Futtermittel

Dritter Dioxinfall in Brandenburg entdeckt

Der Brandenburger Teil eines sächsischen Geflügelmastbetriebes ist von dem Dioxinskandal betroffen, der bundesweit für Schlagzeilen sorgt. Zuvor war bereits zwei andere Fälle in der Mark bekannt geworden.

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Der Skandal um Dioxin in Futtermitteln hat ein größeres Ausmaß als zunächst angenommen.

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In Brandenburg gibt es erneut einen Fall von dioxinbelastetem Tierfutter. Ein märkischer Betriebsteil eines Geflügelmastbetriebes mit Firmensitz in Sachsen habe offenbar dioxinbelastetes Mischfutter erhalten, teilte das Potsdamer Verbraucherschutzministerium am Mittwoch mit. Von den Tieren dort seien Mitte Dezember 71.100 Hähnchen in einem Betrieb in Sachsen geschlachtet worden. Der Geflügelmastbetrieb sei bis auf weiteres amtlich gesperrt worden. Eine Probe von Futtermitteln solle untersucht werden.

Verbraucherschutzministerin Anita Tack (Linke) forderte eine schonungslose Aufarbeitung des Dioxin-Skandals. „Es ist nicht akzeptabel, dass Fette, die für technische Zwecke vorgesehen waren, in Futtermittel gelangen können“, sagte sie. Die Bundesregierung solle die Futtermittelgesetzgebung überprüfen. So müsse es eine räumliche Trennung der Verarbeitung von Fetten für industrielle Zwecke und für Futtermittel geben. Zuvor war bereits in zwei anderen Fällen in Brandenburg festgestellt worden, dass Hähnchen und Zuchtschweine offenbar dioxinbelastetes Futter gefressen haben.

Derzeit werden entsprechende Proben von 30 Tonnen tiefgefrorener Hähnchen eines märkischen Schlachthofes untersucht, teilte das Landeslabor in Frankfurt (Oder) mit. Mit einem Ergebnis werde in der kommenden Woche gerechnet. An den Betrieb wurden nach Angaben des Ministeriums Ende vergangenen Jahres 63.100 Hähnchen aus Sachsen-Anhalt geliefert, die geschlachtet wurden.

Die Tiere könnten aus einem anhaltinischen Werk mit Futter versorgt worden sein, das mit Dioxin verunreinigt wurde. Die Grenzwerte für eine Dioxin-Belastung liegen nach Expertenmeinung allerdings weit unter dem gesundheitsschädlichen Wert, so dass ein einmaliger Verzehr von belastetem Tierfleisch unbedenklich ist.

Im Landeslabor werden zudem Proben von Schweinen eines Zuchtbetriebes im Elbe-Elster-Kreis auf Dioxin-Rückstände untersucht. Er sei ebenfalls mit Futter aus dem anhaltinischen Mischwerk beliefert worden, teilte das Landratsamt in Herzberg mit. Ergebnisse der Untersuchung würden ebenfalls Anfang nächster Woche erwartet. Derweil arbeiten die deutschen Behörden mit Hochdruck an der Aufklärung des Futtermittel-Skandals.

Ostdeutsche Landwirte wollen keine schärferen Kontrollen, sondern mehr Tierhaltung in Bauernhand. Notwendig sei eine veränderte Agrarförderung hin zu kleineren Einheiten und betrieblichen Kreisläufen in der Tierhaltung, forderte der Deutsche Bauernbund. Dass ein Futtermittelhändler mit kriminellen Machenschaften die Eierproduktion in mehreren Bundesländern praktisch lahmlegen könne, zeige die Anfälligkeit der Massentierhaltung, sagte Bauernbund- Präsident Kurt-Henning Klamroth. Der Bund vertritt nach eigenen Angaben rund 1000 bäuerliche Familienbetriebe in Ostdeutschland.

In Deutschland sind nach Auskunft der Bundesregierung bis zu 3000 Tonnen verseuchtes Tierfutterfett hergestellt worden. Vom 12. November bis 23. Dezember 2010 seien sieben verdächtige Lieferungen an 25 Futterhersteller in mindestens vier Bundesländer verkauft worden. Dies geht aus einem Bericht des Landwirtschaftsministeriums an den Agrarausschuss des Bundestages hervor.