Daimler

Potsdamer Platz verliert prominenten Mieter

Daimler zieht sich endgültig vom Potsdamer Platz zurück. Im September 2013 werden die rund 1200 Mitarbeiter des Mercedes Vertriebs das prominente Quartier verlassen. Um die Kosten zu senken, räumt der Konzern alle Büros im Berliner Zentrum.

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Das ehemalige Debis-Haus wird im September 2013 seinen prominentesten Mieter verlieren: Dann kehrt Daimler dem Potsdamer Platz endgültig den Rücken, und die rund 1200 Mitarbeiter des Mercedes-Vertriebs ziehen um. Eine Sprecherin der schwedischen Bank SEB, der das Quartier gehört, sagte Morgenpost Online: „Daimler hat seinen bis 2012 laufenden Mietvertrag um neun Monate verlängert. Danach ziehen sie aus.“ Eine Daimler-Sprecherin sagte lediglich: „Das sind Spekulationen, zu denen wir uns nicht äußern.“

Mit dem Wegzug im Jahr 2013 endet auch ein wenig Neu-Berliner Geschichte. Nach dem Mauerfall wurde der Potsdamer Platz, der bis zum Jahr 1989 nur noch eine Ödnis im Schatten der Mauer war, in großem Stil neu bebaut. Der damalige Daimler-Chef Edzard Reuter, Sohn des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter, verfügte, dass die Service-Tochter Debis ihren Sitz in Berlin nahm. Für den Bau der Daimler-City mit dem markanten gelben Hochhaus und insgesamt 70.000 Quadratmetern Bürofläche wurde Stararchitekt Renzo Piano verpflichtet. Im Jahr 2007 verkaufte Daimler das Areal für 1,4 Milliarden Euro an die schwedische Bank SEB. Jetzt ist auch der Rückzug der Mitarbeiter beschlossen. Sie müssen am Potsdamer Platz ausziehen, weil der Konzern durch diese Maßnahme die Kosten senken kann.

Mehrere Quartiere werden geprüft

Der Vertrieb beispielsweise soll die Kosten in ganz Deutschland um 30 Prozent senken. Dafür müssen jetzt auch die Mitarbeiter vom Potsdamer Platz ihren Beitrag leisten und über die alte Grenzlinie in den Ostteil ziehen. Denn bislang gilt für sie der Tarifvertrag des Landes Baden-Württemberg, inklusive der 35-Stunden-Woche. Dieses Privileg verdankt die Belegschaft ihrem Ex-Chef Reuter, der eine enge Verbundenheit zu Berlin hat. Im Ostteil der Stadt oder in Brandenburg hingegen wird nach den Maßgaben des Metall-Tarifvertrags für Berlin und die Ost-Länder gearbeitet, und das heißt, es gilt die 38-Stunden-Woche: Nach dem Umzug soll die Arbeitszeit der Daimler-Beschäftigten in zwei Schritten verlängert werden. Um ein Entgegenkommen der Belegschaft zu erwirken, hatte die Konzernzentrale im Sommer sogar mit einem Umzug des Vertriebs nach Stuttgart gedroht.

Wo genau die Vertriebsleute im Jahr 2013 hinziehen, ist noch nicht bekannt. Daimler prüft gerade diverse Angebote: Ein Quartier in der Nähe des Alexanderplatzes ist angeblich darunter. Es gibt Spekulationen über einen Standort im Quartier Mediaspree in Friedrichshain-Kreuzberg, und sogar ein Umzug ins Umland an den Hauptstadtflughafen BBI oder in den Europarc Dreilinden wird offenbar in Erwägung gezogen.

Dem Autokonzern waren allerdings nicht nur die Tarifbedingungen seiner Mitarbeiter zu teuer, sondern auch die Miete für die Büroräume am Potsdamer Platz. Für die Verlängerung um neun Monate bis zum September 2013 konnte das Unternehmen nach Informationen von Morgenpost Online eine deutliche zweistellige Minderung durchsetzen. Zudem galten die Büroräume als nicht optimal, da die gesamte Belegschaft am Potsdamer Platz über drei Häuser verteilt war.

Bei SEB gibt man sich angesichts des Wegzugs des prominenten Mieters gelassen. Daimler belege nur 15 Prozent der Fläche. Zudem sei der Standort so attraktiv, dass sich Nachmieter finden dürften.

Vor dem Umzug des Mercedes-Vertriebs war im Oktober vergangenen Jahres bereits der Wegzug der Finanztochter Daimler Financial Services beschlossen worden. Von deren 400 Mitarbeitern ziehen 300 nach Stuttgart – im Gegenzug wechseln Mitarbeiter der Mercedes-Bank in die Hauptstadt. Sie beziehen Quartier am neuen Königstadt-Carree an der Kreuzung Mollstraße/Otto-Braun-Straße. Zunächst sind es 450 Mitarbeiter, die Zahl der Beschäftigten soll aber weiter aufgestockt werden.

Die Finanzsparte des Autokonzerns wird derzeit umgebaut. 50 Millionen Euro will das Unternehmen dadurch einsparen. Daimler Financial Services wird dafür mit der Mercedes-Bank zusammengelegt. Die Hauptstadt bekommt das neue Service-Zentrum der Mercedes-Benz-Bank, wo mittelfristig 550 Mitarbeiter arbeiten sollen. Diese werden dort ab Ende des Jahres 2011 beispielsweise Kreditanträge von Mercedes-Käufern prüfen.

Die Neuordnung der Finanzsparte hat bei Daimler einen Ringtausch durch Deutschland ausgelöst. Mitarbeiter wechseln von Berlin nach Stuttgart und in die andere Richtung. Andere müssen nach Saarbrücken, wieder andere kommen von dort hierher. Im Wesentlichen wird das Service-Zentrum ein großes Callcenter sein, über das künftig Direktbankgeschäfte, Leasing, Fahrzeugfinanzierungen und Kfz-Versicherungen abgewickelt werden. Gegen den Wegzug aus Berlin hatten die Mitarbeiter am Potsdamer Platz monatelang erfolglos protestiert.