Aufstieg

Wie China so schnell zur Weltmacht werden konnte

Einige große Schwellenländer haben in letzter Zeit rasant aufgeholt, aber keines so wie China. Die Erklärung dafür ist simpel.

Davos liegt hinter und China vor uns. Wie sind die Chinesen nur so schnell an die Spitze gekommen? Unter den drei Riesenvolkswirtschaften, die mit der Globalisierung aufgestiegen sind, beeindruckt der Weg Chinas am meisten. Russland beutet fantasielos seinen Boden aus, die einzige Innovation: Es ist das erste Emirat mit Alkohol und Bodenfrost.

Beeindruckender schon der Aufstieg von einer Milliarde Inderinnen und Indern. Sie lernen so schnell und gut, dass ihre Leistungen weltweit nachgefragt werden, sei es Software oder Bürodienste. Sie optimieren, auch wenn mancher Versuch wie der Tata-Smart erst einmal misslingt.

Wie aber haben es die Chinesen geschafft, innerhalb eines historischen Wimpernschlages zu einer führenden Volkswirtschaft zu werden? Ist es der Bienenfleiß für billigen Lohn? Der amerikanische Wirtschaftsprofessor Doug Guthrie sagt: Nein, das hebt sie nicht heraus, niedrige Löhne bietet der ganze Kontinent. Die Chinesen verdanken ihren steilen Aufstieg einer originären, neuen Wirtschaftsform, der staatlich verordneten Innovation.

Bei der Solarenergie Innovationsführer

Der Dekan der Business School der George-Washington-Universität und akademische Leiter der Berlin School of Creative Leadership nennt es „Innovention“, die Mischung von Innovation und Intervention. Staatliche Innovation – das hört sich an nach Trabant und Robotron. Das eine schließt das andere aus.

Guthrie erklärt, wie die Chinesen die Einheit von Staatslenkung und Starre aufgelöst haben: durch Dezentralisierung und langen Atem. Die Dezentralisierung sei bestens zu studieren am Beispiel des „Phänomens der zweitrangigen Städte“. Etwa die Boomtown Suzhou in der Provinz Jiangsu: Mit über zwei Millionen Einwohnern allein im inneren Stadtgebiet ist sie größer als Hamburg oder München. Suzhou will bei der Mikroelektronik eine Spitzenstellung erringen und wirbt Zentren wie Shanghai und Peking ausländische Firmenzentralen ab, auf dass bei ihr neue Branchenschwerpunkte entstehen.

Der lange Atem wird deutlich beim Vergleich mit der amerikanischen Innovationsfinanzierung. Risikofinanziers erwarten einen Rückfluss ihrer Investition innerhalb von sieben Jahren. Sie fallen deshalb bei Generationenprojekten wie neuen Basistechnologien aus – etwa bei erneuerbaren Energien. Die chinesischen Innoventionisten hingegen investieren, bis sie ihre Ziele erreicht haben. Bei der Solarenergie gelten sie bereits als Innovationsführer.

Der Autor ist Unternehmer und Mitinitiator der Falling Walls Conference. Er schreibt donnerstags im Wechsel mit der Libanesin Joumana Haddad.