Bundesbanker unter Druck

Türken in Deutschland schimpfen auf Sarrazin

Nach seinen abfälligen Äußerungen gegen Türken und Araber steht Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin, früher Finanzsenator in Berlin, in der Kritik. Sarrazin hat die wirtschaftliche Leistungskraft von Zuwanderern angezweifelt – die Türkisch-Deutsche Unternehmervereinigung ist empört.

Die Türkische Gemeinde empört sich über die Aussagen des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD) zu Einwanderern. „Das ist unerhört!“, sagte deren Vorsitzender Kenan Kolat. „Sarrazin schießt häufig über das Ziel hinaus und macht sich keine Gedanken über die Auswirkungen seiner Aussagen.“

Kolat nannte Sarrazin einen herzlosen Technokraten: „Erinnern Sie sich doch daran, wie er Hartz-IV-Empfängern vorgerechnet hat, wie man sich mit vier Euro pro Tag gesund ernähren kann, oder wie er den Tipp gegeben hat, sich einfach mal einen dickeren Pullover überzuziehen, wenn es kälter wird.“

Der Vorstandsvorsitzende der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung (TDU), Hüsnü Özkanli, und der Sprecher des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg, Safter Çinar, zeigten sich entrüstet. „Das ist absolut unter der Gürtellinie und inhaltlich völliger Quatsch“, sagte Çinar.

Sarrazin hatte in einem Interview mit der Zeitschrift „ Lettre International “ gesagt, große Teile der türkisch- und arabischstämmigen Bevölkerung Berlins seien „weder integrationswillig noch integrationsfähig“.

Sarrazin sprach von „etwa 20 Prozent der Berliner Bevölkerung“, die ökonomisch „nicht gebraucht werden“: „Eine große Zahl an Arabern und Türken in dieser Stadt, deren Anzahl durch falsche Politik zugenommen hat, hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel.“

Sarrazin, der inzwischen im Vorstand der Bundesbank sitzt, fügte hinzu: „Die Lösung dieses Problems kann nur heißen: kein Zuzug mehr, und wer heiraten will, sollte dies im Ausland tun.“ 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung würden diesen Staat ablehnen und nicht vernünftig für die Ausbildung ihrer Kinder sorgen.

Außer CDU- und SPD-Politikern in Berlin hatte sich die Bundesbank von Sarrazins Äußerungen distanziert. Die Linke-Politikerin Evrim Baba nannte Sarrazin nun einen „geistigen Brandstifter“.

Der frühere Berliner Finanzsenator hatte in dem Interview außerdem von „türkischen Wärmestuben“ in der Hauptstadt gesprochen, die die Stadt nicht vorantreiben könnten. Nichtleistungsträgern müsse vermittelt werden, dass sie „ebenso gern woanders nichts leisten können“.