Bauindustrie

ACS knackt bei Hochtief-Übernahme die 30-Prozent-Hürde

Der Übernahmekampf um Deutschlands größten Baukonzern Hochtief scheint entschieden. Der spanische Angreifer ACS hat seinen Anteil am Essener Traditionsunternehmen auf 30,34 Prozent erhöht. Das teilten die Südeuropäer wenige Tage nach Auslaufen der Angebotsfrist mit. ACS hat damit einen entscheidenden Schritt gemacht. Denn nun kann das Unternehmen des schillernden Milliardärs Florentino Perez über die Börse weitere Hochtief-Papiere zukaufen, ohne den übrigen Aktionären ein teures Pflichtangebot machen zu müssen.

Erklärtes Ziel der Spanier ist es, mittelfristig auf gut 50 Prozent der Anteile zu kommen. Das Hochtief-Management ist strikt gegen die angestrebte Übernahme. Sämtliche Abwehraktionen sind bislang aber wirkungslos verpufft. Und nachdem ACS nun die aktienrechtlich relevante 30-Prozent-Hürde genommen hat, dürfte die Mehrheitsübernahme kaum noch abzuwenden sein.

Zwar ist das vermeldete Ergebnis noch nicht endgültig. Hochtief etwa verweist auf eine Widerspruchsfrist, während der Investoren ihren Aktientausch wieder rückgängig machen können. Beobachter gehen aber nicht davon aus, dass die Spanier unter die 30-Prozent-Marke zurückrutschen werden. Zumal heute die sogenannte weitere Annahmefrist beginnt. Bis zum 18.Januar haben Hochtief-Aktionäre nochmals Zeit, das Tauschangebot anzunehmen und fünf Hochtief-Papiere gegen neun ACS-Aktien zu wechseln. Und Börsenexperten rechnen fest damit, dass nun auch weitere Investoren die Seite wechseln werden und tauschen. Ein endgültiges Ergebnis für die ACS-Offerte wird für Anfang Februar erwartet.

Bislang haben überraschend wenige Aktionäre das ACS-Angebot angenommen. Mit knapp 2,4 Mio. Aktien konnten die Spanier lediglich 3,09 Prozent des Grundkapitals einsammeln. Damit dürfte der errungene Erfolg fast ausschließlich auf dem Engagement des amerikanischen Investmentfonds Southeastern Asset Management beruhen. Schließlich hatte die Führung des Finanzinvestors angekündigt, ACS alleine zwei Mio. Aktien andienen zu wollen.

Pikant an dieser Tatsache ist, dass Southeastern sowohl Aktionär von Hochtief ist, als auch Miteigentümer von ACS. In Essen wird daher heftig spekuliert, ob sich ACS und Southeastern im Vorfeld rechtswidrig abgesprochen haben. Hochtief-Finanzvorstand Burkhard Lohr hatte zuletzt eine entsprechende Untersuchung der deutschen Finanzaufsicht BaFin gefordert. Die Bonner Behörde will sich bislang nicht äußern, ob sie ein Verfahren startet.

Analysten zeigen sich aber eher skeptisch. Die Experten der DZ-Bank zum Beispiel würden „nicht darauf wetten“, dass die BaFin eingreift. Außerdem sei es naturgemäß äußerst schwierig, solche Absprachen nachzuweisen, heißt es in Bankenkreisen.

Für Hochtief wäre ein solches Verfahren ein letzter Hoffnungsschimmer, der feindlichen Übernahme durch den ungeliebten Großaktionär in letzter Minute doch noch entgehen zu können. Management und Betriebsrat fürchten den ACS als neuen Hausherrn, weil sie erwarten, dass die hochverschuldeten Spanier das Unternehmen in Einzelteile zerlegen und verkaufen wollen, um ihre Verbindlichkeiten zu tilgen.

Die Iberer allerdings widersprechen dieser Befürchtung bislang vehement. „Wir wollen mit der Übernahme einen der weltweit führenden Infrastrukturkonzerne schmieden“, beteuert ACS-Chef Perez. In einer im Hochtief-Lager stark umstrittenen Vereinbarung mit der Gewerkschaft IG Bau sichert er Hochtief auch für die Zeit nach der Übernahme Eigenständigkeit zu. Zudem soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Allerdings sind diese Versprechen nur bis zum Jahr 2013 befristet.

Beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) hofft man daher noch immer auf einen weißen Ritter, der bei Hochtief eine Sperrminorität von mindestens 25 Prozent der Anteile erwirbt. In Frage käme zum Beispiel das Emirat Katar, das über seine Finanzholding derzeit schon 9,1 Prozent der Aktien besitzt. Entsprechende Signale aus dem Nahen Osten hat es bislang aber noch nicht gegeben.

Auch Marc Tüngler hält dieses Szenario für unwahrscheinlich. „Die Schlacht scheint geschlagen“, sagt der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Er rechnet auch nicht mehr mit neuen Giftpillen von Hochtief. Vielmehr wartet er mit Spannung auf den 12. Mai, den Tag der Hauptversammlung von Hochtief. Dort werde sich zeigen, ob ACS versuchen wird, das Heft in die Hand zu nehmen, um etwa wichtige Positionen im Aufsichtsrat neu zu besetzen.