Bayer Schering

Todesfall schockt Berliner Pharmakonzern

Eine junge Schweizerin ist an einer Lungenembolie gestorben - möglicherweise infolge der Einnahme einer Antibabypille aus dem Hause Bayer Schering. Die Schweizer Arzneimittelbehörde und auch der Konzern selbst untersuchen die Zusammenhänge.

Der Tod einer jungen Frau in der Schweiz könnte zur Belastung für den Berliner Pharmakonzern Bayer Schering werden. Die Frau starb Mitte September an einer Lungenembolie. Die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic prüft nun, ob ein Zusammenhang mit der Einnahme der Anti-Baby-Pille Yaz, ein Präparat von Bayer Schering.

Sollte sich der Zusammenhang bestätigen, wäre es laut Swissmedic der erste Todesfall mit Yaz, wie ein Sprecher sagte. Bis Ende Oktober will die Schweizer Behörde das Ergebnis der Untersuchung bekannt geben. Bayer Schering sprach von einem tragischen Todesfall und wird nun auch genau prüfen. „Dieser Fall, so tragisch er auch ist, lässt keinen generellen Rückschluss auf ein erhöhtes Thrombose-Risiko zu“, sagte Unternehmenssprecher Oliver Renner.

Der Todesfall in der Schweiz ist für das Unternehmen eine äußerst heikle Angelegenheit. Denn die Antibaby-Pille Yaz gehört zu einer der erfolgreichsten Produktgruppe der Berliner. Yaz ist eine niedrig dosierte Form der Pille und zählt zur Produktfamilie Yasmin. Mit den Verhütungsmitteln für Frauen machte Bayer Schering im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,2 Mrd. Euro. Für den Konzern geht es also um viel Geld.

Die junge Frau in der Schweiz sei Mitte September an den Folgen einer Lungenembolie gestorben. Zehn Monate zuvor habe sie mit der Einnahme der Pille begonnen, schreibt Swissmedic in einer Mitteilung. Yaz, eine niedrig dosierte Form der Antibaby-Pille, ist seit vergangenem Jahr in Europa auf dem Markt. Wie die ebenfalls von Bayer vertriebene Pille Yasmin enthält sie die Wirkstoffe Drospirenon und Ethinylestradiol. Beide Verhütungsmittel sind bei Frauen beliebt, weil sie zu einer geringeren Gewichtszunahme führen als Pillen der älteren Generation.

Lungenembolien sind die Folge von Thrombosen, also der Verstopfung von Blutgefäßen durch Gerinsel. Bayer-Schering-Sprecher Renner sagte, dass durch die Einnahme von Verhütungspillen generell ein höheres Risiko von Thrombosen bestünde. „Deshalb wird die Pille auch nur von Ärzten verschrieben“, sagte Renner.

Das Unternehmen hätte seit Einführung von Yasmin begleitende Studien durchgeführt. So seien in Europa allein über 50.000 Frauen, die mit Pillen verschiedener Anbieter verhüteten, untersucht worden. 16.500 hätten ein Präparat von Bayer Schering genommen. „Die Wahrscheinlichkeit, eine Thrombose zu erleiden, war in allen Fällen gleich hoch“, sagte Renner.

Die Verhütungspille Yasmin war bereits Ende Mai in die Schlagzeilen geraten. Auch damals hatte ein junges Mädchen nach Einnahme der Pille eine Lungenembolie erlitten. Sie ist seitdem schwerbehindert. Obwohl der Pharmakonzern es nicht als erwiesen ansah, dass die Embolie auf die Einnahme von Yasmin zurückzuführen sei, sagte er die Übernahme der Kosten für die Rehabilitation in Höhe von umgerechnet 132.000 Euro zu.

Swissmedic begann nach dem Vorfall mit einer Untersuchung aller Verhütungspillen. Nach Auskunft der Schweizer Behörde gab es in dem Land seit 1990 neun tödliche verlaufende Lungenembolien, die im Zusammenhang mit der Einnahme von Antibabypillen standen.

Die Konzernzentrale von Bayer in Leverkusen dürfte den aktuellen Fall in der Schweiz genau beobachten. Denn Bayer erlebte vor acht Jahren ein Desaster mit einem verschreibungspflichtigen Medikament, das den Konzern an den Rand des Abgrunds führte. Im Jahr 2001 musste Bayer den Cholesterinsenker Lipobay vom Markt nehmen, nachdem es Todesfälle in den USA gegeben hatte. Danach überlegte Bayer, ganz auf das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zu verzichten.

Die Pharmasparte von Bayer lag nach dem Lipobay-Skandal jahrelang danieder. Der Aufschwung kam durch die Übernahme der Berliner Schering AG im Jahr 2006. Bayer übernahm den Konzern auch, weil er mit Verhütungsmitteln so gut im Geschäft ist.