Zertifikate

Express-Papiere locken mit dem schnellen Geld

Auch ohne Börsen-Boom sind vergleichsweise hohe Renditen möglich: Beliebt sind dafür Expresszertifikate, bei denen das eingesetzte Kapital im Optimalfall sehr schnell und mit einer attraktiven Rendite zurückgezahlt wird. Bei einem Crash drohen allerdings heftige Verluste.

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Wie kann ich mein Geld am Sinnvollsten anlegen? Diese Frage stellen sich tagtäglich zahlreiche Investoren. Gerade im aktuellen Umfeld fällt die Entscheidung schwer. Die Zinsen sind immer noch tief im Keller und an den Aktienmärkten scheint die Luft nach dem imposanten Anstieg der vergangenen Wochen langsam aber sicher dünn zu werden.

Wer sich mit den Mini-Renditen auf Tages- und Festgeldkonten nicht zufrieden gibt und bereit ist, für eine höhere Verzinsung auch ein gewisses Maß an Risiken einzugehen, landet schnell bei Zertifikaten. Zumindest dann, wenn man nicht mit einer weiteren Bankenpleite wie bei der amerikanischen Lehman Brothers rechnet.

Sehr beliebt sind neben Garantieprodukten momentan die sogenannten Expresszertifikate, bei denen das eingesetzte Kapital im Optimalfall sehr schnell und mit einer attraktiven Rendite zurückgezahlt wird. Zudem bietet bei nicht ganz so perfektem Verlauf ein Risikopuffer am Ende der Laufzeit zumindest teilweise eine Absicherung gegen Verluste. Welches der aktuell von den Banken offerierten Angebote für den Anleger am ehesten in Frage kommt, hängt dabei stark von der individuellen Markterwartung ab.

Ein aktuelles Expresszertifikat der HypoVereinsbank (HVB) auf den Euro Stoxx 50 etwa ist bei einer Laufzeit von maximal zwei Jahren vor allem für vergleichsweise kurzfristige Optimisten geeignet. Schon nach sechs Monaten winkt eine vorzeitige Rückzahlung zu 105 Euro, was einer annualisierten Rendite von 9,2 Prozent entspräche. Voraussetzung dafür ist, dass der Index dann mindestens auf dem gleichen Niveau steht wie bei Auflegung.

Ist das nicht der Fall, wird der Vergleich zwischen aktuellem Indexstand und dem Startwert bei Emission alle sechs Monate wiederholt. Solange bis der Euro Stoxx 50 nicht mehr im Minus notiert oder die Laufzeit beendet ist. Der potenzielle Rückzahlungsbetrag erhöht sich dabei jedes Mal um fünf Euro.

Bei Endfälligkeit im November 2011 werden im Erfolgsfall also 120 Euro ausgezahlt. Bei einem auch dann noch Verluste ausweisenden Index sichert der Risikopuffer von 40 Prozent zumindest noch den Erhalt der anfangs zu zahlenden 100 Euro. An noch stärkeren Kursrückgängen würde der Anleger jedoch in vollem Umfang beteiligt, so dass dann zwangsläufig erhebliche Verluste entstehen (WKN: HV5AYS).

Nach einem ähnlichen Prinzip ist der als „Zanonia Deep“ angebotene Express der LBBW aufgebaut. Hier beträgt die Maximallaufzeit bei jährlicher Rückzahlungsmöglichkeit jedoch vier Jahre. Die Voraussetzungen für einen vorzeitigen Erfolg sind derweil identisch mit denen des HVB-Express. Und auch der vor Verlusten schützende Puffer bei Fälligkeit beträgt hier 40 Prozent. Bei einer Jahresprämie von acht Euro hinkt das Papier in Sachen Rendite (6,6 Prozent zum ersten Stichtag) allerdings deutlich hinterher.

Aber das hat auch seinen Grund. Wenn der Euro Stoxx 50 nach vier Jahren letztendlich nämlich weniger als 40 Prozent verloren hat, wird hier nicht nur der Nennwert von 100 Euro, sondern auch die Vierfachprämie von 32 Euro ausgezahlt. Damit ist selbst bei einem relativ starken Indexeinbruch von bis zu 39,9 Prozent am Ende immer noch der maximale Erfolg möglich.

Und aufgrund der doppelt so langen Laufzeit ist das Risiko von über den Puffer hinausgehenden Kursrückschlägen zudem geringer als bei der HVB, weil bei einem scharfen Einbruch in den kommenden Monaten mehr Zeit verbleibt, in der sich der Index wieder berappeln und über die alles entscheidende Schwelle klettern kann (WKN: LBW663).

Auf den ersten Blick ebenfalls defensiver ausgestattet ist das unter dem Namen „Flex Express“ mit Nennwert von 1000 Euro vertriebene Zertifikat der WestLB. Bei den jährlich anstehenden Stichtagen winkt eine bei hundert Euro startende und jeweils um genau diesen Betrag ansteigende Prämie, während die vom Euro Stoxx 50 zu meisternde Kursmarke jedes Jahr um zehn Prozent sinkt.

Im dritten und letzten Jahr wird daher bei einem um maximal 20 Prozent unter Startniveau liegenden Index immer noch der Höchstbetrag von 1300 Euro ausgezahlt. Der Risikopuffer per Fälligkeit liegt dafür allerdings nur bei 25 bis 30 Prozent und beschert Anlegern auch lediglich die Zahlung des Nennwertes. Die vergleichsweise hohe Renditechance zahlen Anleger also mit erhöhten Risiken bei Fälligkeit, falls es nicht zur erwünschten vorzeitigen Rückzahlung kommen sollte (WKN: WLB4MR).

Das als „Step Down“ bezeichnete Prinzip sinkender Rückzahlungsschwellen finden Investoren auch bei dem aktuellen, maximal zwei Jahre laufenden Express der Deutschen Bank. Ausgehend vom Startwert des Euro Stoxx 50 wird die Hürde alle sechs Monate um fünf Prozentpunkte nach unten gesetzt.

Die Prämie beträgt je Halbjahresperiode 5,25 Euro. Im November 2011 reicht so ein Kursrückgang von bis zu 15 Prozent zur Auszahlung von 121 Euro. Bei einem Minus von maximal 30 Prozent wird der Nennwert zurückgezahlt und darüber hinaus endet das Investment analog zum Indexminus im Verlust (WKN: DB5JGE).

Fazit: Mit Expresszertifikaten können Anleger zwar nicht in vollem Umfang an boomenden Aktienmärkten partizipieren. Dafür reichen aber schon moderate Kurszuwächse an den Börsen, um in kurzer Zeit eine weit über dem aktuellen Zinsniveau liegende Rendite zu erzielen. Je nach Ausstattung lockt sogar bei moderat fallenden Kursen noch der Maximalertrag. Wenn es am Aktienmarkt aber doch noch einmal zu einem Crash kommt, drohen heftige Verluste.