EADS

Triebwerksprobleme sorgen für A380-Verzögerungen

Der Luftfahrtkonzern EADS ist im dritten Quartal knapp in der Gewinnzone. Die Auslieferungen weiterer A380-Flieger verzögern sich.

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Verluste beim Hoffnungsträger A380 und höhere Entwicklungskosten belasten den Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS. Die Airbusmutter konnte sich im dritten Quartal nur knapp in der Gewinnzone halten. Ungemach droht durch die Probleme beim Trent-900-Triebwerk von Rolls Royce. Sie dürften die Auslieferung der Superflieger vor allem im kommenden Jahr verlangsamen, kündigte Airbus-Chef Tom Enders an. Die Notlandung einer A380 in Singapur nach einem Triebwerkschaden hatte zu Untersuchungen geführt, die nun den Austausch von fehlerhaften Teilen nötig machen.

Nach Angaben von Rolls-Royce geht der Triebwerkausfall auf der Qantas-Maschine, die am 4. November in Singapur notlanden musste, auf eine bestimmte Komponente im Turbinenteil des Triebwerks zurück. Durch das fehlerhafte Bauteil könne Öl austreten, das in Brand geraten kann. Bei dem Qantas-Flugzeug habe der Brand im Bereich der Mitteldruckturbine zum Bruch der Turbinenscheibe geführt - die vom Aussehen her einem Zahnrad ähnelt. Ein Teil der geborstenen Scheibe war gefunden worden und galt als Schlüssel bei der Fehlersuche.

Die Ermittler der australischen Transportsicherheitsbehörde (ATSB) trafen auf der indonesischen Insel Batam ein, um die Suche nach dem Rest der Scheibe zu verstärken. Sie hatten den genauen Flugweg der Maschine markiert und wollen nun gezielt am Boden suchen. Auf Batam waren schon zahlreiche Trümmerteile gefunden worden, der Rest der Scheibe fehlt aber noch. Das beschädigte Triebwerk soll am Wochenende aus der Maschine ausgebaut werden. Dazu werde noch Spezialgerät aus Deutschland eingeflogen, teilte ATSB mit.

Als das Triebwerk in dem Qantas-Flugzeug kurz nach dem Start mit lautem Knall kaputtging, ist nach Informationen der Zeitung „The Australian“ die Tragfläche schwerer beschädigt worden, als bislang bekannt war. Metallsplitter hätten Teile der Verkabelung und des Treibstoffsystems des Riesenflugzeugs zerstört, als sie die Außenhaut der Maschine durchschlugen, berichtete die Zeitung. Außerdem sei die Feuerlöschanlage an der betroffenen Tragfläche ausgefallen. Die Maschine musste mit diesen Schäden noch eine Stunde Schleifen fliegen, um Benzin abzulassen, ehe sie zur Notlandung nach Singapur zurückfliegen konnte. Die ging reibungslos über die Bühne. Weder Qantas noch die ATSB wollten sich zu dem Bericht äußern.

Zwischen Januar und September verdiente der Airbus-Mutterkonzern EADS unter dem Strich 198 Millionen Euro, fast ein Drittel weniger als ein Jahr zuvor. Das dritte Quartal steuerte dazu nur 13 Millionen bei - viel weniger als Analysten erwartet hatten. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen sank um 28 Prozent auf 784 Millionen Euro. Der Umsatz legte hingegen um sechs Prozent auf fast 31,6 Milliarden Euro zu.

EADS-Finanzchef Hans Peter Ring zeigte sich jedoch optimistisch, dass der operative Gewinn im Gesamtjahr 2010 mit 1,1 Milliarden Euro um 100 Millionen höher ausfallen wird als bisher geplant. Der Auftragseingang kletterte um beachtliche 135 Prozent auf rund 57,7 Milliarden Euro, so dass der Konzern nun einen Auftragsbestand im Wert von 426,4 Milliarden Euro hat. Fürs laufende Jahr rechnet EADS mit einem Konzernumsatz von 44 Milliarden Euro.

Die Rentabilität von Airbus solle mittelfristig „erheblich steigen“. Bei der größten Konzerntochter erwartet EADS in diesem Jahr Neuaufträge für bis zu 500 Flugzeuge, zugleich sollen mehr als 500 Maschinen ausgeliefert werden. Einen Imageschaden durch den Zwischenfall mit der A380 befürchte er nicht, sagte Enders. Es habe keinerlei Abbestellungen oder Diskussionen um Stornierungen gegeben.

Turbinenhersteller Rolls-Royce hatte zuvor erklärt, bei den Trent- 900-Flugzeugtriebwerken fehlerhafte Module ersetzen zu wollen. Der Fehler betreffe die gesamte Serie, sei aber beschränkt auf eine bestimmte Komponente im Turbinenteil des Triebwerks. Durch austretendes Öl habe ein Ölbrand entstehen können.

Die speziell für die A380 entwickelten Triebwerke werden gegenwärtig von den Fluggesellschaften Lufthansa, Singapore Airlines und Qantas verwendet. Unabhängig von einer bekanntgegebenen Kaufabsichtserklärung der japanischen Skymark Airlines liegen für den Mega-Flieger bisher 234 Festbestellungen vor. Der neue mittelgroße Langstreckenflieger A350 soll nun in der zweiten Jahreshälfte 2013 in Dienst gestellt werden.