Landesbanken

Für die WestLB wird die Zeit langsam knapp

Die WestLB steckt tief in den roten Zahlen. Dabei braucht die Landesbank dringend einen Investor – sonst droht ihr die Zerschlagung.

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Rote Zahlen, mögliche neue Auflagen der EU-Kommission und Rückschläge bei der Suche nach Fusionspartnern lassen die Luft für die WestLB immer dünner werden. Die Landesbank schrieb in ihrer Kernbank im dritten Quartal einen Vorsteuerverlust von rund 50 Millionen Euro, wie aus den Zahlen für die ersten neun Monate 2010 hervorgeht. Der Weg zu einem Zusammenschluss mit anderen Landesbanken sei „lang und steinig“, räumte WestLB-Chef Dietrich Voigtländer ein. Dabei wird die Zeit für das Institut knapp: Bis Jahresende 2011 muss ein neuer Partner her. Sonst droht der Bank die Zerschlagung.

Die WestLB hatte rückwirkend zum 1. Januar 2010 Risikoportfolien mit einem Volumen von rund 77 Milliarden Euro in eine Bad Bank ausgegliedert. Für die von diesem Ballast befreite Kernbank sucht die WestLB nun fieberhaft einen neuen Eigner. Das Quartalsergebnis dürfte dabei nicht für Rückenwind sorgen: Die Kernbank schrieb vor Steuern nach neun Monaten zwar einen Vorsteuergewinn von 255 Millionen Euro. Im Halbjahr hatte indes noch ein Vorsteuergewinn von 304 Millionen Euro in den Büchern gestanden. Damit dürfte das Institut im dritten Quartal einen Verlust von rund 50 Millionen vor Steuern verbucht haben – anders als andere Landesbanken. Im Konzern stand sogar ein Verlust von 120 Millionen Euro in den Büchern.

Alle übrigen Landesbanken hatten im dritten Quartal Gewinne erzielt. Zugute kam ihnen dabei eine sinkende Vorsorge für faule Kredite dank der wieder anziehenden Wirtschaft und oftmals ein verbessertes Zinsergebnis – Effekte, die auch bei der WestLB zum Tragen kamen, durch Restrukturierungsaufwendungen aber wieder aufgezehrt wurden. Die meisten Institute gehen auch für das Gesamtjahr von einer deutlichen Verbesserung ihrer Ergebnisse aus.

Angesichts drohender neuer Auflagen der Brüsseler Wettbewerbshüter – diese untersuchen, ob milliardenschwere Beihilfen bei der Ausgliederung der Risiko-Papiere geflossen sind – schließt die WestLB dagegen für das Gesamtjahr 2010 rote Zahlen nicht aus. Das hätte auch Folgen für Kapitalgeber der WestLB wie etwa die Inhaber von Genussscheinen: Diese würden an den Verlusten beteiligt. Die WestLB setzt bei der Partnersuche weiter auf eine Lösung öffentlich-rechtlichen Lager: „Die WestLB rüstet sich weiter für die notwendige Konsolidierung im Landesbankensektor“, teilte das Institut mit.

„Der Weg zur Bündelung der Kräfte ist lang und steinig. Aber er ist betriebswirtschaftlich zwingend“, sagte WestLB-Chef Voigtländer. Er sieht die Landesbanken dabei auch durch das Vorgehen der Brüsseler Wettbewerbshüter und neue Kapitalvorschriften am Zug: „Die Verständigung mit Brüssel sowie die durch Basel III verschärften Eigenkapitalvorschriften haben allen Beteiligten noch einmal deutlich vor Augen geführt, dass die Zeit reif ist für nachhaltige Anpassungen – nicht nur bei der WestLB“.

Auch andere Landesbanken wie die BayernLB müssen sich auf EU-Auflagen einstellen. WestLB und BayernLB hatten zuletzt vergeblich Möglichkeiten für ein Zusammengehen ausgelotet. Die Münchener Bank hatte die Gespräche abgebrochen. Parallel zu Landesbank-Fusionen wird auch nach privaten Eignern Ausschau gehalten. „Namhafte strategische Investoren und Finanzinvestoren aus dem In- und Ausland“ hätten ihre Fühler nach der WestLB ausgestreckt, betonte die Bank. Unklar ist aber durch das Vorgehen der EU-Kommission noch, wie die Bank letztlich aussehen wird, die verkauft werden soll. Denn bis zum15. Februar 2011 will die Kommission einen neuen Restrukturierungsplan sehen. Bis August 2011 soll nach der bisherigen Planung ein Kaufvertrag stehen.