Sparpaket

Berliner Bayer-Mitarbeiter fürchten Kündigungen

Der Pharma-Riese Bayer will massiv sparen - auch an Stellen. Insgesamt sollen 1700 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Wie viele davon in Berlin, ist unklar. Kündigungen sind ausgeschlossen, allerdings nur vorerst.

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Einigung getroffen, wichtigste Frage nicht geklärt: Obwohl sich Bayer-Chef Marijn Dekkers offiziell mit den Arbeitnehmervertretern im Konzern über die Umsetzung seines Sparpaketes geeinigt, ist weiterhin offen, an welchen Standorten wie viele Stellen gestrichen werden. Das beunruhigt auch die Berliner Mitarbeiter. „Wir wissen nur, dass 700 Stellen im Bereich Healthcare wegfallen sollen“, sagte Yüksel Karaaslan, Betriebsratschef von Bayer in Berlin. Seinen Worten zufolge, will der Konzern dies auch weiterhin offen halten.

Klar ist nur, dass Mitarbeiter bis 2012 vor Kündigungen sicher sind. Es gilt eine entsprechende Betriebsvereinbarung. Was danach kommt, ist noch ungeklärt. „Die Kollegen fürchten betriebsbedingte Kündigungen“, sagt Karaaslan. Die Wahrscheinlichkeit hält er für gering. Ausgeschlossen werden kann es aber nach derzeitigem Stand nicht. Und klar scheint auch: Weil Berlin als Zentrale des alten Schering-Konzerns größter Teil von Bayer Healthcare ist, dürften hier auch die meisten Stellen wegfallen. Derzeit arbeiten rund 5000 Menschen für Bayer in der Hauptstadt.

Mitarbeiter sollen mit Abfindungsangeboten und Frühverrentung zum Gehen überredet werden. Offenbar will der Pharma- und Chemiekonzern erst einmal abwarten, wer die Angebote annimmt. Laut Karaaslan steht noch nicht einmal fest, in welchen Abteilungen wie viel Arbeitsplätze verzichtbar sind. „Es verunsichert die Mitarbeiter, wenn man nicht klar sagt, in welchem Umfang die Standorte betroffen“, sagte er. Die Mitarbeiter wollten Klarheit, die das Unternehmen verweigere. Karaaslan wies zudem daraufhin, dass Bayer demnächst eine Reihe viel versprechender Medikamente auf den Markt bringen will. „Das geht nur mit einer motivierten Mannschaft. Doch wenn die Leute um ihren Job bangen, wie weit ist es dann mit der Motivation her.“

Man habe sich mit der Unternehmensleitung darauf verständigt, vor Ende nächsten Jahres Bilanz zu ziehen. Sollten die Sparziele unerreichbar sein, dürften weitere Verhandlungen folgen. Karaaslan glaubt nicht, dass Bayer zum Instrument betriebsbedingte Kündigung greift, wenn die Beschäftigungssicherung Ende 2012 ausläuft. „Derzeit gibt es aber keine Zusicherung über 2012 hinaus. Mithin bleibt ein Risiko.“

Erhebliches Konfliktpotenzial

Insgesamt will Bayer 1700 Stellen in Deutschland streichen. Die offizielle Redewendung lautet, dass diese Zahl durch normale Fluktuation und Aufhebungsverträge erreicht werden soll. „Erhebliches Konfliktpotenzial sehen wir bei der angedrohten Auslagerung von 400 Stellen der Bayer Business Services aus der Konzernzentrale“, sagte Rainer Hoffmann, IG-BCE-Bezirksvorsitzender und für die Arbeitnehmerseite im Konzernaufsichtsrat.

Die Bayer Business Services liefern Dienstleistungen wie etwa Computerwartung für die Konzernverwaltung. Bayer-Chef Dekkers lässt aktuell prüfen, ob solche Aufgaben günstiger extern eingekauft werden können, Ende Februar sollen erste Ergebnisse vorliegen. Reiner Hoffmann fürchtet, dass das Ergebnis von Anfang an fest steht. Er will ein eigenes Gutachten erstellen lassen.