Steuerhinterziehung

Razzia bei Credit-Suisse-Bankern in Deutschland

Die Großbank soll mehr als 1000 deutschen Kunden bei der Steuerhinterziehung geholfen haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

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Razzia bei der Credit Suisse (CS) in Deutschland: Die Ermittlungsbehörden wollen mit einer großangelegten Durchsuchungsaktion Mitarbeitern der Schweizer Großbank auf die Schliche kommen, die rund 1100 deutschen Kunden geholfen haben sollen, Geld am Fiskus vorbei zu schleusen.

Zehn Staatsanwälte aus Düsseldorf, 140 Polizisten und Steuerfahnder forschten in 13 deutschen Filialen und Niederlassungen von CS nach Unterlagen, die den Verdacht der systematischen Beihilfe zum Steuerbetrug erhärten könnten. Noch tappt die Staatsanwaltschaft im Dunkeln, wer in der Bank den Steuersündern geholfen haben könnte.

Gegen Kunden der Credit Suisse in ganz Deutschland laufen dagegen schon seit dem Frühjahr Steuer-Ermittlungsverfahren, nachdem das Land Nordrhein-Westfalen eine ihm angebotene CD mit Daten mutmaßlicher Steuerhinterzieher gekauft hatte. Die Credit Suisse bekräftigte ihre damalige Aussage, dass sie mit den zuständigen Behörden zusammenarbeite. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft rechtfertigte die Razzia: „Meistens sind die Banken ja kooperativ, aber man muss ja nicht alles glauben und geht dann lieber den sicheren Weg.“ Erste Erkenntnisse aus der Untersuchung stellte er in Kürze in Aussicht.

Zu Besuch waren die Fahnder bei Credit Suisse in Berlin, Bielefeld, Braunschweig, Bremen, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Nürnberg, Regensburg, Stuttgart und München. Von den 1100 Verfahren gegen CS-Kunden laufen nur 175 in Düsseldorf. Die übrigen wurden an andere Staatsanwaltschaften abgegeben. In der Diskussion über den Ankauf von Steuer-CDs aus der Schweiz hatten sich tausende Deutsche selbst angezeigt.

Credit Suisse selbst hatte lange nichts zu der Affäre sagen wollen. Im Zwischenbericht zum ersten Quartal erklärte die Bank im April nur, Hinweise von Kunden legten den Schluss nahe, dass die Bank Opfer eines Datendiebstahls geworden sei. Nach eigenen Angaben verwaltet Credit Suisse in der Schweiz weniger als 100 Milliarden Franken von Kunden aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Wieviel davon unversteuert sei, lasse sich nicht sagen, da Credit Suisse den Steuerstatus ihrer Kunden nicht kenne.

Die Schweiz war im Frühjahr angesichts der internationalen Diskussion um ihre Rolle bei der Hinterziehung von Steuern auf Schwarzgeld zunehmend in die Kritik geraten. Die Finanzminister Wolfgang Schäuble und Hans-Rudolf Merz hatte daraufhin Gespräche über ein neues Doppelbesteuerungsabkommen vereinbart. Zur Frage, ob das Vorgehen der deutschen Behörden gegen Credit Suisse diese Gespräche tangieren könnten, wollte ein Sprecher des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF) in Bern nichts sagen. Die bisherigen Treffen hätten den Charakter von Sondierungsgesprächen gehabt. Die Schweiz hoffe, dass formelle Gespräche Ende des Jahres beginnen könnten.