Wirtschaftsforschung

Auch DIW-Vizechef Kritikos soll gehen

Nach dem angekündigten Rückzug von Klaus Zimmermann, dem Chef des Berliner Forschungsinstituts DIW, soll offenbar auch sein Stellvertreter und Vertrauter Alexander Kritikos seinen Posten räumen.

Die Führungsriege des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt nicht zur Ruhe. Wenige Tage nach der Rücktritts-Ankündigung des Präsidenten Klaus Zimmermann, soll nach Wunsch des Kuratoriumschefs Bert Rürup nun auch der Vizepräsident, Alexander Kritikos, seinen Posten räumen. Das erfuhr Morgenpost Online aus dem Umfeld des Instituts.

Am Freitag will das Kuratorium in einer Sondersitzung über das neue Führungsteam entscheiden. Als Interimschef wurde vor wenigen Tagen bereits Gert G. Wagner, bisher Leiter des Soziooekonomischen Panels (SOEP) in dem Berliner Wirtschaftsforschungsinstitut, eingesetzt. „Mit dem Austausch von Kritikos versucht Rürup nun offenbar, alle Spuren Zimmermanns zu beseitigen“, sagte ein DIW-Mitarbeiter.

Zimmermann, der im Juni seinen Job aufgeben will, wird Verschwendung von Steuergeld, Intransparenz und ein autoritärer Führungsstil innerhalb des Instituts vorgeworfen. Kritikos war erst im Mai 2010 als Vize zum Einsatz gekommen, um Zimmermann zu unterstützen. Schwerpunkt seiner Arbeit ist allerdings, die wissenschaftliche Arbeit des Instituts auf die Überprüfung durch die Leibniz-Gemeinschaft im kommenden Jahr vorzubereiten. Diese Gemeinschaft ist ein Zusammenschluss von 87 deutschen Forschungsinstituten. Wer dazugehört, erhält Fördergeld von Bund und Ländern – im Falle des DIW sind dies 13,5 Millionen Euro. Die Hälfte davon trägt der Berliner Senat. Insofern gilt ein positiver Ausgang der Prüfung als überlebenswichtig. Der Berliner Rechnungshof hatte vergangenes Jahr im Zusammenhang mit den Vorwürfen gegen Zimmermann den Senat aufgefordert zu untersuchen, ob das DIW mit den Zuwendungen wirtschaftlich und sparsam umgegangen ist.

Kritikos gilt zwar als Zimmermann-Vertrauter, „aber als Vize-Chef lässt sich das ja wohl kaum umgehen“, heißt es im Institut. In der Belegschaft wachse die Sorge, dass Rürup zunehmend eine eigene Agenda verfolge, sagte ein DIW-Mitarbeiter, der mit den Vorgängen vertraut ist.

Rürup – zusätzlich auch Gründer und Vorstandsmitglied der MaschmeyerRürup AG – hatte für die DIW-Spitze auch Anita Linseisen im Blick, derzeit Vorstand für Finanzen und Organisationsentwicklung beim Bauhaus Luftfahrt in München. Linseisen schickte den Informationen zufolge nun allerdings eine Absage.