Spitzeneinkommen

Halbherzige Politiker füllen Bankern die Taschen

Dank höherer Festgehälter verdienen Bankmanager mehr denn je – obwohl es den Instituten schlechter geht. Die Entwicklung war politisch gewollt.

Die Zahl garantiert Empörung. 135 Milliarden Dollar haben die Banker an der Wall Street im vergangenen Jahr verdient, so viel wie noch nie. Und das nur gut zwei Jahre nach der schlimmsten Finanzkrise seit zwei Generationen. Dabei wollten sich die Finanzjongleure doch mäßigen – war all die Läuterung nur geheuchelt? Geht alles so weiter, als hätte es die Krise nie gegeben?

Nur auf den ersten Blick. Denn die unvorstellbar hohe Summe der Bankerbezüge hat zumindest teilweise einen anderen Hintergrund als damals. Zunächst Rekordvergütungen sind nicht identisch mit Rekordboni. Als großer Missstand in der Finanzbranche gelten zu Recht Anreizsysteme, die Wertpapierhändler und andere Banker zu Zockerei ohne Rücksicht auf Risiken verleiten. Hier hat sich durchaus etwas bewegt: Praktisch alle Banken haben die Bedeutung dieser Kurzfrist-Boni stark zurückgeschraubt.

Im Gegenzug stiegen Zulagen, die sich am längerfristigen Erfolg des Unternehmens orientieren. Deutlich erhöht, teilweise nahezu verdoppelt, wurden jedoch auch die Fixgehälter. Diese Entwicklung war politisch ausdrücklich gewollt, ist aber höchst problematisch, denn sie verschärft den zweiten Missstand: dass nicht wenige Banker auch bei Misserfolg Millionen einstreichen.

Gewinne der Banken gestiegen

Auch in Deutschland treiben entsprechende Vorschriften inzwischen absurde Blüten: Dank höherer Festgehälter verdient so mancher Banker ähnlich gut wie vor der Krise, und zwar unabhängig davon, wie gut er seinen Job macht – das ist mit Sicherheit kein Fortschritt für die Vergütungskultur.

Haupttreiber für die bessere Bezahlung der Banker bleiben jedoch die Gewinne der Banken selbst. Denn der Anteil der Erträge, den die Vergütung der Mitarbeiter auffrisst, hat sich kaum verändert. Bei vielen Banken, gerade in den USA, lief das Jahr 2010 schlichtweg sehr gut. Obenauf waren dabei nicht unbedingt die Investmentbanker: Steigende Gewinne verzeichneten US-Institute vor allem im 2009 von der Krise gebeutelten Privat- und Firmenkundengeschäft.

Regierungen haben kaum Lehren gezogen

Bankengewinne an sich sind nicht verwerflich. Der Skandal der vergangenen Jahre bestand darin, dass dieses Geld maßgeblich auf Kosten des Steuerzahlers verdient wurde – weil der für die Risiken einstehen musste, als das System kollabierte.

Dieses Problem ist allenfalls teilweise gelöst. Noch immer fehlt ein überzeugender Rettungsmechanismus für Großbanken, noch immer gibt es keine echte Möglichkeit, die Gläubiger von Banken zur Kasse zu bitten, ohne eine Massenpanik zu riskieren. Müssten die Banken für die Risiken ihres Geschäfts voll geradestehen, würden die Gewinne automatisch sinken – und auch die Boni.

Insofern gibt es gute Gründe zu sagen, dass die Regierungen nicht genug Lehren aus der Krise gezogen haben. Die Bonusregeln sind aber nicht die Stellschraube, an der es weiter zu drehen gilt.