Gerhard Gribkowsky

Bayern-LB-Vorstand versteckte Millionen in Berlin

Der ehemalige Bayern-LB-Vorstand Gerhard Gribkowsky hat auf zweifelhafte Weise ein Millionen-Vermögen angehäuft - und sitzt deshalb nun in Untersuchungshaft. Das Geld investierte er unter anderem in Wohnungen in Prenzlauer Berg.

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Man kann nicht sagen, dass das Jahr 2010 für Gerhard Gribkowsky gut endete, und was sich für 2011 andeutet, ist noch sehr viel schlechter. Der 52-jährige frühere Risikomanager der BayernLB sitzt seit vergangenen Mittwoch in Untersuchungshaft. Zur Weihnachtszeit hatte er selbst der Staatsanwaltschaft gebeichtet, er habe 2006 und 2007 Überweisungen in Höhe von 50 Millionen Dollar erhalten. Das Geld kam aus Mauritius und der Karibik – wofür und vom wem ist nicht bekannt. Bekannt ist nur, das es zu einem guten Teil in einer österreichischen Privatstiftung namens Sonnenschein angelegt ist. Der deutsche Fiskus wusste bis dato nichts davon. Hätte er wohl aber müssen. Eine Sonnenschein-Tochter hat unter anderem in Berlin investiert. Und nicht zu knapp: Ihr gehört ein Block mit 170 Wohnungen in Prenzlauer Berg.

Der 2008 bei der BayernLB gefeuerte Manager soll die Millionen den Ermittlern zufolge für sein „Entgegenkommen“ beim Verkauf von Anteilen der BayernLB an der Formel 1 erhalten haben. Das Magazin „Focus“ berichtet, die Staatsanwaltschaft habe inzwischen weitere Hinweise, dass die ominösen Zahlungen sogar aus dem Umfeld der Rennserie stammen. Dazu wie zu vielen anderen Unklarheiten äußern sich die Strafverfolger bislang unter Hinweis auf laufende Ermittlungen nicht.

Auslöser Kirch-Pleite

In die Welt der schnellen Autos, der Reichen und Schönen ist Gribkowsky eher zufällig gestolpert. Von 2002 bis 2008 war er Risikovorstand bei der BayernLB, davor hatte er 13 Jahre für die Deutsche Bank gearbeitet, vor allem im Kreditgeschäft. In seinen ersten Monaten bei der BayernLB fiel ihm ein kniffliger Fall auf den Schreibtisch: Der Medienunternehmer Leo Kirch war pleite, und die BayernLB erbte seinen 50-Prozent-Anteil an der Formel-1-Dachgesellschaft Slec, der als Kreditsicherheit gedient hatte. Den galt es nun zu verwerten, und Gribkowsky war dafür verantwortlich.

Eine Aufgabe, der er sich angeblich mit großem Eifer stellte. „Er hat erst mal alle rausgedrängt, die Ahnung von der Sache hatten, weil er das alles selbst machen wollte“, sagt ein damaliger Geschäftspartner, der nicht gut auf den selbstbewussten Banker zu sprechen ist. Die Anteile der Bayern und von Ecclestones Holding-Gesellschaft Bambino übernahm 2006 ein neu geschaffenes Finanzvehikel namens Alpha Prema, an dem die Private-Equity-Gesellschaft CVC die Mehrheit hielt und Ecclestone wiederum einen Minderheitsanteil. Über den Preis schwiegen sich die Parteien aus, er soll jedoch deutlich unter den drei Milliarden Euro gelegen haben, auf die manche in der Branche seinerzeit den Wert der Formel1 taxierten. Federführend verantwortlich für den Verkauf war Gribkowsky.

Er habe das Geld für sein „Entgegenkommen“ bei dem Geschäft erhalten, glauben nun die Ermittler. Die Anteile seien ohne aktuelle Bewertung verkauft worden – also ohne Klärung der Frage, wie viel sie zum Zeitpunkt des Verkaufs tatsächlich wert waren. Die 50 Millionen Dollar seien dann über Mauritius und die karibischen Jungferninseln nach Österreich geflossen. Gribkowsky habe sie dort, aber nicht in Deutschland versteuert. Die Zahlungen an Gribkowsky hatte die „SZ“ Anfang der Woche öffentlich gemacht. Der Manager hatte sich der Zeitung zufolge vor seiner Verhaftung selbst an die Staatsanwaltschaft gewandt, weil er sich von den Fragen der Journalisten bedrängt gefühlt habe.

