Merkels Berater

Weidmann wird jüngster Bundesbank-Chef der Geschichte

Merkels enger Berater Jens Weidmann folgt als jüngster Notenbank-Chef dem amtsmüden Axel Weber, bei dem er einst studierte.

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Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" soll die Doktorarbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) an mehreren Stellen fremde Texte enthalten, die nicht als solche gekennzeichnet seien. Der Politiker reagiert gelassen.

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Der Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Jens Weidmann, wird neuer Bundesbank-Präsident.

Der 42-jährige Weidmann wird der jüngste Notenbank-Chef in der Geschichte der Bundesbank. Der Spitzenposten wird vorzeitig frei, weil Noch-Präsident Axel Weber Ende April zurücktritt. Weber gilt als wissenschaftlicher Ziehvater vonWeidmann, der bei ihm studierte. Als Vize-Präsidentin geht die Bankenaufseherin Sabine Lautenschläger zur Bundesbank, die derzeit bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) arbeitet.

Weidmann soll schon zum 1. Mai seine Arbeit in Frankfurt am Mai beginnen. Er nahm am Mittwoch bereits nicht mehr an der Kabinettssitzung teil, in der die Personalien zur Kenntnis genommen wurden. Der Ökonom beende „mit dem heutigen Tag“ seine Arbeit als Abteilungsleiter im Kanzleramt.

Westerwelle hatte zunächst mit der Zustimmung für Weidmann gezögert. Bei den Liberalen gab es Sorgen, dass durch einen direktenWechselWeidmanns von der Politik zur Bundesbank ein unguterEindruck entstehen könnte. Auch die Opposition hatte gewarnt, die Unabhängigkeit der Bundesbank stehe auf dem Spiel. Auf Vorschlag Westerwelles sollte eine Frau auf den Vize-Posten rücken, für den ursprünglich Weidmann im Sommer vorgesehen war. Auch Merkel soll eine Frau gewünscht haben. Westerwelle schlug in der FDP-Fraktion Lautenschläger vor.Es gab keine Einwände gegen die 46-jährige, erfahrene Bankenaufseherin. Merkel hatte Weidmann Anfang 2006 als ihren Berater ins Kanzleramt geholt. Er bereitet auch die Weltwirtschaftsgipfel im Kreis der G8- und G20-Staaten vor. In der Finanzkrise gehörte Weidmann zum kleinen Kreis der Spitzenbeamten, die die gigantischen Rettungspakete für Banken und Wirtschaft steuerten.

Weidmann, der auch beim Internationalen Währungsfonds und bei den Wirtschaftsweisen gearbeitet hatte, gilt als strikter Verfechter einer stabilen Währung. Die tatsächliche Macht der Bundesbank ist seit Gründung der Europäischen Zentralbank aber stark geschrumpft. Der Bundesbank-Präsident verdient rund 400 000 Euro.

Weber, der mit seinem plötzlichen Rückzug mitten in der Euro-Schuldenkrise Merkel in Schwierigkeiten brachte, hatte sich für Weidmann als seinen Nachfolger stark gemacht. „Jetzt ist es Zeit, jüngere Kräfte ranzulassen.“ Weidmann sei „ein hervorragender Ökonom“ und „ein absoluter Profi“, sagte Weber im „Spiegel“. Ihm zu viel Nähe zur Politik vorzuwerfen, sei nicht gerechtfertigt.

Nach Webers Abgang beharrt die Bundesregierung nicht mehr auf einem Deutschen an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB). Merkels Kandidat Weber galt lange als Favorit für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, der im Herbst aufhört. Weber hatte sich mit seiner Kritik am EZB-Krisenmanagement in der Euro-Schuldenkrise international isoliert und schließlich das Handtuch geworfen.