Euro-Zone

Der Zahltag für Portugal kommt schnell näher

Im Januar konnte Portugal die Finanzmärkte nochmal beruhigen. Doch diesmal wird es eng. Die Zinsen für Portugal steigen auf Rekordhoch.

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Für die Finanzmärkte ist klar: Portugal ist am Ende und muss in Kürze unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen. So stieg die Rendite für fünfjährige portugiesische Staatsanleihen mit 7,126 Prozent auf den höchsten Stand seit der Euro-Einführung.

Händler begründeten den Renditeanstieg mit einem Bericht der Zeitung „Jornal de Negocios“, Deutschland übe Druck auf Portugal aus, die internationale Gemeinschaft noch vor dem nächsten EU-Gipfel im März um Finanzhilfe zu ersuchen. Der Renditeaufschlag für zehnjährige portugiesische Anleihen zur Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit kletterte um 13 auf 432 Basispunkte.

Auch Brüssel ist beunruhigt. EU-Kreise gehen davon aus, dass das südeuropäische Land bis April wohl doch unter den Euro-Rettungsschirm flüchten muss. „Portugal geht unter. Es wird sich nicht über Ende März hinaus halten können“, sagte die Person.

An den Finanzmärkten herrsche bereits Konsens darüber, nun auch bei den EU-Finanzministern. Portugal wehrt sich bislang vehement gegen Hilfen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) und will die Schuldenkrise aus eigener Kraft bewältigen.

Der portugiesische Kabinettsminister Pedro Silva Pereira betonte unterdessen, sein Land unternehme alle Anstrengungen zur Lösung der Schuldenkrise. Falls Europa jedoch mit einer umfassenden Antwort auf die Krise zögere, werde dies den Euro und alle EU-Mitgliedstaaten beschädigen. „Deshalb lautet unsere Botschaft: Portugal macht seine Arbeit. Aber Europa muss auch seinen Part übernehmen“, sagte der Minister.

Der im Mai geschaffene Euro-Rettungsschirm EFSF über 440 Milliarden Euro kann wegen der erforderlichen Deckung nur rund 250 Milliarden Euro an Kreditvolumen für überschuldete Euro-Länder liefern. Die Euro-Staaten streiten schon seit Monaten darüber, wie die Diskrepanz überwunden werden kann. Im Januar verständigten sie sich auf ein effektives Kreditvolumen von 440 Milliarden Euro.

Deutschland ist aber nur zur Aufbesserung des EFSF bereit, wenn sich die Euro-Länder zu Reformen verpflichten, um die Ursachen der Schuldenkrise zu bekämpfen. So fordern Deutschland und Frankreich einen Pakt für Wettbewerbsfähigkeit. Die Euro-Chefs wollen bei einem Sondergipfel am 11. März über das Reform-Paket beraten.

Viele Experten gehen davon aus, dass Portugal seine Schuldenkrise ohne Hilfen von EU und Internationalem Währungsfonds nicht lösen kann. Kreisen zufolge hat das Land den Tiefpunkt der Krise noch nicht erreicht, nähere sich ihm aber an.

Mit ihrem drastischen Sparprogramm versucht Portugal, verloren gegangenes Vertrauen bei Investoren zurückzugewinnen. Sie will das Staatsdefizit in diesem Jahr von rund sieben auf 4,6 Prozent drücken – die EU-Verträge erlauben maximal drei Prozent.