Ölpest

BP überweist erste Milliarden-Entschädigung

BP hat drei Milliarden Dollar in den Fonds für die Opfer der Ölpest eingezahlt. Um die restlichen 17 Milliarden gibt es Streit.

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Es klingt ein bisschen wie ein Schildbürgerstreich. Der britische Ölkonzern BP zahlt erstmals Geld in den 20 Milliarden Dollar schweren Entschädigungsfonds. Drei Milliarden Dollar seien zunächst angewiesen worden, teilte BP stolz mit. Mit dem Fonds sollen schnell und unbürokratisch wirtschaftliche Schäden für Fischer, Hotelier oder anderen Tourismusunternehmen beglichen werden.

Unter welchen Bedingungen die restlichen 17 Milliarden Dollar in den Fonds kommen sollen, darüber zanken sich die Regierung von US-Präsident Barack Obama und BP dagegen offenbar. Obama will Sicherheiten, dass BP nicht Pleite geht oder aus anderen Gründen nicht mit dem Geld herausrückt. Und da habe BP nun ein recht bauernschlaues Angebot gemacht, meldet das renommierte „Wall Street Journal“. Wenn die US-Regierung schon unbedingt einen Pfand will, der im Ernstfall in den Besitz der USA übergeht, wie wäre es dann mit einer Ölplattform? Einer im Golf von Mexiko? Vielleicht eine, bei der ganz besonders tief gebohrt werden musste?

Schwer zu glauben eigentlich, dass sich die US-Regierung auf diese Idee eingeht. Schließlich war es Obama, der Tiefseebohrungen mindestens bis November verboten hat, um die Sicherheit der Fördermethode zu überprüfen. Und es ist seine demokratische Partei, die BP am liebsten gar keine neuen Bohrprojekte im Golf von Mexiko erlauben will. Glaubt man dem hochangesehenen „Wall Street Journal“, so bezeichnete ein Obama-Mitarbeiter die Angebot als „eine Option“, die geprüft werde. Eigentlich hätte man doch eher ein: „Ich spinnt wohl, auf so einen billigen Trick fallen wir nicht rein“, gerechnet.

Die Golfregion ist eine der profitabelsten Fördergebiete des Ölkonzerns, der dort rund zehn Prozent seines weltweiten Öl- und Gasaufkommens produziert. Insgesamt betreibt der Konzern im Golf 89 Bohrinseln und ist an 60 weiteren beteiligt. Sollte die US-Regierung tatsächlich die Golfproduktion als Pfand akzeptieren, dürfte das zu parteiinternen Querelen bei den Demokraten führen. Viele demokratische Kongressmitglieder würden BP die Ölförderung im Golf von Mexiko am liebsten komplett verbieten.

BP versprach derweil die restlichen Zahlungen auch noch zu leisten. Weitere zwei Milliarden Dollar sollten im vierten Quartal 2010 folgen. Ab dem Jahr 2011 würden in jedem Quartal 1,5 Milliarden Dollar überwiesen bis die Summe komplett sei. Schon jetzt hat die Katastrophe bei weitem die Kosten überschritten, die der scheidende BP-Chef Tony Hayward noch im Juni als Maximalsumme bezeichnet hatte. Damals sagte Hayward, im schlimmsten Fall müsse BP mit vier Milliarden Dollar für die Säuberungsaktion und die Entschädigung der Opfer rechnen. Wie BP nun meldete, hat der Konzern bereits 6,1 Milliarden Dollar gezahlt.

Die Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon im April gilt als die größte Umweltkatastrophe der US-Geschichte. Nach vielen vergeblichen Rettungsversuchen konnte BP den Ölfluss Mitte Juli endlich stoppen. der Konzern bohrt jedoch weiter an zwei Entlastungspipelines. Sie sollen das Leck dauerhaft versiegeln. Die Arbeiten dazu würden voraussichtlich noch vor dem Wochenende beendet, sagte der Krisenmanager Thad Allen. Im Golf zieht aber schlechtes Wetter auf, was den Zeitplan verzögern könnte.