Benzinpreise

Politiker liefern Vorwand für Benzin-Verteuerung

Im Januar 2011 kommt in Deutschland das neue Superbenzin E10 auf den Markt. Eine willkommene Gelegenheit für die Ölriesen, die Preise anzuheben.

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Internationale Ölkonzerne beklagen sich seit Jahren darüber, dass sie im deutschen Tankstellenmarkt wenig und in manchen Jahren gar nichts verdienen. In anderen Ländern Europas ließen sich höhere Preise durchsetzen, in Deutschland sei der Konkurrenzkampf besonders intensiv, stöhnen die Manager. Zum Teil stimmt das sogar. Denn noch sorgen freie Tankstellenbetreiber, die rund ein Fünftel des Benzins in Deutschland verkaufen, in vielen Regionen für Wettbewerb.

Jetzt bietet sich den Ölmultis zum Jahresanfang 2011 eine günstige Gelegenheit, doch wieder an der Preisschraube zu drehen. Bei der Einführung des neuen Superbenzins mit zehn Prozent Bio-Beimischung werden sie sicher versuchen, mehr einzunehmen. Das kann auch dadurch gelingen, dass die Tankstellenketten andere Sorten künstlich verteuern, um den neuen Sprit vermeintlich attraktiv zu machen. Der Schuldige wird dann schnell ausgemacht sein: Die Bundesregierung steckt hinter dem neuen Super-E-10, sie verlangt von den Ölkonzernen, den Anteil nachwachsender Rohstoffe am Benzin schrittweise zu erhöhen. Auch wenn die Regierung damit nur eine Richtlinie der Europäischen Union umsetzt.

Damit wird die Politik einen Moment lang zum Handlanger der Ölindustrie und liefert einen Vorwand für höhere Preise. Der ADAC warnt die Ölkonzerne schon jetzt davor und will die Autofahrer aufklären. Denen bleibt immer noch der Weg zur Konkurrenz: Denn es ist unwahrscheinlich, dass sämtliche Anbieter die Preisschritte mitmachen werden. Besonders die freien Tankstellenfirmen wissen um die Preissensibilität ihrer Kunden. Sie leben davon, dass ein Cent weniger als Kaufargument ausreicht.