Konjunktur

Industrie erwartet 300.000 neue Jobs in Deutschland

Die Stimmung der Unternehmen ist so gut wie seit dem Boomjahr 2007 nicht mehr. Der DIHK erwartet drei Prozent Wachstum und viele Jobs.

Foto: dapd

Deutsche Firmen wollen in den kommenden Monaten mehr investieren und neue Stellen schaffen. "Sie investieren und stellen ein", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Der Deutschen Industrie- und Handelskammertage (DIHK) hat 28.000 Firmen befragt – und die sind offenbar so optimistisch wie seit dem Boomjahr 2007 nicht mehr. Über alle Branchen hinweg ist das Ergebnis der Umfrage das drittbeste seit der Wiedervereinigung.

Die Unternehmen wollen wieder deutlich mehr investieren und neue Stellen schaffen. Der DIHK rechnet damit, dass in diesem Jahr 300.000 neue Jobs entstehen werden. Die Verbandsökonomen rechnen damit, dass 2011 im Jahresdurchschnitt 2,9 Millionen Menschen ohne Arbeit sein werden, nachdem im vergangenen Jahr noch 3,2 Millionen Menschen arbeitslos waren.

Die Geschäftsaussichten der Unternehmen haben sich offenbar branchenübergreifend verbessert. Deshalb wollen die Firmen in den kommenden Monaten ihre Produktionskapazitäten ausweiten und kräftig investieren – soviel wie zuletzt im Boomjahr 2007. „Die Investitionsabsichten der Unternehmen erreichen zu Jahresbeginn einen Rekordwert“, sagte DIHK-Chef Wansleben. Mit den Investitionen wollen die Unternehmen nicht nur Maschinen und Anlagen austauschen, sondern zunehmend auch ihre Kapazitäten ausweiten.

Besonders die exportstarken Branchen wie der Maschinenbau, die Autohersteller und die Chemieindustrie wollen in diesem Jahr mehr investieren. Diese Wirtschaftszweige profitieren weiterhin vom gut laufenden Geschäft mit dem Rest der Welt: Der Handel mit Staaten wie China verhalf den hiesigen Unternehmen 2010 zu einem Exportplus von 18,5 Prozent auf 952 Milliarden Euro. Es war der größte Anstieg seit 1974. Die Exporteure erwarten, dass es so weitergeht: 46 Prozent der befragten Industrieunternehmen rechnen damit, dass ihre Ausfuhren steigen und nur 5 Prozent befürchten einen Rückgang. „Die deutschen Firmen sind gut positioniert in den Schwellenländern“, betonte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Er und seine Kollegen erwarten, dass die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und steigende Löhne das Vertrauen der Verbraucher stärken und zusätzliche Kaufkraft schaffen. Die Konsumbranchen und Einzelhändler dürften davon profitieren: „Angekurbelt vom Export ist die konjunkturelle Erholung auch in der Binnenwirtschaft voll angekommen“, sagt DIHK-Chef Wansleben. Sein Verband erwartet zwar keinen „Konsumboom“, geht aber davon aus, dass die Konsumenten in diesem Jahr rund 2,4 Prozent mehr ausgeben werden.

Verband korrigiert seine Wachstumsprognose

Für deutsche Verhältnisse ist das eine überdurchschnittlich starke Steigerung. Die Nachfrage aus dem Inland auf diese Weise mehr als drei Viertel zum gesamten Wirtschaftswachstum beitragen. Angesichts der guten Stimmung in der Wirtschaft korrigiert der Verband sogar seine Wachstumsprognose für dieses Jahr und erwartet jetzt, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um drei Prozent wächst. Zuvor waren die Verbandsökonomen von 2,4 Prozent ausgegangen. Damit gehört der DIHK zur Spitze der Konjunkturoptimisten.

Zum Vergleich: Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr mit einem Plus von 2,3 Prozent; die OECD mit 2,5 Prozent Wachstum. Die deutsche Wirtschaft war 2009 in der Finanz- und Wirtschaftskrise um fast fünf Prozent eingebrochen und hat sich seitdem schneller als erwartet wieder erholt. Im vergangenen Jahr wuchs die Wirtschaftsleistung um 3,6 Prozent. Die Produktionsausfälle dürften die meisten Firmen nach DIHK-Einschätzung schon bald aufgeholt haben. „Die Wirtschaft wächst in diesem Jahr kräftig weiter“, sagte Wansleben. Allerdings hinkten Branchen wie der Maschinenbau und der Bahn- und Schiffsbau hinterher.

Große Sorge bereiten den Firmen allerdings die steigenden Preis für Erdöl und Rohstoffe. In einigen Branchen gelten die teuren Materialien inzwischen als Konjunkturrisiko Nummer eins. Besonders Industriebetriebe bereiten sich darauf vor, dass die Preise dauerhaft hoch bleiben werden und investieren deshalb in Maschinen und Anlagen, die besonders energieeffizient arbeiten.

Volker Treier, der Außenwirtschaftschef der DIHK glaubt, dass die höheren Rohstoffpreise die Firmen zwar im Moment belasten; langfristig könnten deutsche Unternehmen von den höheren Preise aber profitieren: Denn die rohstoffreichen Länder könnten mit ihren hohen Gewinnen mehr deutsche Produkte kaufen. Knapp ein Drittel der Unternehmen fürchtet auch, dass sie in den kommenden Monaten nicht mehr die Fachkräfte finden, die sie brauchen – damit hat sich der Anteil seit dem vergangenen Jahr verdoppelt.