Jagd auf Edelmetall

Experten sagen 1300 Dollar für Unze Gold voraus

Anleger versuchen zunehmend, ihren Wohlstand gegen die befürchtete Geldentwertung zu abzusichern. Viele schichten ihr Vermögen in das Edelmetall Gold um. Der Preis steigt auf mehr als 1000 Dollar je Feinunze. Experten halten es für möglich, dass Gold bald noch viel mehr wert sein wird.

Wird Gold zur inoffiziellen Leitwährung? Immer mehr Sparer entscheiden sich bewusst gegen Euro, Yen oder Dollar als Wertaufbewahrungsmittel. Zuletzt trieben fortgesetzte Käufe den Goldpreis über die psychologisch wichtige Marke von 1000 Dollar je Unze (31,1 Gramm). Damit waren die Notierungen zum ersten Mal seit Februar 2009 wieder vierstellig.

Im Februar konnte Gold sich allerdings nur kurz über dieser Schwelle halten. In der Zwischenzeit war der Preis sogar bis auf 870 Dollar zurückgegangen. Bereits im März 2008 wurde Gold kurzfristig für mehr als 1000 Dollar gehandelt. Damals wurde bei 1033 Dollar ein Rekordhoch erreicht.

Analysten streiten darüber, ob die jetzige Hausse das Gold nachhaltiger ist als die vorangegangenen beiden Male. "Die 1000-Dollar-Marke wirkt für viele Anleger wie ein Magnet“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte bei der Commerzbank.

Sollte die bisherige Höchstmarke überwunden werden, halten manche Experten einen schnellen Anstieg auf 1200 bis 1300 Dollar für möglich. Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank sieht vor allem asiatische Investoren als treibende Kräfte.

In Fernost verlieren Anleger immer mehr das Vertrauen in den Dollar, ihr bisher bevorzugtes Wertaufbewahrungsmittel. Aber auch in Europa und Nordamerika weichen viele auf wahre Werte aus: „Papiergeld wird in Hartgeld umgeschichtet“, sagt ein Rohstoffhändler.

Infolge der ungehemmten Regierungsausgaben für Konjunkturprogramme und Bankensanierungen gehe die die Furcht vor einer Inflation einher. Verstärkt werde diese Sorge durch die lockere Geldpolitik der Notenbanker, die seit Ausbruch der Finanzkrise Billionen an Dollar, Euro gedruckt und ins System gepumpt haben.

„Die stark expansive Notenbankpolitik und die damit verbundene Geldschöpfung historischen Ausmaßes, sowie die massive Ausweitung der Staatsverschuldung rund um den Globus könnten Inflation zum großen Problem der nächsten Jahre machen. Dies gepaart mit nahezu weltweiter Nullzinspolitik sowie zunehmender Kritik am Dollar als Weltreservewährung ist eine perfekte Ausgangsposition für weitere Goldpreisanstiege“, meint Ronald Stöferle, Analyst bei der Erste Bank in Wien.

Als kurzfristiges Kursziel gibt er 1300 Dollar aus, langfristig hält er ein Überschreiten des inflationsbereinigten Allzeithochs bei 2300 Dollar je Unze für möglich.

Ausdruck der neuen Wertschätzung für das in den Neunzigerjahren totgesagte Edelmetall sind die milliardenschweren Zuflüsse in Goldfonds. Der größte dieser Fonds, der SPDR Gold Trust Holding, hält mit 1078 Tonnen inzwischen mehr als die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit 1040 Tonnen. Die Investorennachfrage der Goldfonds gleicht sogar die teilweise dramatischen Nachfrage-Rückgänge aus der Schmuckindustrie aus.

Der Paradigmenwechsel von Papiergeld zu Edelmetall wirbelt auch die Devisenmärkte durcheinander. Seit Jahresanfang hat Gold mit wenigen Ausnahmen gegenüber allen Währungen an Wert zugelegt, mit am stärksten gegenüber dem japanischen Yen um 15 Prozent, gegenüber dem Dollar um 13 Prozent, gegenüber dem Franken um zwölf und gegenüber dem Euro um elf Prozent.