Energieversorger

Vattenfall-Gewinn in Deutschland bricht ein

Der Gewinn von Vattenfall in Deutschland und Polen hat sich halbiert. Entscheidungen der Politik kommen Vattenfall teuer zu stehen.

Foto: AP / AP/DAPD

Der schwedische Energiekonzern Vattenfall hat 2010 vor allem in Deutschland deutlich weniger Gewinn verbucht. Wie das Staatsunternehmen in Stockholm mitteilte, halbierte sich der operative Gewinn aus den Aktivitäten in Deutschland und Polen von insgesamt 18,9 auf 9,5 Mrd. Kronen (umgerechnet 1,08 Mrd. Euro). Dazu beigetragen hatte auch der überraschend geringe Erlös beim Verkauf des deutschen Stromnetzes im Mai mit einem Buchverlust über 5,1 Mrd. Kronen (580 Mio. Euro). Gewinnzahlen für Deutschland weist das Unternehmen nicht separat aus.

Vattenfall hatte sein Höchstspannungsnetz im März vergangenen Jahres an den belgischen Netzbetreiber Elia und die österreichische Fondsgesellschaft IFM verkauft. Als Unternehmenswert wurden damals rund 810 Mio. Euro festgesetzt. Vattenfall hatte den Netzverkauf unter anderem mit positiven Cashflow-Effekten begründet. Insbesondere hatten die Schweden so auch die gesetzliche Verpflichtung zum Netzausbau in Höhe von mehreren Milliarden Euro an die neuen Investoren abgegeben. Den Netzverkauf hatte noch der Vorgänger des jetzigen Vorstandschefs. Lars G. Josefsson eingeleitet und durchgeführt. Dass das Netz damals sogar unter Inkaufnahme eines erheblichen Buchverlustes losgeschlagen wurde, weist auf den hohen Druck der Bundesnetzagentur auf die Netzbetreiber hin.

Für den Gesamtkonzern verzeichnete Vattenfall einen Gewinnrückgang von zwei Prozent auf 13,2 Mrd. Kronen, umgerechnet 1,5 Mrd. Euro. Massiv gedrückt wurde der Gewinn durch eine im Januar bekanntgegebene Wertberichtigung für die Benelux-Aktivitäten über 4,3 Mrd. Kronen (490 Mio. Euro). Als Hintergrund gilt die von Analysten als zu teuer eingestufte Übernahme des niederländischen Energiekonzerns Nuon im Jahre 2009. Im operativen Geschäft verbuchten die Schweden aber ein Plus von 6,9 Prozent auf 29,9 Mrd. Kronen (3,39 Mrd. Euro). Vattenfall will eine Dividende von 6,5 Mrd. Kronen (740 Mio. Euro) an die schwedische Staatskasse überweisen. Das sind rund 25 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor.

Die Aussichten für das laufende Jahr bezeichnete Løseth als „anhaltende Herausforderung mit starkem Ertragsdruck und schwachem Wachstum der Nachfrage“. Vattenfall wolle sich auf Schweden, Deutschland und die Niederlande als „Kernmärkte“ konzentrieren. Der im letzten Jahr eingeleitete Verkaufsprozess von Aktivitäten in anderen Ländern – wie Polen und Dänemark – soll fortgesetzt werden. Gleiches gelte generell für Minderheitsbeteiligungen. In Deutschland hat sich Vattenfall bereits von einer Beteiligung an den Stadtwerken in Kassel sowie an einem Kohlekraftwerk in Rostock getrennt.

Auch beim Unternehmensziel, die CO 2 -Emissionen des Kraftwerksparks zu verringern, habe man Fortschritte gemacht, sagte der Konzernchef. Zu den „Meilensteinen“ gehörte hier die Einweihung des ersten deutschen Offshore-Windparks „alpha ventus“ im April vergangenen Jahres. Im September ging zudem der größte Offshore-Windpark der Welt, Thanet, vor der britischen Küste mit 100 Turbinen und 300 Megawatt Leistung ans Netz. Zudem hatte der Konzern den Bau des größten schwedischen Windparks an Land, Stor-Rotliden, mit 78 Megawatt begonnen. Mit den Stadtwerken München hatte Vattenfall schließlich vereinbart, gemeinsam den Windpark Dan Tysk in der deutschen Nordsee mit 80 Turbinen und 288 Megawatt Leistung zu bauen, der spätestens 2014 am Netz sein soll.

Konzernchef Øystein Løseth bezifferte Vattenfalls Verluste durch den kompletten Stillstand der deutschen Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel im vergangenen Jahr auf 445 Mio. Euro. Mit der Einführung der deutschen Brennstoffsteuer würden auf sein Unternehmen außerdem jährliche Kosten von 165 Mio. Euro hinzukommen.

Mit dem Konkurrenten E.on verhandeln die Skandinavier seit dem vergangenen Jahr über die Verantwortung für den Betrieb der beiden deutschen Atomreaktoren. Entscheidungen über den Zeitpunkt der jeweiligen Inbetriebnahme werde es vor einer Einigung mit E.on nicht geben, sagte der Konzernchef weiter. Beide Reaktoren haben wegen Pannen seit 2007 nahezu durchgehend stillgestanden. Auf die Frage, ob der Reaktor Brunsbüttel jemals wieder ans Netz kommen werde, antwortete Løseth: „Das ist einfach eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Wir müssen das durchrechnen.“ E.on hat an beiden Atomkraftwerken bereits jetzt eine Minderheitsbeteiligung.

Trotz der lang andauernden Stillstände der Atomkraftwerke in Deutschland konnte der Konzern seine Atomstromproduktion im vergangenen Jahr insgesamt um rund fünf Prozent steigern. Dies gelang durch eine höhere Auslastung der insgesamt sieben schwedischen Atomreaktoren an den Standorten Ringhals und Forsmark.

In Deutschland erzielte der Konzern am Vorabend auch eine Tarifvereinbarung mit den Gewerkschaften. Die Vattenfall-Beschäftigten in Deutschland erhalten danach rückwirkend zum 1. Januar 3,4 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Ein entsprechender Kompromiss für die 14.000 Beschäftigten der deutschen Tochter des schwedischen Energiekonzerns wurde noch am späten Mittwochabend mit den Arbeitgebern vereinbart worden, sagte der Verhandlungsführer der Gewerkschaft IG BCE, Michael Winkler. Der Tarifvertrag werde eine Laufzeit von 13 Monaten haben. „Wir finden, das ist ein sehr akzeptables Ergebnis“, sagte Winkler.

Die Verhandlungen zogen sich über vier Runden hin. Die Gewerkschaften machten parallel mit Warnstreiks Druck. Tausende Mitarbeiter legten im Januar zeitweise die Arbeit nieder und demonstrierten in Hamburg und Berlin. Gefordert hatte die Arbeitnehmerseite 6,5 Prozent mehr Geld. Vattenfall hatte in der dritten Runde drei Prozent geboten. Ver.di-Verhandlungsführer Volker Stüber sprach von einem Ergebnis auf „Augenhöhe“ mit den Kollegen des Energiekonzerns RWE. Der größte deutsche Stromproduzent hatte vor kurzem ebenfalls Warnstreiks mit einer Tarifeinigung auf 3,4 Prozent abgewendet.