Lebensarbeitszeit

Liberale und Bundesagentur gegen Frühverrentung

Die Bundesagentur für Arbeit ist gegen Anreize zur Frühverrentung. Die Bürger sollen länger arbeiten. Zustimmung kommt von der FDP.

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Die Bundesagentur für Arbeit hält die Frühverrentung auf Dauer für falsch. BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker, sagte: "Langfristig ist es strategisch sinnvoll, alle Anreize zur Frühverrentung abzuschaffen. Dazu gehört die Verlängerung der Laufzeit von Arbeitslosengeld genauso wie die Altersteilzeit.“ Im "Hamburger Abendblatt“ hob er hervor, es sei wichtig, die Menschen länger in den Betrieben zu halten: „Dazu gehört auch ein späteres Renteneintrittsalter, das momentan durchschnittlich bei 63 Jahren liegt.“

Tatsächlich lag das Renteneintrittsalter in Deutschland 2008 bei 63 Jahren, obwohl das gesetzliche Rentenalter derzeit bei 65 Jahren festgeschrieben ist. Der Renteneintritt lag damit im Durchschnitt bereits zwölf Monate später als 2002. Doch immer noch ist nur jeder dritte über 60 erwerbstätig. Ab 2012 soll die Rente mit 67 schrittweise bis zum Jahr 2029 eingeführt werden. Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit ist äußerst unpopulär; vier von fünf Deutschen lehnen den späteren Ruhestand ab. Gewerkschaften laufen Sturm gegen die Rente mit 67, und auch die SPD hat sich jüngst für eine Verschiebung des Projekts ausgesprochen. Auch die Altersteilzeit, die Becker abschaffen will, ist äußerst beliebt: Von den 55- bis 59jährigen nimmt sie jeder zehnte in Anspruch, von den 60- bis 64jährigen sogar etwas mehr als jeder vierte. Allerdings werden neue Fälle seit dem 1. Januar 2010 nicht mehr von den Arbeitsagenturen subventioniert.

Die FDP begrüßte den Vorstoß der Nürnberger Bundesagentur. „Angesichts der demografischen Entwicklung können längere Lebensarbeitszeiten neben mehr gesteuerter Zuwanderung ein Teil der Lösung sein“, sagte der FDP-Arbeitsmarktpolitiker Johannes Vogel Morgenpost Online. Insbesondere dürfe es keine Anreize zur Frühverrentung mehr geben. Deshalb habe die Regierungskoalition die geförderte Altersteilzeit bereits beendet und werde mehr für lebenslanges Lernen und Qualifikation tun.

Auch BA-Vorstand Becker verwies auf die Folgen des demografischen Wandels für den Arbeitsmarkt. „Es werden in den Jahren 2025 bis 2030 bis zu fünf Millionen Arbeitskräfte fehlen“, sagte Becker. Den demografischen Wandel würden die Unternehmen mit aller Kraft zu spüren bekommen, betonte er. In diesem Zusammenhang befürwortet er die stärkere Unterstützung älterer Beschäftigter in den Betrieben. „Da wird man sich stärker mit dem Thema ältere Beschäftigte, Gesundheitsprävention und Lernformen für Ältere auseinandersetzen müssen“, sagte Becker.

Zunächst müsse man den innerdeutschen Arbeitsmarkt „voll ausschöpfen“. Teilweise werde Deutschland aber auch auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sein. „Richtig ist aber, dass Deutschland mittelfristig nicht mehr genügend Ingenieure ausbilden kann. Da brauchen wir dringend Verstärkung aus dem Ausland.“ Zuwanderung dürfe aber nicht das innerdeutsche Arbeitskräftepotenzial verdrängen, betonte Becker. Frauen und Migranten müssten deshalb besser in den deutschen Arbeitsmarkt integriert werden.

So müssten Unternehmen unter anderem verstärkt Jugendlichen mit Startschwierigkeiten hier in Deutschland eine sinnvolle Perspektive geben. Die Effekte des Bevölkerungsschwunds zeichnen sich schon jetzt in der Arbeitsmarktstatistik ab. Günstig für die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt sei auch gewesen, dass in diesem Jahr rund 100.000 Menschen weniger dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestanden hätten als in den vergangenen Jahren, sagte der stellvertretende BA-Vorsitzende Heinrich Alt der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Nicht zuletzt deshalb erwartet die Bundesagentur in diesem Jahr eine durchschnittliche Arbeitslosenzahl von lediglich rund 3,2 Millionen.