Riesenfusion

In Deutschland entsteht ein neuer Molkerei-Gigant

Nordmilch und Humana schließen sich zur größten deutschen Molkerei zusammen. Ihr Konkurrent Müller-Milch ist damit endgültig abgehängt.

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Nach den Nordmilch-Eignern haben auch die Genossenschaftsvertreter von Humana mit großer Mehrheit der Fusion der Molkereien Nordmilch AG und Humana Milchindustrie GmbH zur Deutschen Milchkontor GmbH (DMK) zugestimmt. „Dieser Zusammenschluss ist ein Meilenstein“, sagt der bisherige Humana-Chef Albert Große Frie, der künftig für die Integration der Molkereien zuständig sein wird, „Morgenpost Online“. Durch die Fusion entsteht Deutschlands größter Molkerei-Konzern mit einem Umsatz von vier Milliarden Euro und 5.500 Mitarbeitern. Konkurrent Müller-Milch beschäftigte 2008 mehr als 4.500 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von rund 2,3 Milliarden Euro.

In Europa wird das DMK mit 6,7 Milliarden Kilogramm verarbeiteter Milch zum sechstgrößten Milchproduzenten. Die Genossenschaften Humana Milchunion und Nordmilch als Muttergesellschaften blieben von den Plänen unberührt. Als juristischer Sitz des DMK ist das niedersächsische Zeven vorgesehen, Sitz der Geschäftsführung und zentraler Verwaltungssitz ist Everswinkel in Nordrhein-Westfalen, dem bisherigen Humana-Sitz. Sprecher der Geschäftsführung wird der bisherige Nordmilch-Chef Josef Schwaiger. An der neuen Gesellschaft halten Humana und Nordmilch jeweils 50 Prozent.

Nordmilch verarbeitet jährlich vier Milliarden Liter Milch zu Käse, Milch und Molkepulver und gehört mit einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro im Jahr 2009 zu den größten Molkereien in Deutschland. Die Milch liefern rund 7000 Landwirte, die zugleich Mitglieder der Muttergesellschaft und damit Mit-Eigentümer sind. Insgesamt produzieren künftig 11.000 Milcherzeuger der Muttergesellschaft für das DMK. Zu Nordmilch gehören neben der Marke „Milram“ auch noch die unter „Oldenburger“ vertriebenen Milchprodukte. Humana ist vor allem bei der unter dem eigenen Namen vertriebenen Babynahrung stark.

Auch Ravensberger, Osterland und Euro-Cheese („Landhof“, „Casarelli“) gehören zum Verbund. Die Molkereien arbeiten bereits seit 2005 zusammen. Seit 2006 betreiben sie das Molke-Veredelungswerk Wheyco. Im Jahr 2009 genehmigte das Kartellamt den Unternehmen, ihren Vertrieb zur Nord-Contor Milch zusammenzulegen. Durch den Zusammenschluss wollen die Landwirte laut Große Frie eine Position der Stärke erlangen, um handlungsfähiger zu sein: „Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um stärker gegenüber dem Handel auftreten zu können.“

Mehr Verhandlungsmacht im Preispoker

In Zusammenschlüssen sehen die Molkereien einen Weg, der Marktmacht des Einzelhandels zu begegnen und bessere Preise durchzusetzen. Durch die Fusion rechnen sich die Genossenschaften von Humana und Nordmilch nicht zuletzt mehr Verhandlungsmacht im Preispoker mit den Handelsriesen aus. Die DMK hat sich zudem zum Ziel gesetzt, die Marktführerschaft bei Käse auszubauen sowie ein profitables Wachstum des Markengeschäftes zu erzielen. Das internationale Wachstum stehe ebenfalls im Fokus.

„Wir wollen den Export in Märkte wie Russland oder Ostasien stärken“, so Große Frie. Dabei scheint nicht ausgeschlossen, dass dazu auch eine Produktion in dieser Region aufgebaut werden könnte. Bedeutsam werden zudem der Ausbau und die Weiterentwicklung der Geschäftsfelder wie Eis, Babynahrung und Gesundheitsprodukte. Ein besonderer Fokus werde auf das Geschäftsfeld Eiskrem gelegt.

Um dieses in der Zukunft besonders zu fördern, wird das Eiskrem-Geschäft im Verlaufe dieses Jahres in eine eigene Gesellschaft ausgegründet, teilte der Konzern mit. Der Umsatz mit Eiskrem soll internen Schätzungen zufolge in den kommenden Jahren auf 150 bis 200 Millionen Euro steigen. Derzeit liegen die Erlöse bei 128 Millionen Euro.

Mit der Fusion von Nordmilch und Humana ist die Konsolidierung der Branche noch nicht abgeschlossen. Die fünf größten Unternehmen in Deutschland kommen auf einen Marktanteil von 31 Prozent. Den Branchenumsatz von rund 24 Milliarden Euro teilen sich derzeit im Inland etwa 100 Unternehmen. „Die Konsolidierung der Branche ist noch nicht beendet“, sagt Große Frie. Angetrieben wird die Neuordnung durch die Macht der großen Handelsketten, die in den vergangenen Jahren ihre Preiskämpfe häufig mit Produkten wie Butter, Käse und Milch austrugen – zulasten der Molkereien und Milchbauern. Große Frie: „Ich schätze, dass sich die Zahl der Unternehmen in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf rund 20 reduzieren wird.“