App im Test

Neue iPad-Zeitung "The Daily" lädt zum Spielen ein

Medienmogul Rupert Morduch hat 30 Millionen Dollar in eine eigene iPad-Zeitung gesteckt. Viktoria Unterreiner hat "The Daily" getestet.

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Rupert Murdoch will mit seiner neuen I-Pad-Zeitung verloren gegangene Abonnenten zurückgewinnen. Der Abo-Preis für ein Jahr beträgt knapp 40 Dollar.

Video: Reuters
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Viele schöne Frauen findet man in der ersten Ausgabe der iPad-Zeitung „The Daily“. Auf einem Bild wandert Giselle Bündchen über den Laufsteg, auf einem anderen sieht man Natalie Portman im Cafe. Streicht man dann weiter auf dem iPad, denn blättern kann man ja wohl schlecht dazu sagen, landet man bei Azucena Blanco, einer 23-jährigen Studentin aus Mexiko. Rein optisch kann sie mit den Models und Schauspielerinnen nicht mithalten.

Und doch wird ihr Bild eines derjenigen sein, das zumindest die weiblichen Leser am längsten betrachten. Denn hier zeigt sich, was eine Zeitung auf dem iPad dem gedruckten Papier voraushat. Wer nämlich Azucenas türkisfarbenes Kleid kaufen will, muss nur klicken und landet bei einem Online-Versandhandel für Mode aus Mexiko. Interessiert man sich für ihre Handtasche – noch ein Klick. Sogar ihr Armband aus Lutschbonbons kann man sofort für 8,99 Dollar erwerben.

Solche und weitere Spielereien müssen Rupert Murdoch überzeugt haben, 30 Millionen Dollar zu investieren, um nur für das iPad eine eigene Zeitung zu entwickeln. „Neue Zeiten brauchen neuen Journalismus“, sagte der 79-Jährige, als er „The Daily“ im New Yorker Guggenheim Museum vorstellte. „The Daily“ wird es nicht in Papierform geben. Auch über den herkömmlichen Computer wird man nur einen Teil nutzen können, da man anders als beim iPad den Bildschirm nicht per Berührung steuern kann. Murdoch machte aber klar, dass die enge Bindung an Apple nicht für alle Zeiten gelten werde.

Rund 100 neue Seiten pro Tag

Momentan halte der Konzern mit dem iPad zwar die Spitzenposition. „Sobald andere Hersteller mit Tablet-Computer nachziehen, werden wir unsere Technik anpassen“, so Murdoch. 120 Journalisten bilden die Redaktion von „The Daily“. Sie sorgen jeden Tag für etwa 100 neue Seiten Inhalt, der aus Texten, Bildern und Videos besteht kann. Seitenzahlen sucht man dort vergeblich. Es gibt eine Funktion, bei der die Seiten wie bei einem Karussell an einem vorbei sausen.

Was man schon gelesen hat, wird gekennzeichnet. Mit der Shuffle-Taste kann man sich auch überraschen lassen, da sie nach dem Zufallsprinzip eine Seite auswählt, die man noch nicht offen hatte. Reinen Text gibt es kaum. Jeder Artikel wird von einem Hingucker begleitet. Dafür muss man das iPad in der Regel nur um 90 Grad drehen, schon beginnt ein Video oder eine Bilderstrecke. Inhaltlich geht es vor allem um Unterhaltung. Es gibt ein Ressort für Nachrichten und eines für Kommentare. Gleich die zweite Rubrik hinter den Nachrichten sind Klatsch und Promigeschichten. Kernstück dürfte gerade wegen der vielen leichten Themen das Editorial bilden.

Chefredakteur Jesse Angelo beschrieb die politische Ausrichtung so: „Wir lieben Amerika. Und wir glauben an die Freiheit von Gedanken und Menschen.“ 30 Millionen Dollar hat Rupert Murdoch in die Entwicklung der App gesteckt. Von nun an kostet ihn „The Daily“ eine halbe Million Dollar in der Woche. Das wären jedes Jahr 26 Millionen Dollar. Dieses Geld soll anfangs vor allem über Abonnements verdient werden, langfristig soll etwa die Hälfte der Einnahmen aus der Werbung kommen.

Für das Wochenabo von „The Daily“ müssen Leser in Amerika (in Deutschland kann man „The Daily“ nur über Umwege beziehen) 99 Cent zahlen, für das ganze Jahr 39,99 Dollar. Jeden Tag soll es eine ganz neue Ausgabe geben, die aber vorher schon teilweise aktualisiert wird. Dies geschieht automatisch, wenn man die App öffnet.

„The Daily“ ist ein Zwischending. Sie kommt täglich und ist keine reine Zeitung, da sie eher wie ein Magazin wirkt. Wer schnell wissen will, was gerade in der Welt vor sich geht, wird weiter eine Nachrichtenseite im Internet anklicken. Um ausführlich über politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen Bescheid zu wissen, reicht „The Daily“ auch nicht. Aber wer in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit oder abends auf dem Sofa eine halbe Stunde Zeit hat, dem wird „The Daily“ viel Spaß machen.