schimpfen auf vermeintliche Spekulanten, die Nahrungsmittel für viele unerschwinglich machen, mag in Frankreich populär sein und dem Präsidenten für den bevorstehenden Wahlkampf nützlich erscheinen. Tatsächlich aber schätzen die Experten von OECD und EU den Einfluss von Finanzinvestoren bei den Agrarpreisen eher gering ein. Zudem fürchten gerade viele Schwellenländer festgelegte Preise.

Wer zuviel auf einmal will, steht am Ende nur allzu leicht mit leeren Händen da. Dies aber wäre auch für die Stabilität der globalen Ökonomie ein Desaster. Wenn also der französische Menü-Vorschlag nicht mundet, sollten die Wirtschaftsmächte wenigstens versuchen, sich auf gemeinsame Kriterien einigen, anhand derer künftig früher gemeinsam auf gefährliche Fehlentwicklungen reagiert wird. Diese Form von Bescheidenheit mag nicht dem Wesen von Sarkozy entsprechen – sie ist aber realistisch und für die Wirtschaft bekömmlicher.