Internetsicherheit

"Cyber-Soldat" wird zum neuen Trendberuf

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Fabian Müller

Von der Uni an die digitale Front: Die Nachfrage nach Spezialisten für die Sicherheit im Web steigt. Der US-Trend ist auch in Deutschland angekommen.

In zwei Jahren soll sie bereit stehen, die erste ausgebildete „US-Armee von Cyber-Kriegern“. Bereit, um in den Kampf gegen Internet-Terroristen oder Kriminelle zu ziehen. Das University of Maryland University College (UMUC) schreckt vor Kriegsmetaphern nicht zurück, wenn es von seinen Studenten des neuen Studiengangs Cyber Security spricht. Längst ist der Schutz des Internet in den USA eine Frage der nationalen Sicherheit. Seit Herbst vergangenen Jahres bildet die Hochschule Studenten in einem Bachelor- und zwei Masterprogrammen zu Spezialisten aus – ein neues Studienfeld und augenscheinlich eine Marktlücke.

Binnen kürzester Zeit schrieben sich hunderte Interessenten ein. Die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt ist gigantisch und wird noch weiter steigen. Egal, ob in Verwaltung, Regierungsämtern oder Privatwirtschaft – überall sind Systeme zu schützen, Daten zu sichern und digitale Eindringlinge zu bekämpfen. „Der Cyberspace ist heutzutage allgegenwärtig. Unser Ziel ist es, eine Generation von Fachkräften auszubilden, die unser Internet schützen kann“, sagt Alan Carswell, Leiter des Fachbereichs am UMUC. Drahtlose Breitbandnetzwerke gibt es in USA mittlerweile überall - private wie öffentliche.

In Schulen oder Kliniken, im Verkehr und nicht zuletzt in Wirtschaft und Regierung ist die Vernetzung kaum noch wegzudenken. Attacken auf die Systeme können bedrohliche Ausmaße annehmen, weiß Carswell. Die Spanne reicht vom schlichten Datendiebstahl bis hin zu lebensgefährliche Situationen, wie etwa der Manipulation der Flugsicherung. Als eine nationale Herausforderung wird Cyber Security in den USA daher schon länger angesehen. Schon im Mai 2009, kurz nach seinem Amtsantritt, erklärte Präsident Barack Obama , dass „der wirtschaftliche Wohlstand Amerikas im 21. Jahrhundert von IT-Sicherheit abhängen wird“.

Eigens ernannte er einen Koordinator für Cyber Security. Das populäre Spionage-Museum in Washington widmet dem Thema Internetsicherheit eine Ausstellung. Mike McConnell, Ex-Direktor der Nationalen Nachrichtendienste und damit Amerikas ehemaliger „Top-Spion“, warnte bereits vor einem „Cyber Pearl Harbor“: In Ausmaß ähnlich dramatisch wie der japanische Angriff auf den Militärstützpunkt in Hawaii 1941 – aber eben digital. Hackerangriffe auf Staaten und Terrorismus im Netz sind längst keine Utopie mehr. Die USA wollen mit dem Cyber Command der Streitkräfte jegliche Attacken per Internet abwehren.

Doch mangelt es an Spezialisten, berichtet Internetdozent Carswell und verspricht: „Diese Lücke werden wir füllen.“ Kein Wunder, dass auch andere Unis auf die Nachfrage an Fachleuten reagieren und überall im Land vergleichbare Studiengänge wie Pilze aus dem Boden schießen. Oftmals unterscheiden sich die Namen der Programme, doch meist dreht es sich um ein und dasselbe: Cyber Security.

Ein echtes Studentenleben mit Mensa und Co. erleben die über 500 Teilzeit-Studierenden der Cyber Security an der UMUC dabei jedoch nicht. „Vorlesungen finden nur vor der Videokamera statt“, erklärt Pressechef Chip Cassano. 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche stehen die Module im Internet, kann auf Plattformen mit Kommilitonen diskutiert werden, sollen die Prüfungsleistungen eingereicht werden. Wie sollte es auch anders sein: Die Studenten können den Studiengang Cyber Security natürlich ausschließlich online belegen.

Der Trend ist übrigens mittlerweile auch im deutschsprachigen Raum angekommen. Spezifische Security-Studiengänge bieten die Fachhochschule Gelsenkirchen (Bachelor 3 Jahre/Master 2 Jahre), die Hochschule Aalen (Bachelor 3,5 Jahre), Fachhochschule Brandenburg (Master 1,5 Jahre) sowie in Österreich die Fachhochschule St. Pölten (Niederösterreich, Bachelor 3/Master 2) und die F H Oberösterreich/Hagenberg (Bachelor 3 Jahre). Überall werden mehrere tausend Euro Gebühren fällig und Präsenz ist Pflicht.