Woher aber kommt all das Geld? Diese Frage beschäftigte bereits vor vier Jahren die Staatsanwaltschaft Salzburg, die den Verdacht auf Geldwäsche prüfte. Das Verfahren wurde jedoch 2007 eingestellt, zu den Gründen schweigt sich die Behörde heute aus. Offenbar deklarierten Gribkowsky und sein österreichischer Anwalt Gerald Toifl die Einnahmen schon damals als Honorar aus einem Beratervertrag im Zusammenhang mit der Formel1. Nun vermutet die Staatsanwaltschaft München dahinter getarnte Bestechungsgelder – die Gribkowsky beispielsweise dafür erhalten haben könnte, dass er die Anteile unter Wert abgab.

Tatsächlich stellt sich die Frage, was für eine Beratungsleistung damals denn satte 50 Millionen Dollar wert gewesen sein soll. „Wenn das Honorar an das Transaktionsvolumen gebunden ist, kann die Summe schon mal in die Höhe schnellen“, gibt zwar ein Finanzfachmann zu bedenken. Aber: Durfte Gribkowsky überhaupt in einer Angelegenheit beraten, in der er eigentlich nur das Beste für seinen Arbeitgeber, die Landesbank, herausholen sollte?

Ecclestone gibt sich unschuldig

Über alldem schwebt vor allem eine Frage: Von wem stammt das Geld überhaupt? Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sagte der „Bild“- Zeitung, dass Vorwürfe an ihn „absoluter Blödsinn“ seien. „Er war doch bei den Verhandlungen auf meiner Seite. Ich brauchte ihn nicht zu überzeugen“, sagte er. Ecclestone bestritt, dass er Konten auf Mauritius oder den Jungferninseln unterhalten habe, von wo aus ursprünglich 50 Millionen US-Dollar in zwei Tranchen an Gribkowsky geflossen waren. Er kenne weder die Firma First Bridge Holding Ltd., noch wisse er etwas über Beraterverträge Gribkowskys.

Auch der Finanzinvestor CVC weist jede Beteiligung weit von sich: Ein Sprecher versichert, „dass das Unternehmen keine Kenntnis von Zahlungen an Herrn Gribkowsky oder mit ihm in Verbindung stehende Personen im Zusammenhang mit dem Kauf der Formel Eins durch CVC hat oder in solche Zahlungen verwickelt ist“. Das ist durchaus glaubhaft, ein Finanzinvestor täte sich sehr schwer, seinen Anlegern die Zahlung von vielen Millionen Bestechungsgeld zu verheimlichen.

Der Staatsanwalt schweigt

Die Staatsanwaltschaft München will sich derzeit nicht dazu äußern, ob sie neben Gribkowsky gegen weitere Personen ermittelt, namentlich gegen den möglichen Absender der Millionenüberweisung. Einer, der es sehr genau wissen müsste, schweigt ebenfalls: Anwalt Toifl, der Architekt der Sonnenschein-Stiftung. Der ausgewiesene Experte für internationales Steuerrecht könnte vielleicht auch erklären, warum der in Deutschland voll steuerpflichtige Gribkowsky seine fürstlichen Honorare zu günstigeren Sätzen in Österreich versteuerte, was die Münchener Ermittler nun als Hinterziehungsdelikt betrachten. Doch die österreichische Kanzlei Leitner + Leitner teilte am Freitag mit, ihr Partner Toifl lasse angesichts der Vorwürfe gegen Gribkowsky seine Tätigkeit ab sofort ruhen.

Der entstandene Schaden für die BayernLB ist nach wie vor unklar. Wie lange die Ermittlungen voraussichtlich dauern werden, ist laut Staatsanwaltschaft ebenfalls weiter unklar. Von seinem Geld hat der inhaftierte Manager derzeit sowieso nichts. Auf absehbare Zeit dürfte das auch so bleiben. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ ist das Vermögen eingefroren worden. Ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen der Münchner Staatsanwaltschaft an die österreichischen Behörden sei auf dem Weg.