Glücksfund

BP entdeckt riesige Ölquellen im Golf von Mexiko

Die Quelle im Golf von Mexiko könnte für den britischen Öl-Riesen die Einnahmen der kommenden Jahrzehnte sichern. "Tiber" ist eine der tiefsten Quellen, die je gefunden wurden. Für BP ein Glücksfund – schließlich braucht der Konzern nach den sinkenden Einnahmen durch den gefallenen Ölpreis dringend gute Nachrichten.

Foto: picture-alliance/ dpa / dpa

Die Ölquelle Tiber ist eine der tiefsten, die je auf der Erde gefunden wurde. 1,2 Kilometer unter dem Meeresspiegel des Golfs von Mexiko beginnt sie und zieht sich bis hin zu 10,6 Kilometer Tiefe. Das Öl, das dort unter Tonnen von Wasser ruht, könnte BP in den kommenden Jahrzehnten viele Milliarden Dollar an Gewinnen sichern. Am Mittwoch gab Europas zweitgrößter Ölkonzern den Fund bekannt. Es handle sich um das größte Ölfeld, das seit vielen Jahren entdeckt worden sei.

Drei Mrd. Barrel Rohöl können laut BP-Schätzungen aus der Tiber-Quelle gewonnen werden, 400 Kilometer südöstlich der US-Stadt Houston. Mehr ist mit heutiger Technologie nicht möglich. BP sagte, es seien jedoch „weitere Untersuchungen nötig, um die Größe und die Wirtschaftlichkeit der Quelle zu bestimmen“.

Nach jetzigen Erkenntnissen scheine Tiber größer zu sein als das Kaskida Feld, das der britische Konzern 2006 ebenfalls im Golf von Mexiko entdeckte. Schätzungen zufolge lagern in Kaskida etwa vier bis sechs Milliarden Barrel. Nach Analystenmeinungen dürfte die Förderung der Quelle Tiber allerdings nicht vor 2014 beginnen. Einmal in Produktion, würden Tiber und Kaskida BPs Tagesproduktion von 400.000 auf 650.000 Barrel pro Tag erhöhen. Schon heute ist der Ölriese der größte Förderer im Golf von Mexiko.

Die Börse reagierte mit deutlichem Kursanstieg. Im Laufe des Nachmittags stieg die BP-Aktie auf dem Londoner Parkett zeitweise um 3,6 Prozent auf 5,38 Pfund. Ein Analystenbericht der Schweizer UBS-Bank urteilte: „Felder im Golf von Mexiko gehören zu den weltweit wertvollsten. Von daher ist der Fund sehr positiv zu beurteilen – eine Kurssteigerung von mindestens drei Prozent erscheint realistisch, selbst für einen Konzern von der Größe wie BP.“

Der Fund kommt für BP in einer Zeit, in der der Konzern gute Nachrichten dringend braucht. Allein im zweiten Quartal dieses Jahres hatte sich der Gewinn gegenüber dem Vorjahr auf 6,7 Mrd. Dollar halbiert. Grund ist der schwache Ölpreis, der vom Juli vergangenen Jahres von 147 Dollar pro Barrel auf den heutigen Stand von 68 Dollar fiel.

Die Entdeckung erhöht die Bedeutung des Golfs von Mexiko für westliche Ölmultis, die von vielen der vielversprechendsten Ölprojekten der Welt ausgesperrt sind. Staaten wie Venezuela, Brasilien, Saudi-Arabien und Russland reservieren die besten Ölfelder zunehmend für ihre staatlichen Ölfirmen.

BP kann die künftigen Gewinne der neuen Quelle jedoch nicht allein einstreichen. 62 Prozent hält der europäische Ölkonzern, 20 gehören dem brasilianischen Staatsunternehmen Petrobas. Der US-Ölgigant ConocoPhillips hält die restlichen 18 Prozent.