Arbeitnehmerfreizügigkeit

Brandenburgs Handwerk wirbt um Azubis aus Polen

Dem Handwerk in Brandenburg fehlt der Nachwuchs. Fleischer oder Bäcker will hierzulande kaum noch jemand werden. Ab Mai ist der deutsche Arbeitsmarkt ohne Hindernisse und Erlaubnisse für Polen offen – auch für Azubis.

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Neue Berufschancen für Jugendliche aus Polen: Vom Lehrjahr 2011/12 an können sie sich auch in Brandenburg ausbilden lassen. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit, die am 1. Mai einsetzt, macht das möglich. Bisher notwendige Genehmigungen fallen weg. „Ohne Hindernisse und Erlaubnisse ist der deutsche Markt für Polen offen“, sagte Aleksandra Ziomko, Referentin für nationale und internationale Fachkräftesicherung der Handwerkskammer in Frankfurt (Oder). Schon Ende 2010 hat die Kammer Schulen in Westpolen angeschrieben und über diese Möglichkeit und das Duale Ausbildungssystem in Deutschland informiert. „Das Interesse ist sehr groß“, sagte sie.

Trotz der reizvollen Offerte betont die Referentin: „Wir verlangen sehr gute Deutschkenntnisse.“ Kammer und Betriebe denken derzeit darüber nach Intensiv-Kurse für Deutsch für potenzielle Bewerber aus Polen anzubieten. Täglich gehen bei Ziomko Anrufe und E-Mails ein: aus Breslau (Wroclaw), Warschau und Stettin (Szczecin). Nicht immer kennen die Interessenten - zumeist Eltern und Lehrer - die geltenden Bedingungen. Sie hörten nur von einem in Deutschland recht hohen Lehrlingsgeld zwischen 200 und 600 Euro monatlich, sagt die Gesprächspartnerin.

Ziomko betonte: „Davon müssen aber auch die Kosten für Wohnung, Lebensunterhalt und Fahrten zu Ausbildungsbetrieb und Berufsschule bestritten werden.“ Die Eltern müssten die Kinder finanziell unterstützen. In Polen bekommen Azubis im Vergleich dazu zwischen 30 und 35 Euro im Monat.

Nach Worten von Ziomko fehlen auch in Polen junge Handwerker. Deshalb sei es notwendig, mit den entsprechenden Stellen partnerschaftlich und nicht in Konkurrenz zusammenzuarbeiten. „Wir sind bei den polnischen Behörden aber ganz offen empfangen worden.“ Für den 3. März sei eine Konferenz mit den Kammern, Arbeitsagenturen und Schulen beiderseits der Oder in Slubice geplant.

“Gut ausgebildet haben die Fachkräfte eine doppelte Chance“, sagte Ziomko. Der Arbeitsmarkt beider Länder stehe ihnen offen. Wichtig sei, dass die jungen Polen mit der Mentalität im Nachbarland klar kommen. „Sie müssen sich hier wohlfühlen.“ Frankfurt (Oder) sei dafür eine geeignete Region. „Ich fühle mich hier nicht wie im Ausland“, sagt die junge Polin, die ein deutsches Abitur und einen deutschen Hochschulabschluss in der Tasche hat.