ACS-Abwehrkampf

Emirat Katar steigt beim Baukonzern Hochtief ein

Hochtief bekommt im Abwehrkampf gegen ACS Hilfe aus dem Nahen Osten: Das Emirat Katar steigt als Großaktionär beim Baukonzern ein.

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Im Abwehrkampf gegen den spanischen Angreifer ACS springt dem Essener Baukonzern Hochtief das Emirat Katar als neuer Großaktionär zur Seite. Damit könnten die Karten im Poker um die Zukunft von Deutschlands größten Baukonzern neu gemischt werden. Hochtief teilte mit, die Qatar Holding LLC als Anteilseigner gewonnen zu haben. Das Investmentunternehmen des Emirats Katar solle 9,1 Prozent am neuen Grundkapital von Hochtief halten.

Spekulationen über einen Einstieg des Emirats, das auch die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ausrichtet und dafür Milliarden-Investitionen in die Stadien und Infrastruktur angekündigt hat, gibt es seit Wochen. Hochtief plant eine strategische Zusammenarbeit mit Katar und schielt auf Aufträge für das Sportgroßereignis. ACS wollte sich zunächst nicht äußern. Um Qatar Holding ins Boot zu holen, erhöht Hochtief das Grundkapital um rund zehn Prozent. ACS bleibt dabei außen vor – die Kapitalerhöhung wird unter Ausschluss des Bezugsrechts der bestehenden Aktionäre umgesetzt.

Der Ausgabepreis je Aktie betrage 57,114 Euro. Damit flössen Hochtief rund 400 Millionen Euro zu. Der Ad-hoc-Ausschuss des Aufsichtsrats – in ihm sitzen keine Vertreter des Großaktionärs ACS – habe der Kapitalerhöhung bereits zugestimmt, hieß es. Hochtief und die Qatar Holding wollen ihre Zusammenarbeit ausbauen und weitere Bereiche für Kooperationen erkunden. „Wir werden unser Know-how für die Ausrichtung der WM anbieten“, kündigte ein Hochtief-Sprecher an. Der Einstieg Katars sei ein „deutliches Signal an ACS“, hieß es in Finanzkreisen. Mit dem Emirat, das politisch und wirtschaftlich bestens verdrahtet ist, sitze eine neue Partei mit am Tisch.

Hochtief ist mit 5000 Mitarbeitern in Katar aktiv

„Qatar Holding ist der Ansicht, dass Hochtief gut positioniert ist und exzellente Geschäftsaussichten hat“, zitierte Hochtief den Investor. Hochtief ist bereits mit über fünf Tochtergesellschaften in Katar vertreten und beschäftigt vor Ort mehr als 5000 Mitarbeiter. Projekte sind unter anderem eine mehr als acht Kilometer lange Einkaufs- und Geschäftsstraße in der katarischen Hauptstadt Doha für etwa 1,3 Milliarden Euro. Zudem plant Hochtief seit 2008 als Teil eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Qatar Bahrain Causeway die längste Länderverbindung der Welt.

Auch entwickelt Hochtief in einem weiteren Gemeinschaftsunternehmen bis 2020 eine komplett neue Stadt in Katar für 200.000 Menschen. Diese solle dann auch Gastgeberin der Fussball-Weltmeisterschaft 2022 sein.Der Vorstand des Essener Konzerns hatte das laufende ACS-Übernahmeangebot als feindlich empfunden und sucht bereits seit Wochen nach einem neuen Ankerinvestor, mit dessen Hilfe er eine Übernahme verhindern könnte. ACS hält knapp 30 Prozent am Hochtief-Kapital und hat ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot vorgelegt. Dieses läuft noch bis zum 29. Dezember um Mitternacht.

Der spanische Baukonzern bietet acht eigene Anteilsscheine für jeweils fünf Hochtief-Titel. Mit dem Einstieg Katars wird eine Übernahme deutlich erschwert. Der Aktienkurs von Hochtief schnellte am Morgen um knapp drei Prozent auf 61,85 Euro nach oben. Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter hatte bereits im Oktober in Berlin auf Vermittlung von Bundeskanzlerin Angela Merkel kurz mit dem Wirtschaftsminister des Emirats gesprochen. Reuters hatte Anfang Oktober aus Bankenkreisen erfahren, Hochtief bemühe sich um Investoren etwa aus Dubai oder Katar. Das Emirat Katar ist unter anderem in Deutschland auch bei Porsche und Volkswagen beteiligt.