Ermittlungsdossier

Discountbestatter im Visier der Schweizer Justiz

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Der bekannteste Discountbestatter Deutschlands - mit Geschäftsschwerpunkt in Berlin und Brandenburg - ist ins Visier der Schweizer Justiz geraten. Es geht um illegal verstreute Asche und Einäscherungen ohne zweite Leichenschau.

Der bekannteste Discountbestatter Deutschlands ist ins Visier der Schweizer Justiz geraten. Nach Angaben von Schweizer Behörden, soll das bundesweit tätige Unternehmen „Aarau Bestattungen“ in mehreren Fällen die Asche Verstorbener illegal in der Schweiz verstreut haben. Demnach hat das Unternehmen für seine anonymen Bestattungen im Kanton Bern keine behördliche Genehmigung. Die Schweizer Polizei hat bereits ein Ermittlungsdossier zusammengestellt und dem Untersuchungsrichteramt Thun zur Prüfung übergeben. Eine Sprecherin des Richteramtes sagte, es seien „möglicherweise mehrere Straftatbestände berührt“. Die Firma Aarau wies die Vorwürfe zurück. Alle Anmeldungen lägen vor.

Aarau ist mit mehr als tausend Bestattungen im Jahr einer der größten Billiganbieter Deutschlands. Die Firma mit Sitz in Floh-Seligenthal (Thüringen) und Geschäftsschwerpunkt in Berlin und Brandenburg unterhält nach eigenen Angaben 29 Filialen im ganzen Bundesgebiet.

Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, soll die Firma Aarau außerdem bei Geschäften in Deutschland gegen das Bestattungsgesetz verstoßen haben. So sind mehrere Fälle in Berlin und Baden-Württemberg belegt, in denen Verstorbene eingeäschert wurden, ohne dass ein Mediziner die gesetzlich vorgeschriebene zweite Leichenschau durchgeführt hat. Der Landesmeister des baden-württembergischen Bestatterverbandes, Christian Streidt, sagte der Morgenpost: „Das sind keine Einzelfälle. Dieses Vorgehen hat offensichtlich Methode.“ Außerdem prüft das Finanzamt Suhl (Thüringen) derzeit, ob steuerliche Unregelmäßigkeiten bei Aarau vorliegen. Der Firma selbst sei dies nicht bekannt, erklärte eine Sprecherin.

Bei dem Chef des Bestattungsunternehmens handelt es sich nach Informationen der Berliner Morgenpost um einen früheren hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiter, der jahrelang von den Fahndern des Landeskriminalamtes Berlin gesucht worden war. Er wurde im Jahr 2005 unter anderem wegen Steuerhinterziehung, Insolvenzverschleppung und Anstiftung zur Untreue zu fünf Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt. Als Aarau-Gründer war er in der Vergangenheit immer wieder in Zeitungs- und Fernsehbeiträgen in der Öffentlichkeit präsent.